336  Industrie,  Handel  und  Bertkehr.

des  großen  Heeresbedarfs,  infolge  des  Arbeitermangels  und  der  sonstigen
Kriegsverhältnisse  schließlich  knapp  wurden  und  haushälterisch  bewirtschaftet
  werden  mußten.  Als  Beleg  hierfür  sei  nur  angeführt,  daß  die
gesamte  Roheisenerzeugung  in  Deutschland  im  Zahre  1913  19,5  Millionen
Tonnen  betrug,  im  Jahre  1914  aber  auf  14,4,  1917  auf  13,1  Millionen
Tonnen  gesunken  war,  also  nur  noch  etwas  mehr  als  zwei  ODrittel  der
Friedenserzeugung  auemachte.

Dem  Arbeitermangel  war  es  vornehmlich  auch  zuzuschreiben,  daß
die  Kohlenförderungen  eine  wesentliche  Einbuße  erlitten,  indessen
der  Bedarf  der  zu  höchster  Leistungefähigkeit  angespannten  Industrie
an  Kohle  gewaltig  zunahm,  und  auch  die  Eisenbahnen  infolge  der  fortwährenden
  Kriegstransporte  einen  sehr  gesteigerten  Kohlenbedarf  aufzuweisen
  hatten.  So  kam  es  nach  der  Durchführung  des  „Hindenburg--programms“
  zu  einer  empfindlich  gesteigerten  Kohlenknappheit,  unter
der  vor  allen  Dingen  der  private  Kohlenbedarf  schwer  zu  leiden  hatte.
Industrie  und  Verkehrswesen  mußten  für  den  Kriegsbedarf  selbstverständlich
  ausreichend  beliefert  werden.  Für  den  Bedarf  der  Ziovilbevölkerung
blieb  danach  nur  eine  begrenzte  Menge  übrig,  die  in  hauehälterischer
Weise  verteilt  werden  mußte.  Das  führte  zu  einer  weitgehenden  Einschränkung
  des  Verkehre  von  Personenzügen  und  Güterzügen  für  den
Privatverkehr,  zu  einer  wesentlichen  Herabminderung  der  öffentlichen
Beleuchtung  in  den  Städten  und  zur  Einführung  der  Kohlenkarten  für
den  Hausbrand,  auf  die  gegenüber  dem  normalen  Bedarf  nur  winzige
Mengen  zur  Berteilung  kommen  konnten.

Mußte  sich  einerseite  die  Industrie  in  Deutschland  eine  große  Menge
von  Einschränkungen  unter  den  Kriegewirkungen  gefallen  lassen,  so  war
die  Heeresverwaltung  anderseite  bestrebt,  in  den  besetzten  Gebieten,
besondere  des  Ostens,  alle  jene  Industriezweige  zu  fördern,  die  der  heimischen
  Wirtschaft  Borteil  bringen  konnten.  So  wurde  namentlich  in
den  waldreichen  Gebieten  im  Gebiet  des  Oberbefehlshabere  „Ost“  die
außerordentlich  wenig  entwickelte  Holzverarbeitung  in  weitestgehendem
Maße  gefördert.  In  den  besetzten  Industriegebieten  des  Westene  anderseits
  mußten  schon  frühzeitig  die  Fabriken  verschiedenster  Art  ihr  wertvolles,
  für  die  deutsche  Kriegeindustrie  verwendbares  Material  namentlich
an  Kupfer  und  dergleichen  hergeben.

Endlich  ist  nicht  zu  übersehen,  daß  die  deutsche  Kriegeindustrie  bei
aller  Anspannung  für  die  eigenen  Zwecke  auch  in  nicht  geringem  Umfange
zur  kriegsmäßigen  Unterstützung  der  Verbündeten  angespannt
werden  mußte,  und  daß  es  notwendig  war,  diesen  Verbündeten,  wie
früher  dargelegt,  auch  solche  Produkte  zur  Verfügung  zu  stellen,  bei  denen
deutsche  Sparmetalle  VBerwendung  zu  finden  hatten.