auf  Friedensfuß.  Der  größte  Teil  der  Industric  hat  sich  auf  Rüstungsproduktion  geworfen.
Ein  anderer  Teil  (z.  B.  die  Textilindustrie  aue  Mangel  an  Robstoffen)  hat  seinen  Betrieb
erheblich  einschränken  müssen.  Die  Lurueindustrien  endlich  sind  ganz  stillgelegt.  So  kommt
es,  daß  in  den  weitaue  meisten  Fällen  die  Zahl  der  gegenwärtig  in  den  gewerblichen  Betrieben
  beschäftigten  Arbeiter  eine  erheblich  andere  ist  als  vor  dem  Kriege.  Blelfach  besteben
bier  die  größten  einschneidendsten  Gegensätze,  und  ee  ist  schlechterdings  eine  glatte  Unmöglichkeit,
  heute  schon  zu  einer  sachlich  begründeten  Ansicht  darüber  zu  gelangen,  in  welchem  Maße
die  verschiedenen  Industrien  ihre  frühere  Friedenetätigkeit  wieder  aufnehmen  werden
oder  auch  nur  aufnehmen  können.  Dae  hängt  zunächst  von  der  Möglichkeit  der  Robstoffzufuhren,
  dann  aber  auch  unter  Umständen  zu  einem  erheblichen  Teile  davon  ab,  ob  und  in
welchem  Umfange  die  Reichsleitung  bzw.  die  Heeresverwaltung  mit  Rücksicht  auf  die  Art
dee  Friedeneschlusses  und  im  Hinblick  auf  die  Sicherungen,  die  wir  beim  Frledeneschluß
erlangen  oder  nicht  erlangen,  einen  Teil  der  deutschen  Industric,  die  jetzt  für  den  Kriegebedarf
  arbeitet,  weiter  für  Rüstungezwecke  in  Anspruch  nehmen  muß.  Auf  der  anderen
Seite  ist  zu  beachten,  daß  während  des  Kriegee,  besonders  auf  dem  Gebiete  der  Herstellung
chemischer  Erzeugnisse,  neue  Industrien  entstanden  sind,  die  unvermindert  an  Produktion
  und  Arbeitekräften  in  die  Friedenswirtschaft  übernommen  werden  müssen,  und
ferner,  daß  angesichte  der  Anstrengungen  und  Angriffe,  die  von  englischer  Seite  in  der
Richtung  eines  auf  die  Einschnürung  und  Erdrosselung  unserer  nationalen  Arbeit  abzielenden
Wirtschaftskrieges  zu  erwarten  sind,  auf  eine  möglichst  weitgehende  Unabhänglgteit  der
deutschen  Wirtschaft  vom  Auslande  bingearbeitet  werden  muß.

Wenn  somit  schwerlich  anzunehmen  ist,  daß  die  voll  verfügbaren  männlichen  Arbeitekräfte
  zureichen  werden,  um  alle  diese  vielseitigen  und  weittragenden  Aufgaben  gleichzeitig
und  gleich  nachdrücklich  in  Angriff  zu  nehmen,  so  daß  ce  fraglich  erscheinen  kann,  ob  in
den  ersten  Jabren  der  Übergangswirtschaft  die  Hilfe  der  weiblichen  und  jugendlichen
Arbeiter  zu  entbehren  sein  wird,  so  kommt,  um  die  Schwierigkeiten  zu  erhöben,  noch  ein
wlchtiges  Moment  binzu,  auf  das  im  Ausschuß  ein  Bertreter  des  Preußischen  Kriegeministeriums
  bingewiesen  hat:  die  Veränderungen,  die  sich  im  Laufe  des  Krieges  in  dem
Charakter  der  Arbeiter  vollzogen  haben.  Nach  der  phpsischen  Seite  wird  ein  nicht  unbeträchtlicher
  Teil  der  aus  dem  Felde  heimkehrenden  Arbeiter  nicht  mehr  in  der  Lage  sein,
die  alte  Arbeit  in  vollem  Umfange  wieder  aufzunehmen,  und  nach  der  psychischen  Seite
wird  ein  großer  Teil  in  seinem  Selbstbewußtsein  so  geboben  sein,  daß  er  nur  in  eine  im
Bergleich  zu  seiner  ehemaligen  Friedensbeschaftigung  wesentlich  höher  bewertete,  auch
nach  der  Seite  der  allgemeinen  Arbeitsbedingungen  erheblich  günstigere  Stellung  einzutreten
  gewillt  ist.  Schließlich  wird  auch  ein  gewisser  Teil  der  aus  dem  Felde  Zurückkehrenden
  zunächst  wenigstens  zur  #rbeit  ganz  unlustig  geworden  sein.  Bei  unbefangener
Prüfung  und  Würdigung  aller  dieser  Umstände  wird  nicht  zu  bestrelten  sein,  daß  nur  mittele
einer  nach  bestimmten  Gesichtspunkten  geregelten  Entlassung  der  Heerespflichtigen  und
vermsge  einec  den  verschiedenen  Bedürfnissen  der  Wirtschaft  gerecht  werdenden  Vertellung
der  verfügbaren  Arbeitekräfte  eine  möglichst  reibungslose  und  tunlichst  allgemein  befriedigende
  Uverleitung  der  Kriegsteilnehmer  in  die  Friedenswirtschaft  erreicht  werden  kann.

Vor  dem  Ausschuß  bat  ein  Kommissor  des  Preußischen  Kriegeministeriums  nähere
Nitteilungen  darüber  gemacht,  wie  die  Demobilmachung,  vorbehaltlich  der  Regelung
der  Rohstoff-  und  Kreditfrage  und  vorbehaltlich  notwendiger  Anderungen  mit  Nackiicht
auf  die  Jahreezeit,  sich  praktisch  vollzlehen  soll.  Zuerst  sollen  die  sofort  zu  Entlassenden
namentlich  erfaßt  werden,  und  zwar  die  unselbständigen  Existenzen  gemäß  den  Anforderungen
  der  Betriebe,  dle  selbständigen  Existenzen  teile  auf  Ersuchen  von  Behörden,  körperschaftlichen
  Vertretungen,  teils  unter  dem  Gesichtspunkte,  daß  sie  organisatorisch  oder  in
leitenden  Stellungen  den  Wiederaufbau  dee  Wirtschaftelebene  übernehmen  mässen.  Die