350  Industrie,  Handel  und  Verkehr.

Zucker  hergestellt,  den  die  Etappe  für  die  Truppe  aufkaufte.  Einige  unternehmende
  Leute  fabrizierten  Fruchtmarmeladen,  Essig,  Curry,  Chutney  usw.
Die  Brauereien  C.  Bretschneider,  C.  Becher  u.  a.  stellten  einen  guten  trinkbaren
  Ersatz-Whisky  her,  auch  Schnäpse  und  Liköre  wurden  produziert
und  fanden  guten  Absatz.  Die  Versuchsstation  Amani  brachte  Tee  sowie
Kakao  in  den  Handel  und  fertigte  sogar  Schokolade  an.  In  Mpapua
war  unter  Leitung  des  Oberapothekers  Dr.  Schulz  ein  Laboratorium
zur  Herstellung  von  Chinin  eingerichtet.  Der  Eingeborenen-Tabak  wurde
zu  Pfeifen-  und  Zigarettentabak  verarbeitet  und  verschiedene  Tabaksorten
  auch  von  Europäern  kultiviert.  Vor  allem  legten  sich  die  Griechen
auf  die  Anpflanzung  von  türkischem  Tabak,  besonders  in  der  Umgegend
von  Tabora.  Besonders  im  zweiten  Jahr  gedieh  dieser  hervorragend,  und
die  daraus  hergestellten  Zigaretten  gaben  den  echten  ägyptischen  an  Güte
und  Aroma  wenig  nach.  Die  Griechen  machten  damit  ein  Bombengeschäft,
wie  sie  überhaupt  in  jeder  Beziehung  die  Lage  zu  ihren  Gunsten  auszunutzen
  verstanden.

Was  den  Geldverkehr  anbetrifft,  so  zeigte  sich  bedauerlicherweise
sehr  bald  ein  großer  Mangel  an  barem  Silbergeld,  so  daß  sich  das  Gouvernement
  veranlaßt  sah,  die  Bank  mit  der  Ausgabe  von  Interimenoten,
für  welche  die  Regierung  garantierte,  zu  beauftragen.  Es  wurden  zunächst
nur  10-,  20-,  50-Rupie-Noten  bergestellt,  schließlich  wurde  auch  die  Ausgabe
  von  Ein-Rupie-Scheinen  notwendig,  da  diese  besonders  von  den
Plantagen  und  sonstigen  Betrieben  zur  Lohnzahlung  benötigt  wurden.
Ferner  wurde  in  der  Werkstatt  der  Eisenbahngesellschaft  in  Tabora  eine
Münze  eingerichtet,  die  zunächst  aus  Kupfer  und  dann  aus  Messing  5-,
10-  und  20-Heller-Stücke  prägte.  Schließlich  wurde  das  inzwischen  in
Sekenke  gewonnene  Gold  gemünzt  und  daraus  etwa  80  000  Stücke  im
Werte  von  je  15  Rupien  geprägt,  die  vor  allem  den  Angehörigen  der
Truppe,  den  Beamten  und  der  deutschen  Zivilbevölkerung  zur  Verfügung
gestellt  wurden.

Die  Kriegswirtschaft  in  Deutsch-Ostafrika  war  vergleicheweise  sicher
nicht  leichter  als  die  in  Deutschland.  Aber  die  Truppe  hat  —  in  nicht
genug  anzuerkennender  Treue  der  Eingeborenen  —  unerschüttert  durchgeholten
  bis  zur  letzten  Stunde  —  weil  sie  keine  zermürbte  Heimat  im
Rücken  hatte,  weil  kein  zur  Front  (von  dort  durch  all  die  vier  Kriegsjahre
unmöglichem  Urlaub)  zurückkehrender  Soldat  vom  Schiebertum  der
Heimat  berichten,  den  heimischen  Geist  der  Demoralisation  verbreiten
und  der  Hetzarbeit  ausländischer  Agenten  Vorspanndienste  leisten  konnte!