X  Einleitung.

Ganks  und  des  haders,  in  unheilvollem  Streit  stehen  sich  Dater  und  Söhne,  Bruder
und  Bruder  gegenüber;  ein  Geschlecht  löst  das  andere  ab;  immer  aber  wieder
bricht  sich  deutsche  Kraft  und  deutscher  Mut  Bahn  durch  alle  Wirrnisse  und
Kämpfe.  So  ziehen  an  unserem  Auge  alle  die  Uönigsgeschlechter  von  Karl  dem
Großen  an  vorüber:  die  Franken  und  die  Karolinger,  die  sächsischen  und  die
salischen  Kaiser,  und  endlich  das  glänzende  Geschlecht  der  Dohenstaufen.  Wir  hören
aus  dem  Morgenlande  her  den  Ruf  nach  Befreiung  des  heiligen  Grabes  aus  den
Händen  der  Heiden  ertönen,  wir  sehen  einen  Sug  um  den  andern  auf  der  Kreuzesfahrt,
  und  die  gewaltigen  Stromeswellen  reißen  einen  unserer  edelsten  Kaiser  hinab
in  den  Tod,  einen  der  hohenstaufen,  einen  aus  jenem  glanzvoll  unglückseligen
Geschlecht,  dessen  letzter  Sprosse  durch  welsche  Tücke  und  Derrat  im  blühendsten
Jugendalter  sein  Ende  auf  dem  Schaffot  finden  sollte.

Noch  einmal  kommt  in  Zudolf  von  Habsburg  ein  mächtiger  herrscher  auf
den  Thron,  dem  in  rascher  Reihenfolge  Regenten  aus  verschiedenen  DHäusern  folgen.
Allmählich  haben  sich  auch  in  der  Kirche  Wandlungen  vollzogen,  eine  neue  Religion
findet  viel  Anhang,  aber  traurig  sind  die  Folgen.  Dreißig  Jahre  lang  wird  unser
armes  Daterland  von  Soldaten  aller  Nationen  verwüstet.  Dörfer  und  Städte  verschwinden
  vom  Erdboden,  Deutschlands  Macht  ist  lahm  gelegt.  Doch  abermals
sollte  es  sich  wieder  aufrichten,  in  der  Gestalt  des  großen  Kurfürsten  erstand  ihm
ein  Retter.  Und  als  dann  Friedrich  der  Große  in  seinen  Kriegen  sein  Feldherrntalent
  zeigte,  als  er  sein  Land  bedeutend  vergrößerte,  da  stand  Dreußen  geachtet
und  gefürchtet  vor  allen  Tationen  da.

Doch  wie  bald  sollte  sich  das  ändern.  In  Tkapoleon  IJ.  trat  nicht  nur  für
Deutschland  allein,  sondern  für  ganz  Europa  ein  Feind  auf,  der  in  raschem  Siegeslauf
alles  eroberte,  aber  auch  für  ihn  sollte  es  anders  kommen.  Auf  den  Schneefeldern
Rußlands  fand  er  Dergeltung  für  seine  Freveltaten.  Und  als  nun  Oreußen  sich  wie
ein  Mann  erhob,  als  auch  der  Aermste  nicht  zurückstand  und  sein  Scherflein  mit
beitrug,  da  brach  sich  deutsche  Gähigkeit  und  deutscher  Deldenmut  aufs  neue  Bahn.

KAriede  trat  an  Stelle  des  grausamen  Kampfes,  langsam  heilten  die  schweren
Wunden,  die  dem  Lande  geschlagen  wurden,  langsam  richtete  sich  Dreußen  wieder
auf.  Unterdessen  war  das  deutsche  Reich  sanft  und  still  entschlummert.  FZu  gemeinsamer
  Waffentat  zogen  1864  Oreußen  und  Oesterreicher  aus,  um  den  bedrängten
  Stammesbrüdern  im  Morden  zu  Hilfe  zu  eilen,  zwei  Jahre  später  fochten
beide  in  bedauerlichem  Bruderstreit  gegen  einander;  Dreußen  ging  siegreich  daraus
hervor  und  erregte  dadurch  den  Neid  des  alten  Erbfeindes  Frankreich.

Wieder  war  es  ein  Uapoleon,  der  in  frevelhaftem  Uebermute  den  Streit  vom
Gaune  brach,  aber  er  sollte  sich  geirrt  haben.  Wie  ein  Mann  stand  Nord-  und