Einleitung.  XI

Süddeutschland  auf,  begeistert  zogen  die  Heere  über  den  Rhein  und  in  rascher  Folge
wurde  der  Gegner  aufs  Haupt  geschlagen.  Und  als  dann  bei  Sedan  Napoleon
sich  mitsamt  seiner  Armee  gefangen  gab,  da  war  der  Beweis  gebracht,  daß  die
Einigkeit  im  deutschen  Dolke  durch  Blut  fest  geschlossen  war.  In  der  alten
französischen  Krönungsstadt,  in  der  so  oft  dunkle  Dläne  gegen  Deutschland  geschmiedet
  worden  waren,  wurde  ein  neues  deutsches  Reich  errichtet,  als  dessen  erster
Kaiser  Wilhelm  l.  proklamiert  wurde.

Uoch  eine  Reihe  von  Jahren  segensreicher  Regierung  waren  ihm  beschieden,
sein  Sohn  folgte  ihm  totkrank  auf  den  Thron,  den  nach  nur  kurzer  Regierungszeit
Kaiser  Wilhelim  ll.  bestieg.

Das  sind  die  hauptsächlichsten  Güge  unserer  Geschichte  und  es  erübrigt  nur
noch  dem  Bearbeiter  des  Textes,  kurz  seine  Orinzipien  darzulegen.  Den  Begriff
eines  nationalen  Werkes  stets  im  Auge  behaltend,  glaubte  er  auch  von  selbständigen
  historischen  Fassungen  absehen  zu  müssen  und  dem  TLeser  nur  das
bieten  zu  dürfen,  was  unsere  anerkanntesten  Distoriker  der  Meuzeit:  Dahn,  Giesebrecht,
  Gregorovius,  Schlosser,  Weber  u.  a.  m.,  festgestellt  und  ans  Licht  gehoben
haben.  Es  war  dem  Autor  auch  darum  zu  tun,  die  trefflichen  Charakteristiken  eines
Giesebrecht  und  Weber  namentlich  über  einzelne  Hersönlichkeiten  und  Geitabschnitte
einem  weiteren  Leserkreise  bekannt  zu  machen,  da  Erfahrung  und  Beobachtung
lehren,  daß  unsere  historischen  Klassiker  der  Neuzeit  eben  auch  nur  in  einem  engeren
Kreise  von  Fachgelehrten  gelesen  und  gebüuhrend  gewürdigt  werden.  Im  Rahmen
einer  populären  Geschichtsbearbeitung  auch  sie  dem  ganzen  deutschen  Dolke  in
ihrem  Werte  zu  zeigen,  das  war  eine  Tendenz  unserer  „Illustrierten  Geschichte
Deutschlands“.  Daneben  wird  man  vielfach,  namentlich  für  die  Urzeit  und  das
beginnende  Mlittelalter,  die  Duellenwerke  selbst  zitiert  finden;  es  geschah  auch  dies
in  der  wohlerwogenen  Absicht,  dem  Leser  einen  Sinblick  in  die  miittelalterliche
Distoriographie  zu  gewähren  und  damit  zugleich  in  der  Geschichte  ein  Stück  Kulturgeschichte
  zu  bieten.  Es  macht  unser  Buch  nach  alledem  keineswegs  den  Anspruch
auf  eine  ganz  selbständige  historische  Arbeit  schwerer  Art,  allein  die  Derausgeber,
die  auch  hierin  eines  Gedankens  waren,  hoffen  damit  doch  dem  deutschen  Dolke
ein  Werk  zu  bieten,  das  eigenartig  und  trotzdem  dazu  angetan  ist,  sich  Singang  in
den  weitesten  HKreisen  zu  verschaffen.

Unsereim  geeinigten  deutschen  Vaterland  zu  Ruhm  und  Ehren,  unserem  Volke
zur  Unterhaltung  und  Belehrung,  Alt  und  Jung  zur  Mahnung,  Hüter  zu  sein
unserer  Vergangenheit  und  unserer  Gukunft,  soll  dieses  Zuch  geschrieben  sein,  damit
sich  auch  hier  das  Wort  unseres  großen  Dichters  erfülle: