Kriegswirtschoftelehre  an  unseren  Unlversitäten.  351

Ausblick.

Deutschland  ist  in  einem  Zustande  aus  dem  Kriege  herausgetreten,
in  dem  ihm  keine  Fähigkeit  verblieben  ist,  wirtschaftliche  Kriegsvorsorge
für  die  Zukunft  zu  treiben,  obwohl  das  offizielle  Kriegsende  die  internationale
  Kriegsgefahr  nur  verewigt  hat.  Anderseits  ist  Deutschland
kein  Friede  beschert,  der  der  Kricgswirtschaft  ein  Ende  machte,  sondern
es  verbleibt  in  einer  wirtschaftlichen  Lage,  in  der  auch  die  Friedenewirtschaft
  mehr  oder  weniger  den  Charakter  der  Kriegswirtschaft
  tragen  muß.  Wir  haben  also  nach  wie  vor  allen  Anlaß,
une  mit  den  Lehren  und  Erfahrungen  der  Kriegswirtschaft  zu  beschäftigen,
auch  wenn  ee  sich  nicht  darum  handelt,  für  einen  künftigen  Krieg  wirtschaftliche
  Borsorge  zu  lernen  —  Vorsorge  für  defensive  Kriegewirtschaft
nicht  nur,  sondern  möglichenfalle  offensive  Stellung  im  Wirtschaftskriege.
Diese  Oinge  sind  uns  ganz  ferngerückt,  aber  die  Notwendigkeit  angelegentlicher
  Beschäftigung  mit  der  Kriegewirtschaft  verbleibt  uns  dennoch  nach
wie  vor,  eben  wegen  des  kriegswirtschaftlichen  Charakters,  den  unsere
Friedenewirtschaft  anzunehmen  gezwungen  ist.

Schon  in  der  ersten  Kriegszeit  vertrat  ich  den  Gedanken,  daß  der
Kriegswirtschaftslehre  an  unseren  Universitäten  und  Handelshochschulen
  dauernd  planmäßige  Pflege  angedeihen  zu  lassen  sei,  daß  sie
in  den  Lehrplan  eingefügt  werden  müsse  und  nicht  wieder  daraus  verschwinden
  dürfe.  Naturgemäß  haben  während  der  Kriegszeit  die  Nationalökonomen
  an  unseren  Hochschulen  durchweg  eine  Fülle  von  Anregungen
aus  den  kriegewirtschaftlichen  Beobachtungen  gezogen  und  ihre  Schüler
eingehend  mit  Kriegswirtschaftefragen  beschäftigt.  Das  darf  aber  keine
Gelegenheitsarbeit  bleiben,  sondern  es  muß  auch  in  Zukunft  dem  nationalökonomischen
  Lehrplan  eine  Behandlung  der  Kriegewirtschaftslehre  eingefügt
  werden.  Zu  einer  Zeit,  in  der  es  nicht  nötig  war,  an  einen  so
ungünstigen  Ausgang  des  Krieges  zu  denken,  schrieb  ich  in  dieser  Beziehung
in  der  Zeitschrift  „Recht  und  Wirtschaft“  (März  1915):

„Wenn  unsere  Intellektuellen  durch  diese  Erweiterung  des  akademischen  Lehrplans
darauf  hingewiesen  werden,  den  Fragen  der  Kriegewirtschaft  ihre  Aufmerksamkeit  zu
widmen,  dann  wird  auch  die  Zidvilintelligenz  künftig  nicht  wleder  so  ratloe  einem  Kriegeausbruch
  gegenübersteben,  wie  es  im  August  1914  der  Fall  war,  wo  nur  allzu  wenige  von
ihnen  wußten,  wie  sie  sich  im  Dienste  des  Vaterlandes  wirklich  nützlich  machen  konnten,
wo  die  große  Mehrzahl  zunächst  entweder  ziel-  und  planlos  untergeordnete  Beschäftigung
suchte  oder  sich  überhaupt  nicht  unterzubringen  wußte.

Auf  der  breiteren  Grundlage  ständiger  Behandlung  der  Kriegswirtschaftelehre  im
Rahmen  des  akademischen  Lehrplane  haben  sich  dee  weiteren  aber  besondere  Seminare
mit  der  sachgemäßen  Heranbilbung  derjenigen  Persönlichkelten  zu  beschäftigen,  deren
Aufgabe  im  späteren  Leben  die  unmlttelbare  Mitwirkung  bei  der  wirtschoftlichen  Mobllmachung
  sein  muß.  Selbstverständlich  dürfen  diese  kriegswirtschaftlichen  Seminare  nur