346  Zudustrie,  Handel  und  Verkehr.

Obwohl  England  für  sein  Teil  keine  Möglichkeit  hatte,  rumänisches  Getreide
  während  des  Krieges  an  sich  zu  ziehen,  da  der  Weg  durch  die
Dardanellen  versperrt  war  und  trotz  des  Gallipoli-Abenteuers  versperrt
blieb,  suchte  es  doch  fortgesetzt  die  ganze  rumänische  Ernte  aufzukaufen,
mur  um  ihren  Erwerb  durch  die  andere  Gruppe  der  Kriegführenden  zu
vereiteln  und  dadurch  namentlich  die  deutsche  Nahrungemittelversorgung
zu  erschweren.

Solange  Serbien  in  der  Lage  war,  den  Donauweg  zu  sperren,  konnte
auch  Deutschland  ohnehin  nur  in  sehr  begrenztem  Umfange  rumänische
Landeserzeugnisse  an  sich  ziehen.  Als  schließlich  Rumänien  in  den  Krieg
eingetreten  war  und  seinen  ersten  Erfolgen  in  Siebenbürgen  das  große
Fiasko  folgte,  war  es  Englands  größte  Sorge,  den  siegreichen  Mittelmächten
möglichst  wenig  Früchte  der  rumänischen  Volkswirtschaft  zufallen  zu  lassen.
Neben  der  Bergung  der  Getreidevorräte  in  die  vor  den  rugsisch-rumänischen
Truppen  zu  schützenden  Gebiete  war  es  vor  allen  Dingen  darauf  bedacht,
die  Auefuhr  von  Erdöl  nach  Deutschland  und  den  anderen  Vierbundmächten
  unmöglich  zu  machen,  weil  diese  Olschätze  andernfalls  dem
deutschen  U-Bootkriege,  dem  deutschen  Flugwesen  und  beträchtlichen
Zweigen  der  deutschen  Kriegewirtschaft  nützlich  zu  werden  verhießen.

Die  gewaltigen  Anstrengungen  der  Engländer,  unter  Opferung
von  Teilen  des  rumänischen  Volksvermögene  diese  Berhinderungeaufgabe
durchzuführen,  haben  bei  weitem  nicht  den  erhofften  und  errechneten
Erfolg  gehabt.  Trotz  umfangreicher  Zerstörungen  von  Oltanks  und  Olleitungen
  fiel  den  siegreichen  Truppen  doch  ein  recht  ansehnlicher  Bestand
an  Petroleumvorräten  in  die  Hände.

In  den  rumänischen  Olfeldern  trat  mit  großer  Deutlichkeit  der  Gegensatz
  zwischen  englischer  und  deutscher  Methode  der  Kriegführung  zutage.
Airgends  vielleicht  konnte  man  anschaulicher  beobachten,  daß  England  die
Konkurrenzfähigkeit  auch  seiner  Verbündeten  zu  vernichten  trachtet,  daß
Deutschland  die  Volkewirtschaft  auch  im  besetzten  Feindesland  belcbt.
Diese  Fähigkeit  der  Wirtschaftösbelebung  im  besetzten  Gebiet  ist  schwerlich
einem  Heere  der  Welt  so  zu  eigen  wie  dem  deutschen.  Oie  englische  Methode
  hat  die  rumänische  Volkswirtschaft  mit  einem  Milliardenschaden
bedacht,  der  deutschen  Methode  wird  Rumänien  es  nach  dem  Kriege
zu  danken  haben,  daß  es  trotz  der  englischen  Zerstörungewut  die  alten
Arbeiten  wieder  fortzusetzen  in  der  Lage  sein  wird.

Im  September  1917  fand  in  London  die  Generalversammlung
einer  Erdölgesellschaft  statt,  die  an  den  rumänischen  Olfeldern  hervorragend
interessiert  war.  In  dieser  Generalversammlung  konnte  bei  Erstattung
des  Jahreoberichts  den  staunenden  Aktionären  nicht  genug  davon  vorgeschwärmt
  werden,  wie  ungeheuer  gründlich  das  Zerstörungewerk  ge-