Ole  Metallwirtschaft.  333

Weit  größer  als  in  Europa  ist  aber  die  Produktion  in  Amerika,  wo  die  Vereinigten
Staaten  mit  fast  einer  halben  Million  Tonnen  Jahreeproduktion  den  Weltmarkt,  wenn
auch  nicht  beherrschend,  so  doch  entscheldend  beeinflussen  und  obenan  stehen.  Ferner  sind
Aexiko,  Chile  und  Peru  als  Erzeuger  von  jährlich  26  000  bis  55.000  t  zu  nennen.  Und

endlich  Japan  und  Australien,  deren  Kupfergerwinnung  für  une  zur  Zeit  natürlich  ebenso
außer  Rechnung  bleiden  muß  wie  die  englische  und  kanadische.

Deutschland  gewinnt  im  eigenen  Bergwerkebetriebe  jährlich  für  elnige  zwanzig
Millionen  Mark  Kupfererze  und  erzeugt  daraus  auf  dem  Wege  der  Verhüttung  Kupfer
im  relchlich  doppelten  Wert.  Das  ist  jedoch  nur  ein  Bruchteil  seines  Gesamtbedarfe,  da
es  für  mehr  als  300  Millionen  Mark  Rohkupfer  einführt,  und  zwar  ganz  überwiegend
aus  den  Dereinigten  Staaten.
5•JA  Bur  Zeit  kommt  aber  nur  die  Deckung  des  eigentlichen  Kriegebedarfe  in  Frage,
nicht  der  Rohstoffbedarf  für  andere  Kupferfabrikate,  wie  wir  sie  im  Werte  von  etwa
70  Millionen  Mark  ausführen.  Es  wird  darauf  Bedacht  zu  nehmen  sein,  wle  wir  unseren
Kriegebedarf  an  Kupfer  durch  die  Vermittlung  neutraler  Nachbarländer  decken  könnten.
Dieser  Deckung  im  Wege  stehende  Hindernisse  müßten  ung  zur  Benutzung  anderer  Auewege
  veranlassen,  das  heißt:  zum  Zurückgreifen  auf  die  im  Znlande  vorhandenen  Kupferschätze
  in  verarbeiteter  Gestalt  und  auf  die  zur  Zeit  nicht  ausgenutzten  Kupferlager.  Es
gibt  in  Deutschland  Kupfervorkommen,  wie  beisplelsweise  die  Kupferschleferlager  im
Manefeldischen,  dle  einen  nur  geringen  Kupfergehalt  haben  und  deren  Ausbeutung  in
normalen  Zeiten  daher  nicht  lohnend  ist.  Kupferknappheit  kann  die  Aufnahme  ihrer  Ausbeutung
  gebleten,  und  ein  starkes  Anzlehen  der  Kupferpreise  kann  sie  auch  lohnend  gestalten.


Dann  aber  verfügen  wir,  wie  schon  angedeutet,  über  große  Mengen  verarbeiteten
Kupfere  in  solchen  Gegenständen,  die  wohl  entbehrlich  sind,  und  können  im  Notfalle  hleraus
viel  Kupfer  für  Krlegezwecke  gewinnen.  Ee  gab  eine  Zeit  der  Kupfermode  für  Kleinkram
der  Innenausstattung.  Kupferne  Schrelbzeuge,  Aschenbecher,  Bilderrahmen  und  dergleichen
  finden  sich  im  Hauehalt  massenhaft  neben  allerlei  kleinen  und  großen  Kupfergefäßen
  aue  alter  und  neuerer  Zeit.  Auch  in  der  Gegenwart  werden  kupferne  Rauchtische,
Tlschplatten,  Bowlen  und  dergleichen  viel  gekauft;  besondere  aber  ist  daran  zu  denken,
daß  die  Architektur  in  den  Zeiten  wachsenden  deutschen  Wohlstandee  einen  gewaltigen
Kupferluxus  getrieben  hat.  Kupferdächer,  Fassadenverzierungen  aus  Kupfer,  Kupferverkleidungen
  in  der  Innenarchitektur  sind  in  sehr  bedeutendem  Umfang  zur  vielfachen
Verwendung  gekommen.

Sollte  die  Not  ee  gebleten,  so  könnte  aus  all  diesen  Quellen  ein  bedeutendes  Quantum
Kupfer  zurückfließen  in  die  Bedarfedeckung  ber  Kriegelndustrie.  Zedenfalle  ist  auch  in
dieser  Beziehung  im  Auge  zu  halten,  daß  unde  Mittel  und  Wege  zur  Verfügung  stehen
und  nötigenfalle  unbeirrt  in  weltestem  Umfange  genutzt  werden  müssen,  um  dle  Hoffnung
unserer  Feinde  zuschanden  zu  machen,  daß  Oeutschland  durch  Abtrennung  vom  Weltmarkt
  wirtschaftlich  ausgehungert  und  auf  diesem  Wege  politisch  auf  die  Knle  gezwungen
werden  könnte!“

Damals  wollte  man  von  derartigen  Ausblicken  auf  eine  Beschlagnahme
  der  Altkupferbestände  nichts  wissen,  ebenso  wie  es  bebördlicherseits
  mit  Achselzucken  abgewiesen  wurde,  wenn  in  der  Offentlichkeit  nach
dem  Muster  von  1815  Goldsammlungen  vorgeschlagen  wurden.  In  den
Kreisen  der  Rüstungeindustrie  begann  man  aber  schon  in  jener  Zeit  andere
zu  denken;  denn  das  ungeheure  Munitionsaufgebot  auf  gegnerischer  Seite
zwang  auch  uns  zu  einem  Munitioneverbrauch,  der  weit  hinausging