Textilindustrie.  Leberinbustrle.  331

Verschleiß  an  Berufskleidung  der  Arbeiterschaft,  wurde  zur  Durchführung
  einer  Altkleidersammlung  übergegangen,  um  durch  Alfarbeitung
  der  hierdurch  zusammenkommenden  Anzüge  den  dringendsten
Bedarf  decken  zu  können.  Zeitweise  hatte  man  daran  gedacht,  diese  Altkleidersammlung
  obligatorisch  durchzuführen,  nahm  aber  infolge  der
Widerstände,  auf  die  man  in  der  Offentlichkeit  stieß,  von  diesem  Verfahren
  schließlich  Abstand.  Lebhafte  Kritik  fand  die  Altkleidersammlung
infolge  der  großen  Preisdifferenz  zwischen  den  für  das  oft  noch  recht
gute  Altmaterial  gezahlten  und  den  für  die  aufgearbeiteten  Anzüge
verlangten  Preisen.  Da  auch  Leinenstoffe  außerordentlich  knapp  wurden
und  der  dringende  Bedarf  namentlich  der  Lazarette  kaum  noch  sicherzustellen
  war,  wurde  ferner  zur  Beschlagnahme  der  Tisch-  und  Bettwäsche
in  Gastwirtschaften  und  Gasthäusern  übergegangen,  sowie  zur  Beschlagnahme
  der  in  privatem  Gebrauch  befindlichen  Fenstervorhänge  und
dergleichen.

Während  der  ersten  Kriegezeit  wurde  unserer  Textilindustrie  die
Rohstoffversorgung  erleichtert  durch  das  weite  Vordringen  unserer  Heere
in  Belgien,  Frankreich  und  Russisch-Polen,  wo  ganze  Stapelplätze  von
Textilrohstoffen  in  unsere  Hand  fielen.  Im  Zahre  1918  verhieß  uns
der  Ostfrieden  weitere  Belieferungen  durch  den  russischen  Flachs  und
Hanf  und  die  Bestände  an  Baumwollwaren  in  der  Ukraine.  Die  großen
Transportschwierigkeiten  ließen  es  jedoch  nicht  zu  einer  nennenswerten
Belieferung  von  dorther  kommen,  bevor  die  ganze  Ostpolitik  mit  dem
Umschwung  an  der  Westfront  zusammenbrach.

Dieselben  Schwierigkeiten  wie  betreffs  der  Bekleidung  herrschten
hinsichtlich  der  Beschuhung.  Auch  der  Bedarf  an  Leder  war  durch  den
Krieg  wesentlich  gesteigert,  da  sich  zu  dem  großen  Heereebedarf  an  Schubzeug
  auch  der  Lederbedarf  für  Sattel-,  Zuggeschirre,  Bespannung  und  für
sonstige  militärische  Auerüstungestücke,  Tornister,  Gewehrriemen  usw.
gesellte.  Auch  der  Rohstoffbedarf  der  Lederindustrie  wurde  kaum  zur  Hälfte
durch  die  inländische  Erzeugung  gedeckt.  Es  machte  sich  demgemäß  auch
eine  Zwangebewirtschaftung  der  Ledervorräte  notwendig.  Häute  und
Felle  unterlagen  der  Beschlagnahme.  Schon  im  November  1914  wurde
die  Deutsche  Rohhaut-Aktien-Gesellschaft  gegründet  mit  der  Aufgabe,
die  rohen  Häute  und  Felle  des  Inlandes  zur  Herstellung  von  Leder  für
den  Militärbedarf  sicherzustellen.  Die  Kriegs-Leder-Aktien-Gesellschaft
übernahm  die  VBertleilung  der  von  der  Rohhaut-Gesellschaft  gesammelten
NRohstoffe  auf  die  Gerbereien  nach  einem  bestimmten  Verteilungsplan.
Zugleich  lag  ihr  die  Bewirtschaftung  der  Gerbstoffe  ob,  bezüglich  deren
wir  in  Friedenszeiten  ebenfalls  in  der  Hauptsache  auf  die  Einfuhr  angewiesen
  waren.  Neben  der  Deutschen  Rohhaut-Aktien-Gesellschaft  in