Einkaufs  ·  und  Stapelpolitik.  363

stoffe,  dem  Weltmarkt  gegenüber  zeitweise  große  Zurückhaltung  üben,
zeitweise  ihre  Bedeutung  als  großer  Kunde  ausspielen  kann,  versetzt  uns
weiter  in  die  Lage,  preisregulierend  zu  wirken  und  die  dem  Berbraucher
so  erwünschte  Stabilität  der  Preise  für  den  deutschen  Markt  sicherzustellen.
  Dadurch  können  wir  als  Fabrikanten  einen  Vorsprung  vor
unseren  Wettbewerbern  erringen.

Ergänzend  muß  sich  zu  den  bisher  dargelegten  Gesichtspunkten  gesellen
  die  in  der  Kriegswirtschaft  gelernte  Sparsamkeit  mit  Rohstoffen
und  höhere  Wertung  des  Alt-Materiale,  durch  dessen  weitere  Verwendung
neuer  Rohstoff  in  beträchtlichem  Umfang  entbehrlich  gemacht  werden  kann.
In  den  Zeiten  der  Hochkonjunktur  hatten  wir  uns  an  ein  Wirtschaften
aus  dem  Vollen  gewöhnt,  das  wir  uns  sobald  nicht  wieder  werden  erlauben
  dürfen.  Anderseits  soll  nicht  übersehen  werden,  daß  auch  Luruswirtschaft
  eine  Quelle  stiller  Reserven  bilden  kann.  So  war  es  von
nicht  unerheblichem  Vorteil  für  unsere  Metallversorgung  während  des
Kriegee,  daß  wir  in  der  Zeit  höchster  wirtschaftlicher  Blüte  beispielsweise
einen  großen  Luxus  mit  Kupfer,  namentlich  an  Bauten,  getrieben  hatten.
Man  wird  auch  in  künftiger  Friedenswirtschaft  vielleicht  daran  denken
können,  planmäßig  zu  treiben,  was  bis  dahin  reine  Modelaune  des  Luxus
war,  und  etwa  Teile  der  zu  stapelnden  Kupfervorräte  bei  öffentlichen
Bauten  in  reichem  Maße  so  zu  verwenden,  daß  sie  im  Falle  dringenden
Bedarfe  unschwer  entfernt  bzw.  ersetzt  werden  können.

Aus  der  Kriegewirtschaft,  und  zwar  gerade  aus  den  uns  wahrlich
nicht  erspart  gebliebenen  ungünstigen  Erfahrungen,  haben  wir  fernerhin
gelernt,  daß  es  bezüglich  der  notwendigsten  Bedarfsartikel  des  täglichen
Lebens,  insbesondere  auf  dem  Gebiete  der  Leb  ittel
nicht  allein  getan  ist  mit  der  Fürsorge  für  die  Berteilung  und  Preiebegrenzung,
  —  in  beiden  Beziehungen  ist  ja  unermüdlich  reglementiert
worden  —,  sondern  daß  Bedacht  zu  nehmen  ist  vor  allen  Dingen  auch  auf
die  Förderung  der  Produktion.  Wir  mußten  erfahren,  daß  ein  Übermaß
  von  Berordnungen  nur  zu  leicht  lähmend  wirkt  auf  die  Produktionsfreudigkeit.
  Auch  daraus  werden  wir  für  die  Friedenswirtschaft  nützliche
Lehren  zu  ziehen  haben.  Wir  werden  uns  demgemäß  hüten  vor  einer
Überschätzung  des  „Staatssozialiomus“  und  dem  Wirtschafteleben  jeneo
Maß  von  Bewegungefreiheit  einräumen,  das  zur  Anregung  der  Produktion
und  des  Verkehrs  durchaus  notwendig  ist.

Wo  die  übergeordneten  Interessen  kriegswirtschaftlicher  Vorsorge,
weitgehender  Verselbständigung  gegenüber  fremden  Lieferungen,  günstiger
Gestaltung  unserer  Zahlungsbilanz,  planmäßiger  Einkaufs-  und  Stapelpolitik
  und  dergleichen  mehr  einbeitliche  Ordnung  und  Aufsicht  heischen,
da  wird  zwar  der  Staat  in  Gestalt  eines  wirtschaftlichen  Generalstabs

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