Revolutionswirtschaft.  357

Die  De  mobilmachungspläne  waren  nicht  nur  gefaßt  in  der  Erwartung
eines  Friedens,  der  Deutschland  mindestens  seinen  alten  Bestand  beließ,
sondern  in  der  Annahme,  daß  beträchtliche  Teile  der  deutschen  Truppen
für  eine  Ubergangezeit  auch  noch  in  den  besetzten  Gebieten  verpflegt  und
beschäftigt  werden  konnten.  Das  Gegenteil  geschah.  Die  deutschen
Truppen  mußten  mit  größter  Beschleunigung  auf  Grund  dee  fürchterlichen
Waffenstillstandee,  der  in  den  ersten  Revolutionstagen  sozusagen  unbesehen
unterschrichben  worden  war,  über  den  Rhein  zurückfluten,  und  auch  im
Osten  wurde  alsbald  infolge  des  blinden  Vertrauens  der  neuen  Regierung
zu  mündlichen  Bereinbarungen  mit  den  Polen  unser  Nahrungemittelspielraum
  in  empfindlicher  Weise  eingeschränkt.  Auf  die  hieraus  sich  ergebenden
  Erscheinungen  der  Hale-über-Kopf-Demobilmachung  einzugehen,
hätte  sozusagen  mehr  bistorisches  Kuriositätsinteresse  recht  beschämender
Art  und  sei  dem  Verfasser  erspart.  An  dieser  Stelle  kann  es  sich  nicht  um
eine  Darstellung  der  Revolutionewirtschaft  handeln,  sondern  wir
schließen  auch  hier  unsere  Betrachtungen  mit  der  eigentlichen  Kriegewirtschaft
  ab,  die  im  Augenblick  der  Revolution  zwar  keineswegs  aufgehoben,
  aber  doch  zunächst  in  beträchtlichem  Umfang  aus  den  Fugen  gebracht
  war.

Erundsätzlich  wäre  selbst  unter  günstigsten  äußeren  Umständen  bei
Abschluß  eines  Krieges,  innere  Ordnung  und  Arbeitswilligkeit  vorausgesetzt,
  unbedingt  ein  gewaltiges  Maß  wirtschaftlicher  Leistungen  zu  vollbringen,
  das  weiteste  Teile  der  Volkswirtschaft  und  des  Acbeiteomarktes
wieder  in  Bewegung  zu  setzen  hätte.  Die  Hauptarbeit  der  Übergangswirtschaft
  hat  naturgemäß  auf  zwei  Gebieten  zu  liegen:  erstens  Ausbesserung
  der  Kriegeschäden,  zweitens  Umbau  der  kriegewirtschaftlichen
  Anlagen  in  solche  der  Friedenswirtschaft.

Die  Ausbesserung  und  Beseitigung  der  Kriegeschäden  ist  ein  ungeheuer
weites  Feld.  Da  ist  jede  Art  von  Raubbau  wieder  gut  zu  machen,  die
während  des  Krieges  notgedrungen  getrieben  werden  mußte,  jedes  wirtschaftliche
  Unterlassen,  das  sich  aus  Mangel  an  Arbeitekräften  und  Hilfsmitteln
  im  Kriege  nicht  vermeiden  ließ.  Hauptsächlich  ist  hier  an  drei
Gruppen  zu  denken:  An  die  Land-,  Vieh-  und  Forstwirtschaft,  an  das
gesamte  Verkehrewesen  und  an  das  Bauwesen.

Die  Landwirtschaft  bat  nicht  mit  alter  Sorgfalt  und  Intensität
betrieben  werden  können.  Sie  ermangelte  der  Arbeitskräfte,  des  Spannviehs
  und  des  künstlichen  Düngers.  Sie  mußte  rationelle  Methoden  der
Fruchtfolge  verlassen  zwecks  Deckung  dringendsten  Alugenblicköbedarfs.
Die  Felder,  die  Wirtschaftsformen  sind  wieder  auf  den  alten  Stand  zu
bringen,  ebenso  das  tote  und  lebende  Inventar.  Mit  letzterem  ist  bereits
die  Biehwirtschaft  umfaßt,  die  dem  Kriegebedarf  schwere  Opfer  bringen