4  Arzeschicte  der  Deuischen.

siegen.  „Der  größte  und  streitbarste  Teil  der  Feinde“,  so  lautet  der  römische  Bericht,
„wurde  auf  dem  Schlachtfelde  niedergehauen".  Hatten  sich  doch  die  Vordermänner,  damit
ihre  Reihen  nicht  gesprengt  wurden,  mit  langen  an  ihren  Gürteln  befestigten  Ketten  einer
an  den  andern  gebunden.  Als  die  Römer  aber  den  Fliehenden  bis  an  den  Wall  nachdrängten,
  stand  ihnen  ein  hochtragischer  Anblick  bevor.  Die  Weiber  in  schwarzen  Gewändern
  auf  den  Wagen  stehend,  töteten  die  Fliehenden,  die  ihren  Mann,  jene  den
Bruder,  jene  den  Vater;  ihre  Kinder  erwürgten  sie  mit  der  Hand  und  warfen  sie  unter
die  Räder  der  Wagen  und  Hufe  der  Tiere,  dann  ermordeten  sie  sich  selbst.  Eine,  heißt  es,  hatte
sich  an  die  Spitze  der  Deichsel  gehängt,  und  ihre  Kinder  mit  Stricken  an  ihre  Füße  gebunden.
Die  Männer  legten  sich  Taue  um  den  Hals  und  banden  sich,  da  es  an  Bäumen  fehlte,  an
den  Hörnern  und  Beinen  der  Tiere  fest,  stachelten  sie  dann,  und  starben,  da  die  Tiere
wild  aufsprangen,  geschleift  und  zerstampft.

So  war  Rom  noch  einmal  gerettet,  und  man  sah  mit  Stolz  und  Verachtung  auf
Germaniens  blonde  Söhne,  die  auf  dem  Markte  als  Sklaven  zum  Verkauf  ausgeboten
wurden.  Sie,  die  sich  keinem  Menschen  hatten  beugen  wollen,  schleppten  nun  das  Joch
der  Sklaverei,  aber  als  in  den  Jahren  73—71  der  Thracier  Spartakus  die  Sklaven  zur
Freiheit  rief,  da  waren  es  insbesondere  die  Germanen,  die  ihm  zuströmten,  und  lieber
einen  ehrlichen  Kampfestod  sterben,  als  der  Knechtschaft  Joch  noch  länger  ertragen  wollten.

2.  Edsar  und  die  Sermaonen.

Es  hatte  den  Anschein  als  ob  die  Germanen  seit  der  Schlacht  bei  Vercellä  ganz
von  dem  Schauplatz  der  Geschichte  abgetreten  wären.  In  Rom  und  Italien  wütete  der
Bürgerkrieg,  ein  Römer  war  des  andern  Feind,  wer  sollte  da  an  besiegte  Völkerschaften
denken.  Erst  zu  einer  Zeit,  wo  Cäsar  schon  auf  dem  Höhepunkt  seiner  Macht  stand,
vernehmen  wir  wieder  Kunde  von  ihnen,  die  sich  an  den  Namen  des  Ariovist  knüpft.
Dieser,  ein  Fürst  der  Sueben,  war  mit  15  000  Mann  über  den  Rhein  gezogen,  auf
Wunsch  und  Bitte  der  Sequaner  und  Averner,  die  westlich  von  der  Saon  zwischen  Jura
und  den  Vogesen  saßen,  um  diesen  gegen  die  Häduer,  die  nördlich  von  der  Saon  bis
zur  Loire  wohnten,  Hilfe  zu  leisten.  Aber  nachdem  Arionist  diese  besiegt,  zeigte  er
durchaus  keine  Lust  das  Land  wieder  zu  verlassen,  und  die  Sequaner  hatten  es  nur  zu
bald  zu  bereuen,  daß  sie  sich  an  ihn  um  Hilfe  gewandt  hatten.  Es  kam  zu  offener
Feindschaft  und  in  der  Schlacht  bei  Admagetobriga  wurden  sie  aufs  Haupt  geschlagen.
In  dieser  Not  nun  wandten  sich  die  Germanen  an  Caesar,  der  eben  erst  die  Helvetier
besiegt  hatte,  und  dieser  ließ  den  Ariovist  zu  einer  Unterredung  auffordern.  Stolz  verweigerte
  Ariovist  eine  solche,  und  nun  rückte  Cäsar  in  Eilmärschen  vor,  besetzte  BVesontio
und  nun,  als  sich  die  Gegner  auf  einundzwanzigtausend  Schritt  gegenüberstanden,  erklärte
sich  Ariovist  zu  einer  Unterredung  bereit.  Cäsar  nahm  eine  solche  an,  aber  die  Verhandlungen
  verliefen  ohne  Erfolg,  und  es  mußten  die  Waffen  entscheiden.  Im  Jahre
58  kam  es  zur  Schlacht  auf  dem  sogenannten  Ochsenfeld,  die  mit  einer  Niederlage  der
Germanen  endigte.  Ariovist  verschwand  gänzlich  vom  Schauplatz  und  Cäsar  hatte  erst