332  Industrie,  Handel  und  Verkehr.

Berlin  arbeitete  die  Kriege-Fell-Aktien-Gesellschaft  in  Leipzig  an  der
Beschaffung  der  Pelzfelle,  insbesondere  Kanin-,  Hasen-  und  Katzenfelle.
Aus  den  Verbänden  der  Lederindustrie  und  des  Handele  wurde  ferner
im  Jahre  1916  die  Reichs-Leder-Handelegesellschaft  gegründet,  um  die
Zuteilung  des  Leders  zur  Verarbeitung  für  den  Zivilbedarf  zu  regeln.
Da  die  hierfür  verfügbaren  Reste  in  keiner  Weise  ausreichten,  um  den  normalen
  Schuhbedarf  der  Zivilbevölkerung  zu  decken,  so  mußte  auch  auf
diesem  Gebiete  zu  Ersatzstoffen  gegriffen  werden,  deren  Bereitstellung
vornehmlich  Aufgabe  der  im  Oktober  1916  gegründeten  Ersatz-Sohlen-G.
  m.  b.  H.  war.  Für  diesen  Ersatz  wurden  teile  Lederabfälle  verarbeitet,
teilo  mußte  wiederum  das  Holz  auch  für  diesen  Gegenstand  des  Bekleidungebedarfs
  aufkommen.  In  Friedenzzeiten  belief  sich  der  Jahresbedarf
  der  Zivilbevölkerung  auf  mindestens  50  Millionen  Paar  nebst
150  Millionen  Paar  Ausbesserungesohlen.  Der  Holzsohlenindustrie  war
demnach  ein  außerordentlich  umfangreiches  Arbeitsgebiet  gestellt.  Selbstverständlich
  mußte  auch  die  Beschuhung  dem  Bezugscheinzwang  unterzogen
  werden.  Bezugscheinfrei  blieben  die  erst  in  der  letzten  Kriegszeit
in  großen  Mengen  bergestellten  Ersatzstiefel,  bei  deren  Verwendung
neben  Holzsohlen  auch  Oberlederersatz  durch  verschiedene  Ersatzstoffe  der
Textilindustrie  mit  mehr  oder  weniger  geringem  Erfolg  versucht  wurde.

Neben  der  Versorgung  der  Zivilbevölkerung  mit  Schuhwerk  war  von
großer  Wichtigkeit  die  Versorgung  von  Industrie  und  Landwirtschaft
mit  technischem  Leder,  obenan  mit  Treibriemen.  Schon  im  Winter  1915/16
litt  die  Industrie  schwer  unter  der  Unmöglichkeit  der  Beschaffung  von
Ledertreibriemen,  so  daß  auch  bier  die  Verwendung  von  Ersatzstoffen
eingreifen  mußte,  die  sehr  beträchtliche  Schwierigkeiten  verursachte.

Was  ferner  die  Metallwirtschaft  anbelangt,  so  haben  wir  in  weitaus.
erster  Linie  wieder  des  schon  mehrfach  erwähnten  Kupfers  zu  gedenken.
Auf  den  Ernst  der  Kupferfrage,  zugleich  aber  auch  auf  die  Möglichkeit,
in  beträchtlichem  Umfange  Kupfer  aus  allen  erdenklichen  Quellen  zur
Verfügung  stellen  zu  können,  hatte  Verfasser  am  17.  September  1914
im  „Tag“  durch  folgende  Ausführungen  bingewiesen:

„Kupfer  gehört  zu  denjsenigen  Stoffen,  für  die  eln  großer  Bedarf  der  Kriegeindustrie
vorliegt.  Es  genügt,  die  umfangreiche  Verwendung  von  Kupfer  in  der  Herstellung  von
Munition  zu  erwähnen  und  an  die  Kupferdrähte  der  Telegrapben-  und  Fernsprechleitungen
zu  erinnern.  Auf  dem  Kriegeschauplatz  sind  solche  Leltungen,  seste  und  bewegliche,  ununterbrochen
  neu  perzustellen,  im  eigenen  Lande  zerstörte  Leltungen  zu  erneuern.  Der  Kupferbedarf
  ist  groß  und  dauernd,  und  die  Kriegenachfrage  hat  bier  bereite  zu  bedeutenden
Preiesteigerungen  geführt.

Deutschland  gebört  selbst  zu  den  Kupfer  produzlerenden  Ländern,  deckt  den  Hauptumfang
  seines  Kupferbedarfs  jedoch  durch  Einfuhr  aus  dem  Ausland.

Unter  den  Kupferproduzenten  in  Europa  steht  England  mit  68  000  t  jährlich  an
der  Sopitze.  Ee  folgt  Spanien  mit  49  000,  Deutschland  mit  39  000.