Wirtschaftl.  Bestimmungen  des  Friedens  von  Brest-Litowsk.  Kriegsmessen.  345

solcher  Waren  nichtdeutsche  Kohle  verwendet  oder,  soweit  es  sich  um  Fabrikationsprozesse
bis  zum  15.  Juli  handelt,  die  Kohle  restituiert  worden  ist,  so  kann  die  Ausfuhr  daduech
ermöglicht  werden,  daß  aus  dem  Gebiete  der  Entente  nach  der  Schweiz  dic  bezügliche
Kohlenmenge  eingeführt  wird.

Eine  staatliche  Regelung  des  Auefuhrhandels  war  auch  notwendig
gemacht  durch  die  wirtschaftlichen  Bestimmungen  des  Friedene  von
Brest-Litowek.  Bei  der  Wiederaufnahme  der  Handelsebeziehungen
zur  Ukraine  konnte  wiederum  nicht  der  freie  Handel  in  Kraft  gesetzt  werden,
sondern  es  trat  ein  Warenaustausch  zwischen  staatlicherseite  eingesetzten
Organisationen  auf  beiden  Seiten  in  Kraft.  Ebenso  hatte  die  russische
NRäterepublik  sich  die  Monopolisierung  des  Auefuhrhandels  vorbehalten,
und  auch  der  Versuch  einer  Wiederanbahnung  der  Wirtschaftebeziehungen
zu  ihrem  Gebiet  mußte  sich  in  gleich  monopolistischen  Formen  vollziehen.

Eine  gewisse  Freiheit  konnte  während  der  ganzen  Kriegezeit  der
Handel  über  die  Ostsee  aufrechterhalten,  der  durch  die  englische  Blockade,
soweit  er  reiner  Ostseehandel  war,  nicht  beeinflußt  wurde  und  nur  vorübergehend
  unter  der  Wirksamkeit  englischer  U-Boote  in  der  Ostsee  zu
leiden  hatte.

In  dem  engen  Rahmen  der  verbliebenen  Möglichkeiten  des  Außen--handels
  ließen  die  Vertretungen  der  deutschen  Auefuhrindustrie  sich  die
Sorge  für  Aufrechterhaltung  der  wirtschaftlichen  Berbindungen  und  für
die  Förderung  der  Auefuhr  des  bescheidenen  Restes  ausfuhrfähiger
deutscher  Waren  angelegen  sein  durch  die  Fortführung  der  Leipziger
Messen  auch  während  des  Krieges.  Diese  Kriegemessen  bezeugten
den  unbeugsamen  Wirtschaftawillen  Deutschlande  und  erfreuten  sich  in
zunehmendem  Maße  eines  starken  Besuches  aus  den  neutralen  und  den
verbündeten  Ländern.  Oie  Nachfrage  nach  den  dort  dargebotenen  Erzeugnissen
  war  namentlich  aus  den  verbündeten  Ländern  sehr  lebhaft,
konnte  aber  infolge  der  großen  Knappheit  an  Rohmaterialien  jeder  Art
nur  in  bescheidenen  Grenzen  befriedigt  werden.

Ein  umfangreiches  Kapitel  für  sich  würde  die  Behandlung  der
deutschen  Kriegewirtschaft  in  den  besetzten  Gebieten  fordern.
Wenn  an  dieser  Stelle  auch  auf  eine  Darstellung  dieses  Zweiges  der
deutschen  Kriegewirtschaft  im  allgemeinen  Berzicht  geleistet  werden  soll,
so  mag  doch  wenigstens  als  einzelnes  Beispiel  aus  eigener  Anschauung
des  Berfassers  in  kurzen  Strichen  dargestellt  werden,  welchen  Umfang
die  kriegewirtschaftlichen  Arbeiten  Deutschlande  in  einem  der  besetzten
Gebiete,  nämlich  in  Rumänien,  annahmen:

Solange  Rumänien  sich  noch  neutral  hielt,  waren  seine  Bodenschätze
von  seiten  der  beiden  kriegführenden  Mächtegruppen  heiß  umworben.