Ausbesserung  der  Kriegsschäben.  339

produktion  sich  geltend  machen  mußte.  ODas  gilt  beispielsweise  besonders
für  das  amerikanische  Kupfer.  Andere  Stoffe  wiederum  sind  während
dee  Krieges  in  wesentlich  gesteigertem  Maße  verbraucht  worden,  ohne
daß  die  nötige  Ergänzung  der  Produktion  hätte  stattfinden  können.  Das
gilt  namentlich  für  verschiedene  Zweige  der  Leb  ittelversorgung

Ale  ein  einzelnes  Beispiel  mag  die  Eierproduktion  erwähnt  sein.
Deutschland  bezog  vor  dem  Kriege  für  gegen  200  Millionen  Mark  Eier
jährlich  aus  dem  Ausland.  Davon  lieferte  Rußland  70  bis  80,  ÖOsterreich-Ungarn
  durchschnittlich  80,  der  Rest  kam  zum  größten  Teil  vom  Balkan,
zum  kleinsten  aus  Italien,  den  Niederlanden  und  Dänemark.  In  den
russischen  und  galizischen  Gebieten  der  Eierproduktion  ist  der  Hühnerbestand
  durch  den  Krieg  in  beispielloser  Weise  herabgedrückt  worden.
Auch  die  von  den  Kriegswirkungen  schwer  betroffenen  Balkanländer
waren  wichtige  Eierlieferanten.  Bulgarien  und  Rumänien  führten  zusammen
  für  etwa  20  Millionen  Mark  Eier  aus,  dic  in  der  Hauptsache  über
OÖsterreich-Ungarn  nach  Deutschland  gingen.  Auch  in  Rumänien  hat  der
Krieg  der  Mehrzahl  der  Hühner  unmittelbar  das  Leben  gekostet.  Bulgarien
  war  zwar  von  den  Kriegsverheerungen  verschont,  aber  hier  lieferte
die  enorme  Steigerung  der  Fleischpreise  den  Anreiz  dazu,  die  Hühner
unmittelbar  ihres  Fleisches  wegen  zu  verkaufen,  wodurch  die  Eierproduktion
schließlich  gleichfalls  auf  ein  Minimum  zurückging.

Natürlich  dauert  es  Jahre,  bie  derartige  Kriegswirkungen  in  einzelnen
Zweigen  der  Lebenemittelversorgung  völlig  ausgeglichen  sein  werden.
Mit  Knappheit  auf  vielen  Gebieten  würden  wir  also  auch  bei  günstigerem
Kriegsausgang  zu  rechnen  gehabt  haben  und  ebenso  auch  mit  der  Tatsache,
daß  die  Absatzverhältnisse  auf  dem  Weltmarkt  sich  während  des
Krieges  ganz  erheblich  verschoben  haben.  Ohne  an  dieser  Stelle  nochmale
zurückzukommen  auf  den  englischen  Patentraub,  der  fremde  Konkurrenz  für
unsere  chemische  Industrie  großgezüchtet  hat,  braucht  nur  verwiesen  zu
werden  auf  das  Aufkommen  der  gesteigerten  Baumwollverarbeitung  in
Amerika,  in  Indien  und  besonders  in  Japan,  das  die  Märkte  für  die  festlandcuropäische
  Textilindustrie  wesentlich  eingeschränkt  hat.

Daß  bei  Kriegsausgang  unter  keinen  Umständen  einfach  ein
Rückbau  zu  dem  Stande  der  Wirtschaft  vom  Ende  Zuli  1914
möglich  gewesen  wärc,  darüber  war  man  sich  wohl  in  allen  Kreisen,  die
volkewirtschaftlich  zu  denken  vermögen,  schon  seit  geraumer  Zeit  klar.  Über
die  besten  Formen  des  Neubaus  gingen  die  Ansichten  sehr  weit  auseinander.
  Angesichts  des  Umstandes,  daß  im  entscheidenden  Augenblick  in
Deutschland  der  Sozialiemue  die  Herrschaft  an  sich  riß  und  dadurch
vor  den  breiten  Massen  die  untragbar  schwere  Berantwortung  übernahm,
nunmehr  in  weitgehendem  Umfange  die  sozialistischen  Wirtschaftsideale