Bis  zur  Völkerwanderung.  17

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nahm  man  in  Rom  eigentlich  erst  im  Jahre  47  n.  Chr.  wieder  etwas,  als  diese  sich  dort
einen  König  erbaten,  da  durch  innere  Kriege  der  ganze  Adel  aufgerieben,  und  nur  einer
aus  dem  königlichen  Stamme  übrig  geblieben  war,  der  sich  in  Rom  aufhielt,  namens
Italicus,  ein  Sohn  von  Armins  Bruder  Flavus.  So  gehen  die  freundlichen  und  feindlichen
  Stimmungen  zwischen  Römern  und  Germanen  lange  Zeit  hin  und  her;  bis  zu
dem  Jahre  180  n.  Chr.  hatte  das  römische  Reich  selbst  eine  Periode  der  Blüte  und  des
Friedens,  und  das  einzige  Bemerkenswerte  aus  dieser  Periode  ist  in  Germanien  die  Anlegung
  und  der  allmählige  Ausbau  des  auch  heute  noch  unter  dem  Namen  des  „Nömischen
Grenzwalls“  bekannten  Dammes,  der  etwa  von  der  Mündung  der  Lahn  in  den  Rhein
bis  zur  Mündung  der  Altmühl  in  die  Donau  reicht.

Ueber  den  Umwandlungsprozeß,  den  Germanien  durch  diesen  Grenzwall  erfuhr,
spricht  sich  W.  Arnold  in  seinem  trefflichen  Werke  „Die  Urzeit“  folgendermaßen  aus:
Das  südwestliche  Deutschland,  in  das  zu  Cäsars  Zeit  bereits  deutsche  Stämme  vorgedrungen
  waren,  wurde  den  Germanen  weggenommen,  und  erhielt  römische  Provinzverfassung.
  Es  wurde  vollständig  romanisiert  und  zivilisiert,  was  die  Römer  mit  gewohnter
  Meisterschaft  durch  Anlage  von  Festungswerken,  Straßen,  Kastellen  und  Städten
in  überaus  kurzer  Zeit  fertig  brachten.  Das  bestellbare  Land  wurde  vermessen,  und  an
Untertanen  oder  gallische  Ansiedler  gegen  Zins  ausgetan.  Daher  der  Name  Decumatenland,

  entweder  von  der  Vermessung,  oder  nach  der  älteren  Ansicht  von  dem  Zehnten,  der
davon  entrichtet  werden  mußte.

Sehr  rasch  blühte  hier  römisches  Leben  und  römische  Kultur,  Sitte  und  Bildung
auf.  Es  ist  geradezu  erstaunlich,  welche  Masse  von  römischen  Denkmälern,  Inschriften,
Geräten,  Werkzeugen,  Münzen,  Gräbern,  Ziegelsteinen,  Bauresten  und  sonstigen  Altertümern,
  in  diesem  verhältnismäßig  doch  nur  kurze  Zeit  römisch  gebliebenen  Teile  von
Deutschland  bereits  aufgefunden  ist,  und  fortwährend  noch  zu  Tage  gefördert  wird.  In
Vilbel  bei  Frankfurt  hat  man  beim  Bau  der  Eisenbahn  den  ganzen  Fußboden  eines  Bades,
eine  wundervolle  Mosaikarbeit,  ausgegraben;  im  Bayrischen  waren  vor  nicht  langer

Zeit  die  Münzfunde  so  zahlreich,  daß  die  Bauern  mit  römischen  Silbermünzen  ihr  Bier
bezahlten.

Schon  die  Reste  des  Pfahlgrabens  selbst  geben  uns  einen  Begriff  von  der  Größe
und  Bedeutung  der  römischen  Bauten.  Aber  auch  im  Innern  des  Landes  wurden  Straßen,
Kastelle  und  Städte  in  Menge  angelegt.  Von  den  Straßen  sind  manche  noch  heute  im
Gebrauche,  unter  den  größeren  Ortschaften  am  Rhein,  an  der  Donau  und  im  Decumatenlande
  ist  kaum  die  eine  oder  andere,  die  ihren  Ursprung  nicht  auf  ein  römisches  Kastell
oder  Standlager  zurückführt.  So  Wesel,  Köln,  Andernach,  Koblenz,  Bingen,  Mainz,
Worms,  Speyer,  Altrig,  Zabern  in  der  Pfalz  und  im  Elsaß,  Selz,  Straßburg,  Breisach,
Augsburg,  Regensburg,  Passau,  Linz,  Salzburg  und  viele  andere.  Manche  davon  waren
schon  alte  Keltenstädte,  und  wurden  von  den  Römern  nur  erweitert  und  kunstgemäß
befestigt.  Das  waren  zugleich  die  großen  Garnisonsstädte,  die  als  Stützpunkt  für  die
Außenlinie  des  Pfahlgrabens  dienten.

Hier  wurden  Tempel,  Amphitheater,  Bäder,  Fabriken  und  Mühlen  angelegt;  Handel,
Gewerbe,  Kunst  und  Handwerk  kamen  empor,  vor  allem  die  Bauhandwerke,  Waffenschmieden,
  Weberei,  Gerberei  und  Töpferei;  die  hochentwickelte  römische  Landwirtschaft
mit  Obstzucht,  Garten=  und  Weinbau,  wurde  eingeführt;  der  Geldverkehr  trat  an  die

Ebner,  Illustrierte  Geschichte  Deutschlands.  3