Die  deutsche  Kriegswirtschaft  in  den  besetzten  Gebieten.  347

wesen,  das  von  einer  englischen  Kommission  dort  verrichtet  wurde.
Für  mindestens  zwei  Zahre  sollten  die  Sonden  unbrauchbar  sein.  Oie
Arbeit  der  englischen  Zerstörungekommission  wurde  den  glanzpoollsten
und  ruhmreichsten  Kriegshandlungen  eingereiht.  Der  englische  Oberst,
der  sie  geleitet,  war  geadelt  worden,  und  selbst  ein  hoher  rumänischer
Orden  mußte  für  ihn  abfallen,  obwohl  seine  Handlungeweise  den  rumänischen
  Znteressen  die  allerschwerste  Schädigung  zugefügt  hatte.  Die
englischen  Aktionäre  mochten  sich  über  die  Unbrauchbarmachung  ihrer
rumänischen  Olfelder  trösten,  denn  wurden  diese  Aktien  vorübergehend
oder  dauernd  wertlos,  so  stiegen  dafür  ihre  Aktien  in  anderen  Olgebieten
der  Erde  um  so  höher  im  Kurse.  Sie  mochten  sich  trösten  auch  mit  der
scheinbaren  Gewißheit,  daß  die  englische  Regierung,  wie  sie  gegenüber
dem  rumänischen  Berbündeten  seinerzeit  versprochen,  für  den  ganzen
angerichteten  Schaden  aufkommen  werde.  Dieses  Versprechen  zu  halten
liegt  aber  keineswegs  in  der  Absicht  der  Leiter  des  bedrängten  englischen
Finanzwesens.  Selbst  englische  Ansprüche  in  dieser  Hinsicht  sind  abgewiesen
worden.  Man  fügte  nachträglich  zum  Schaden  Rumäniens  den  Spott,
indem  man  behauptete,  die  rumänische  Regierung  sei  entschädigungspflichtig.
  Will  oder  kann  sie  diese  unerhörte  Zumutung  nicht  erfüllen,
so  meinen  die  Engländer,  daß  die  Ententemächte  insgesamt  für  die
Entschädigung  der  englischen  und  anderen  Aktionäre  aufzukommen  hätten,
da  das  Zerstörungswerk  im  ententistischen  Kriegeplan  gelegen  hätte.

Das  Erbohren  der  Olfelder  ist  ein  keineswege  leichtes  Werk.  Es  gehört
dazu  eine  Fülle  kostbaren  Materials  und  viel  Zeit.  Das  Zerstören  ist
natürlich  wesentlich  leichter  vollbracht.  Da  werden  zunächst  die  gewaltigen
Olvorräte  in  den  großen  Tanks  und  diese  selbst  durch  Feuer  vernichtet,
was  bereits  einen  Verlust  des  Volkesvermögens  in  Höhe  von  Hunderten
von  AMillionen  verursacht.  Da  werden  weiter  in  den  Raffinerien,  die  das
Rohprodukt  aus  dem  Schoß  der  Erde  in  seine  einzelnen  Olarten  zerlegen
und  dadurch  erst  wirklich  wertvoll  machen,  vernichtet,  indem  man  aus
den  angeheizten  Kesseln  das  Wasser  abläßt  und  diese  dadurch  zerstört.
Da  werden  endlich  die  eigentlichen  Schöpfquellen,  die  Sonden,  wie  der
technische  Ausdruck  heißt,  vernagelt,  d.  h.  bis  in  ihre  Tiefe  von  3  bis  700  m
mit  allen  erdenklichen  Werkzeugen  verstopft,  so  daß  die  Hebung  dieses
Verstopfungesmaterials,  die  sogenannte  Entnagelung,  schier  unmöglich
erscheint.

Aber  so  stolz  die  Engländer  auf  dieses  Zerstörungswerk  auch  waren,
der  zähen  deutschen  Energie,  der  Erfindungeskraft  der  deutschen  Techniker
ist  es  in  teilweise  ganz  erstaunlich  kurzer  Zeit  gelungen,  die  Hindernisse
zu  beseitigen  und  die  Petroleumquellen  neu  zu  erschließen,  auch  die
Raffinierien  wieder  in  Gang  zu  bringen.  So  bilden  heute  Campina