362  Ausblic.

Erkennen  wir  die  Notwendigkeit  möglichst  weitgehender  Selbstversorgung
  sowohl  mit  Nahrungemitteln  wie  mit  NRohstoffen,  so  fragt  sich,
—  da  unser  Boden  absolute  Selbstversorgung  nicht  gewähren  kann  —,
welcher  Produktionen  wir  auf  beiden  Gebieten  am  meisten  bedürfen,
welche  Zweige  also  die  stärkste  Förderung  und  den  best  ausgebauten
Schutz  brauchen.

Auf  landwirtschaftlichem  Gebiet  dürfte  klar  sein,  daß  der  erste  Platz
der  Brotfrucht  gebübrt,  daneben  aber  die  nicht  stapelfähigen  Erzeugnisse
der  Biehzucht  nicht  vernachlässigt  werden  dürfen.  Das  Bieh  liefert  uns
so  unenbehrliche  Erzeugnisse  wie  Milch,  Eier,  Fett,  Fleisch  und  das  für
die  Industrie  so  wichtige  Leder.  Wenn  wir  auch  den  Fleischverbrauch  im
Notfalle  sehr  stark  beschränken  können,  so  liegt  für  Milch  und  Fett  doch
stete  dringendstes  Bedürfnis  vor.  Der  Sorge,  daß  die  nötige  Brotfrucht
und  das  nötige  Futter  von  unserem  Boden  nicht  hervorgebracht  werden
können,  ist  zu  begegnen  durch  die  Möglichkeit,  Kraftfuttermittel  in  jedem
beliebigen  Maße  zu  stapeln,  vorteilhafter  und  mit  weniger  Verlust  als
alle  anderen  einschlägigen  Erzeugnisse  und  Hilfemittel.

Das  Berlangen  nach  größtmöglicher  Lebenemittelversorgung
vom  eigenen  Boden  trägt  in  sich  die  Forderung,  daß  wir  die  landwirtschaftliche
  Produktion  ganz  auf  den  eigenen  Bedarf,  nicht  aber  auf  die
Auöfuhr  einzustellen  suchen.  Wenn  auf  einzelnen  Gebieten  Ausfuhrproduktion
  wesentlich  rationeller  erscheint  (Zuckerrüben)),  so  sind  feste
Wirtschaftspläne  darüber  aufzustellen,  wie  wir  im  Bedarfsfalle  auch  diese
Produktion  dem  heimischen  Markt  dienstbar  zu  machen  vermögen.

Die  Selbstversorgung  mit  industriellen  Rohstoffen  stellt  ein
Gebiet  dar,  auf  dem  wir  immerhin  nur  in  beschränktem  Umfang  mit
unseren  Ersatzstoffen  werden  zu  arbeiten  vermögen.  Sicher  scheint  die
NMöglichkeit,  mit  erheblich  verringerten  Zufuhren  an  Kupfer,  Faserstoffen
und  Petroleum  auszukommen.  Has  ist  von  besonderer  Bedeutung,  da
gerade  auf  diesen  Märkten  allerlei  Zukunftsgefahren  für  die  Friedens--wirtschaft
  drohen.  Liefern  wir  aber  den  Beweis,  etwa  daß  wir  uns  durch
verfeinerte  Nutzung  unserer  Kohlenschätze  völlig  unabhängig  zu  machen
wissen  von  der  amerikanischen  Petroleumzufuhr,  so  liegt  darin  für  jede
überseeische  Monopolwirtschaft,  die  Herr  ihrer  Abnehmer  zu  sein  glaubt,
eine  sehr  empfindliche  und  wirksame  Lehre.  Ze  weniger  wir,  durch  Nutzung
geeigneter  Ersatzstoffe,  abhängig  sind  von  amecrikanischer  Kupferlieferung,
um  so  selbständiger  stehen  wir  dem  Kupfermarkt  gegenüber,  können  kaufen
und  stapeln,  wann  und  zu  welchem  Preise  es  uns  paßt,  und  können  den
Verkäufer  unsere  Macht  als  Abnehmer  fühlen  lassen,  wenn  er  glaubt,
une  seine  Gesetze  dikticren  zu  dürfen.

Eine  solche  Einkaufs-  und  Stapelpolitik,  die,  gestützt  auf  Ersatz-