14  Urgeschichte  der  Deutschen.

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den  Waffen.  Plötzlich  stürmen  sie  auf  den  Zug  der  Römer  los,  und  es  gelingt  ihnen,
denselben  in  Unordnung  zu  bringen.  Die  Germanen  hatten  den  Vorteil,  den  Kampfplatz
  wählen  zu  können;  in  einer  von  Fluß  und  Wäldern  eng  umschlossene  Ebene,  in  der
Nähe  von  Minden,  stellen  sie  das  Fußvolk  auf,  und  die  Reiterei  verbarg  sich  im  Walde,
um  den  Legionen,  wenn  sie  in  den  Wald  einrücken,  im  Rücken  zu  stehen.

Germanicus  hatte  den  ganzen  Plan  der  Feinde  erfahren.  Nachdem  er  die
Reiterei  hatte  in  der  Ebene  Stellung  nehmen  lassen,  ließ  er  das  Fußvolk  teils  in  den
Wald  eindringen,  teils  auf  einen  in  der  Ebene  errichteten  Damm  losstürmen.  Schritt  für
Schritt  erkämpften  sich  die  Römer  den  Sieg.  Die  Germanen  machten  denselben  freilich
zu  einem  schweren,  bis  spät  in  die  Nacht  hinein  wurde  gekämpft,  und  die  Reiterei  konnte
sich  nur  eines  sehr  zweifelhaften  Erfolges  erfreuen.  Dennoch  meldet  die  von  Germanicus
auf  dem  Schlachtfeld  errichtete  Trophäe,  daß  nach  Besiegung  der  Völker  zwischen  Rhein
und  Elbe  das  Heer  des  Tiberius  Cäsar  dieses  Denkmal  dem  Mars  und  Jupiter
und  Augustus  geweiht.  Trotz  dieser  stolzen  Sprache  sah  sich  indessen  Germanicus
nicht  veranlaßt,  weiter  vorzudringen.  Besetzt  war  Germanien,  aber  nicht  unterworfen,
  dazu  hätte  ja  nach  Germanicus  eigenen  Worten  der  ganze  Stamm  vertilgt  sein
müssen;  und  wohl  mochten  die  Germanen  in  dem  Unglück,  das  nun  den  römischen  Feldherrn
  auf  dem  Rückweg  heimsuchte,  eine  Strase  der  Götter  suchen  und  finden.  Diese
Strafe  war  die  beinahe  völlige  Vernichtung  der  römischen  Flotte  auf  dem  Heimweg,  die
natürlich  den  Germanen  neue  Siegeshoffnungen  erweckte,  so  daß  der  Caesar  gegen  neue
Erhebungen  derselben  seine  Maßnahmen  treffen  mußte.  Aber  einem  Ruf  des  Tiberius
zur  Rückkehr  nach  Rom  mußte  er  Folge  leisten.  Im  Jahre  17  n.  Chr.  hielt  er  als
Triumphator  über  die  Cherusker,  Chatten,  Angrivarier  und  was  sonst  für  Stämme  an
der  Elbe  wohnten,  seinen  Einzug  in  Rom.  Mit  führte  man  die  Beute,  die  Gefangenen,
Abbildungen  der  Berge,  der  Flüsse  und  Schlachten,  und  von  Strabo  erfahren  wir  die
Namen  der  gefangenen  Germanen,  die  im  Zuge  vor  den  Römern  vorbeigeführt  wurden:
„Siegmund,  der  Sohn  des  Segest,  der  Anführer  der  Cherusker,  und  dessen  Gattin  Ramis,
die  Tochter  des  Ukromirus,  des  Fürsten  der  Chatten,  und  der  Sigambrer  Deudorix,
der  Sohn  des  Bätorix,  eines  Bruders  des  Malo.  Segestes  aber,  der  Schwiegervater  des
Arminius,  widersetzte  sich  gleich  von  Anfang  an  dessen  Plänen,  und  ging,  die  günstige
Gelegenheit  wahrnehmend,  zu  den  Römern  über,  war  auch,  in  Ehren  gehalten,  bei  der
Schauführung  der  ihm  Theuersten  als  Zeuge  zugegen.  Auch  Cibes,  ein  Priester  der
Chatten,  wurde  mit  aufgeführt,  sowie  viele  andere  Personen  aus  den  überwundenen
Völkern.“

Als  im  Jahre  16  n.  Chr.  Tiberius  den  jüngeren  Drusus  nach  Illyricum  sandte,
hatte  er  als  Vorwand  die  Sueben  gebraucht,  die  bei  den  Römern  gegen  die  Cherusker
um  Hilfe  flehten.  Denn  als  die  Römer  abgezogen,  und  sie  nach  außen  frei  waren  von
Furcht,  hatten  sie  nach  alter  Stammessitte,  und  damals  überdies  im  Streite,  wessen  der
Ruhm  sei,  die  Waffen  gegen  sich  selbst  gewandt.  In  Macht  und  Tüchtigkeit  der  Anführer
  blieben  sich  beide  Völkerschaften  gleich,  aber  Marbod  war  bei  seinen  Landsleuten
wegen  seines  Königstitels  verhaßt,  und  Armin,  der  Kämpfer  für  Freiheit,  erfreute  sich
der  allgemeinen  Gunst.

So  griff  man  von  beiden  Seiten  kampfeslustig  zu  den  Waffen.  Armin  sammelte
um  sich  seine  alten  Streiter,  und  auch  aus  Marbods  Königreich  fielen  ihm  suebische
Stämme,  die  Semnonen  und  Longobarden  zu.  So  hätte  er  wohl  die  Uebermacht  bekommen,