334  Industrie,  Handel  und  Verkehr.

über  jedes  für  möglich  gehaltene  Maß.  Im  Herbst  1914  schien  freilich
nach  diesem,  damals  für  unerhört  gehaltenen  Munitionsaufwand  drüben
an  der  Westfront  auf  gegnerischer  Seite  Mangel  einzutreten,  so  daß  die
deutsche  Heeresverwaltung  zeitweise  glaubte,  in  der  Munitionsbeschaffung
ein  verlangsamtes  Tempo  einschlagen  zu  können.  Alsbald  aber  setzten
die  amerikanischen  Munitionslieferungen  ein,  und  nun  steigerte  sich  fort
und  fort  die  Munitionsverwendung  bis  zu  den  wochenlangen  Trommelscuern
  der  spätern  Kriegszeit.  Jetzt  wurde  auf  deutscher  Seite  der  ganze
Ernst  der  Kupferfrage  klar.  Freilich  glaubten  deutsche  Zeitungen  selbst
noch  im  Mai  lols  ironisch  darauf  hinweisen  zu  können,  daß  wir  einen
außerordentlich  billigen  Kupferlieferanten  in  unseren  Gegnern  seldbst
hätten,  die  große  Kupfervorräte  in  unseren  Händen  gelassen  hätten.
Auch  später  verließ  man  sich  noch  wiederholt  auf  die  in  den  Heeresberichten
erwähnte  Kupferbeute,  namentlich  nach  dem  Vordringen  im  Osten.
Tatsächlich  aber  ergab  sich,  daß  die  Kupferbeschlagnahme  immer  weiter
vordringen  und  sich  auch  ganz  in  der  Richtung  bewegen  mußte,  auf  die
ich  bereits  im  September  1914  hingewiesen  hatte,  als  noch  kein  Gedanke
daran  war,  daß  der  Munitionsbedarf  eine  so  enorme  Höhe  erreichen  würde,
wic  es  später  der  Fall  war.

Die  im  Frühjahr  1918  angekündigte  Enteignung  der  messingnen  Türund
  Fensterklinken  zwecks  Kupferbeschaffung  erregte  im  Publikum,  das
durch  die  Berichte  über  Kupferbeute  bei  den  Offensiven  irregefuͤhrt  war,
vielfach  Argernis  und  Beunruhigung,  und  die  Metallmobil  stell
des  Kriegsministeriums  hatte  alle  Mühe,  über  die  tatsächliche  Notwendigkeit
  dieser  Maßnahmen  aufzuklären.  Die  Kupferbewirtschaftung  im
Kriege  gründete  sich  auf  der  im  Berhältnie  zum  Gesamtbedarf  sehr  bescheidenen
  Produktion,  auf  der  Mobilisierung  der  im  Inland  in  verschiedenster
  Form  vorhandenen  Bestände  und  auf  den  Eingängen  aus  den
besetzten  Gebieten,  zu  denen  auch  die  Beute  zu  rechnen  ist.  Diese  Beute
bildete  im  Wirtschaftsplan  der  Heeresverwaltung  von  vornherein  einen
wichtigen  Faktor,  zumal  die  Produktion  infolge  der  wachsenden  Schwierigkeiten
  bezüglich  der  Versorgung  mit  Arbeitskräften,  Brennstoffen,  Material
und  infolge  der  Transportverhältnisse  nicht  in  nennenewerter  Weise
gesteigert  werden  konnte.  Die  Mobilisierung  im  Inlande  mußte  also  einen
sehr  erheblichen  Teil  des  Bedarfes  decken.

Durchgeführt  wurden  die  kriegewirtschaftlichen  Maßnahmen  auf  dem
Gebiete  der  Metallbewirtschaftung  durch  die  Kriege-Wetall-Aktien-Gesellschaft,
  eine  gemeinnützige  Gesellschaft,  die  unter  Veranlassung  und
unter  Aufsicht  des  K.  M.  arbeitete,  und  in  der  auch  das  Reiche-Marine-Amt,
  das  Reichsamt  des  Innern  und  das  Handeleministerium  vertreten
waren.  Die  einschneidendste  Bekanntmachung  über  Beschlagnahme,  Ent-