326  Industrie,  Handel  und  Verkehr.

tausende  von  Tonnen  unnötigerweise  verfrachtet  worden.  Wenn  dann  noch  hinzukommt,
daß  ein  Artlkel  von  mehreren  Kriegegesellschoften  bewirtschaftet  wird,  also  Halbfabrikate
an  andere  Gesellschaften  weitergegeben  werden,  so  muß  dles  zu  einer  Wagenverschwendung
  bel  den  knappen  Transportmitteln  führen.“

Nur  mit  ganz  unzulänglichen  Mitteln  war  gegen  Kriegsgewinne
und  Wucher  anzukämpfen  und  die  Produktionssteigerung  durch  Prämien
sicherzustellen  versucht  worden.  Anderseite  ist  auch  unter  der  Mitwirkung
der  Kriegsgesellschaften  Gewaltiges  geleistet  worden,  um  unter  den
unendlich  schwierigen  Verhältnissen,  in  die  Deutschland  wirtschaftlich  mit
der  Länge  des  Krieges  bei  seiner  völligen  Abschneidung  vom  Weltmarkt
  geriet,  die  Weiterführung  der  Kriegsindustrie  nicht  nur  zu  ermöglichen,
  sondern  in  der  zweiten  Hälfte  dee  Krieges  noch  auf  eine  wesentlich
höhere  Stufe  zu  führen  als  zuvor.  Das  Endziel,  das  die  Kriegs-Rohstoffabteilung
  und  später  das  Kriegeamt  sich  gestellt,  die  deutsche  Kriegeindustrie
  unabhängig  zu  machen  von  dem  Nohstoffmarkt  der  Außenwelt,
ist  durch  mehr  als  50  Monate  erreicht  worden  durch  immer  planvollere
  Verbindung  der  in  Deutschland  vorhandenen  Bestände,  der  vom
deutschen  Boden  und  dem  seiner  Berbündeten  gebotenen  Möglichkeiten,
durch  die  technischen  Fortschritte  auf  dem  Gebiete  der  Ersatzstoffverwertung
und  durch  die  deutsche  Wissenschaft,  die  uns  Rohstoffe  sozusagen  aus  dem
Nichte  geschaffen  hat.

Auf  welchen  Hauptgebieten  die  Wissenschaft  unmittelbar  für  die
Kriegszwecke  in  Anspruch  genommen  wurde,  läßt  sich  in  großem  Umriß
ersehen  aus  dem  Aufgabenkreis,  der  der  in  der  ersten  Kriegszeit  gegründeten
Kaiser  Wilbelm-Stiftung  für  kriegetechnische  Wissenschaft  gestellt  war.
Zu  der  kaiserlichen  Verordnung,  in  der  die  Genehmigung  dieser  Stiftung
ausgesprochen  war,  hieß  es:

Die  Stiftung  hat  den  Zweck,  „durch  das  Zusammenarbeiten  der
besten  wissenschaftlichen  Kräfte  des  Landes  mit  den  militärischen  Kräften
die  Entwicklung  der  naturwissenschaftlichen  und  technischen  Hilfemittel
der  Kriegführung  zu  fördern.“  Die  wissenschaftliche  Arbeit  erfolgt  in  folgenden
  Fachausschüssen:  1.  Ausschuß  für  die  chemischen  Nohstoffe  der
Munitionserzeugung  und  für  die  Betriebsstoffe.  2.  Ausschuß  für  die
chemischen  Kampfstoffe  (Pulver,  Sprengstoff,  Gaskampf  und  dergleichen).
3.  Ausschuß  für  Physik  (umfassend  Ballistik,  Lelephonie,  Telegraphie,
Ziel-  und  Entfernungsbestimmung,  Meßwesen  und  dergleichen).  4.  Ausschuß
  für  die  maschinellen  und  verkehrstechnischen  Hilfemittel  der  Kriegfübrung.
  5.  Ausschuß  für  Luftfahrt.  6.  Ausschuß  für  Metallgewinnung
und  Metallbearbeitung.

Vor  dem  Kriege  galt  es  in  militärischen  Kreisen  als  eine  Art  Glaubenssatz,
  daß  alle  technischen  Hilfemittel  des  Krieges  in  Friedenzzeiten