Das  römische  Kaisertum  und  die  Germanen.  11

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Ganz  Gallien  und  Germanien,  so  fürchtete  er,  werde  sich  nun  erheben,  und  wies  deswegen
  alle  in  Rom  lebenden  Germanen  und  Gallier  aus  Furcht,  auch  sie  könnten
sich  erheben,  aus  der  Stadt  aus.  Allein  diese  Besorgnis  war  eine  unbegründete.  Wenn
es  freilich  nach  Armins  Sinn  gegangen  wäre,  nicht,  denn  er  hatte  diesen  ersten  gewaltigen
Schlag  nur  als  den  Anfang  einer  allgemeinen  Erhebung  angesehen  und  gehofft,  nun  mit
einemmale  der  ganzen  Römerherrschaft  ein  Ende  machen  zu  können.  Aber  Marbod,  den
doch  Armin  so  eines  Sinnes  mit  sich  geglaubt  hatte,  rührte  sich  nicht,  und  auch  die
andern  mit  den  Römern  verbündeten  Völkerschaften,  die  Chauken,  Friesen,  Bataver
schienen  mit  dem  jungen  Cheruskerfürsten  nicht  gemeinsame  Sache  machen  zu  wollen.
Nicht  einmal  zu  einem  Zug  an  den  Rhein  vermochte  Armin  seine  Völker  zu  bringen.
Aliso,  wohin  sich  nach  der  Schlacht  alles  geflüchtet  hatte,  wurde  wohl  angegriffen,  allein
der  Lagerpräfekt  Lucius  Cädicius  leitete  die  Verteidigung  dieses  Punktes  mit  so  großer
Umsicht,  das  alle  Mühe  der  Germanen  vergeblich  war.  Ein  Teil  von  ihnen  zog  auf  die
Nachricht  von  dem  Herannahen  des  Tiberius  ab.  Erst  als  den  Belagerten  jeglicher
Proviant  ausgegangen  war,  entschlossen  sie  sich  zu  einem  Versuch,  sich  durch  die  Feinde
zu  schlagen,  der  dann  auch  gelang.

Auf  die  Nachricht  von  der  Niederlage  im  Teutoburger  Wald  war  Tiberius  rasch
aus  Illyrien  nach  Rom  geeilt  und  hatte  von  dort  aus  den  Oberbefehl  über  die  Truppen
übernommen.  Sobald  als  möglich  brach  er  nach  Germanien  auf  und  fand  auf  seinem
Zug  kaum  einen  Widerstand.  Selbst  Armin  fand  es  für  klüger  sich  zurückzuhalten,  und  nachdem
  der  römische  Feldherr  sich  überall  gezeigt  hatte,  und  dadurch  von  neuem  das  Ansehen
der  römischen  Waffen  gesichert  zu  haben  glaubte,  kehrte  er  nach  Rom  zurück.  Doch  schon
im  nächsten  Jahre  11  u.  Chr.  kam  er  wieder  nach  Germanien,  diesmal  in  Begleitung
von  Germanicus,  dem  ältesten  Sohne  des  Drusus,  den  er  auf  des  Kaisers  Geheiß  adoptiert
hatte.  Aber  auch  jetzt  fand  er  nirgends  Gelegenheit  zum  Kampf,  und  nachdem  er  den
jungen  Germanicus  in  den  Rheinlanden  zurückgelassen,  kehrte  er  selbst  nach  Rom  zurück,
wo  er  im  Jahre  13  zum  Mitregenten  und  im  Jahre  14  nach  dem  Tode  des  Augustus
zum  Kaiser  ernannt  wurde.

Zugleich  mit  diesem  Regierungswechsel  in  Rom  war  in  Germanien  und  Gallien
eine  Soldatenmenterei  ausgebrochen,  die  ohne  die  Energie  des  Germanicus  leicht  hätte
schlimme  Folgen  haben  können.  Aus  ihr  meinte  er  nun  freilich  auch  entnehmen  zu
können,  daß  nunmehr  die  Zeit  zu  dem  Rachezug  gegen  die  Germanen  gekommen  sei.  Er
gab  der  Kampfeslust  seiner  Soldaten  nach,  schlug  eine  Brücke  und  ließ  zwölftausend
Mann  aus  den  Legionen,  sechsundzwanzig  Kohorten  Bundesgenossen,  acht  Schwadronen
Reiter  hinüberrücken.  „In  Freude  und  Lust,“  so  berichtet  der  römische  Geschichtsschreiber
Tacitus,  „und  nicht  weit  entfernt  lagerten  die  Germanen,  während  uns  erst  die  Landestrauer
  über  Augustus  Verlust,  darnach  Zwietracht  festhielt.  Doch  in  schnellem  Zug  bricht
der  Römer  durch  den  cäsischen  Wald,  und  den  von  Tiberius  begonnenen  Damm;  an
dem  Damme  legt  er  ein  Lager  an,  vorn  und  hinten  durch  einen  Wall,  an  den  Seiten
durch  Verhaue  gesichert.  Dunkle  Waldungen  durchzieht  er  sodann  und  ratschlagt,  ob  er
von  zwei  Wegen  den  kurzen  und  üblichen  einschlagen  soll,  oder  den  schwierigen  und  noch
nicht  versuchten,  auf  den  deshalb  der  Feind  auch  keine  Aufmerksamkeit  verwendet  habe.
Der  längere  Weg  wird  ausgewählt  und  alles  übrige  nun  doppelt  beschleunigt,  denn
Kundschafter  hatten  gemeldet,  diese  Nacht  sei  ein  Fest  bei  den  Germanen  und  sie  werde
bei  einem  feierlich-frohen  Mahle  hingebracht.  Günstig  war  die  Nacht  mit  hellem  Sternen-