328  Zndustrie,  Handel  und  Vertehr.

Die  Schießbaumwolle  konnte  gleichwertigen  Ersatz  finden  mit  Hilfe  der
Zellulose,  deren  Verwendung  überhaupt  eine  vielseitige  Vermehrung  fand.

Ein  Teil  der  Kriegemittel,  die  der  deutschen  Heeresleitung  durch  die
chemische  Wissenschaft  zur  Verfügung  gestellt  wurden,  ist  nur  nach  langem
Zögern  benutzt  worden,  da  man  sich  trotz  aller  feindlichen  Methoden
der  wirtschaftlichen  Kriegführung  gegen  die  Gesamtheit  auch  der  deutschen
Zivilbevölkerung  nur  schwer  zu  der  Anerkennung  des  alten  Grundsatzes
durchringen  konnte,  daß  die  härteste  Kriegführung  letzten  Endes  die
humanste  ist,  da  sie  die  Leiden  des  Krieges  zeitlich  außerordentlich  abzuschwächen
  und  eine  schnelle  Entscheidung  herbeizuführen  vermag.  Ein
weiterer  Teil  ist  überhaupt  nicht  zur  praktischen  Anwendung
gekommen.,  auch  ale  die  Not  am  höchsten  war  und  die  Möglichkeit  winkte,
durch  radikalste  Mittel  einen  jähen  Umschwung  zu  unseren  Gunsten  herbeizuführen.
  Aus  Beröffentlichungen  von  feindlicher  Seite  zog  man  wobl
den  Schluß,  daß  drüben  gleich  verheerende  Kriegsmittel  noch  in  Reserve
gehalten  würden,  und  daß  der  Anfang  mit  der  Anwendung  solcher  Mittel
zu  einem  wechselseitigen  Borwärtstreiben  mit  unabsehbar  verheerenden
Wirkungen  für  die  Kulturmenschbeit  hätte  führen  können.

Gerade  die  chemische  Wissenschaft  verkörpert  die  engste  Verbindung
  zwischen  Wissenschaft  und  Wirtschaft,  und  gerade  in  ihr  hatte
Deutschland  vor  dem  Kriege  die  größte  Uberlegenheit  offendart,  dergestalt,
daß  die  chemische  Industrie  Deutschlands  bie  zu  einem  gewissen  Grade
eine  Monopolstellung  auf  dem  Weltmarkt  beanspruchen  konnte.  In  welchem
Maße  ihr  demgemäß  der  von  feindlicher  Seite  betriebene  Wirtschaftskrieg
galt,  ist  an  anderer  Stelle  dargelegt.  Während  sie  für  die  Zukunft  ihres
friedlichen  Wettbewerbe  auf  dem  Weltmarkt  durch  die  Maßnahmen  des
gegnerischen  Wirtschaftekrieges  schwer  bedroht  wurde,  schärfte  sie  nachhaltig
  die  deutschen  Waffen  zur  Abwehr  aller  feindlichen  Bemühungen.
Ihre  Aufgabe  war  nicht  darauf  beschränkt,  der  Munition  trotz  unseres
Rohstoffmangels  stete  gebrauchsfähigen  Inhalt  zu  sichern,  sondern  sie
hatte  auch  bei  der  Herstellung  der  Geschoßmäntel  sowie  der  Geschütze
selbst  für  Ersatz  fehlender  oder  knapper  Metalle  und  Zutaten  der  Metallverarbeitung
  zu  sorgen.  So  gebrach  es  an  Mangan  zur  Gewinnung
bochwertiger  Stahlsorten,  an  dem  früher  aus  Frankreich  und  Kaledonien
bezogenen  Bauxit  zur  Herstellung  des  teilweise  als  Kupferersatz  verwendeten
  Aluminiums.  Zn  allen  Fällen  sorgte  die  Chemie  für  die  Möglichkeit,
  diese  Hilfe-  bzw.  Urstoffe  durch  andere  Zutaten  oder  Urmaterialien
zu  ersetzen.  Aufs  äußerste  gefährdet  war  die  Betriebsfähigkeit  unserer
U-Boote,  Flugzeuge  und  Automobile  durch  das  Ausbleiben  des  Erdöls
bzw.  Benzins.  Es  galt  also  auch  diesen  Bedarf  aus  heimischen  Produkten
zu  decken.  Die  Steinkohlengruben  warfen  sich  daber  in  ihren  Kokereien