18  Urgeschichte  der  Dentscheu.

Stelle  des  Tauschhandels,  Literatur  und  geschriebene  Gesetze  wurden  bekannt,  mit  einem
Wort,  das  Land  wurde  der  gesamten  römischen  Bildung  erschlossen.

Das  friedliche  Einvernehmen  zwischen  Römern  und  Germanen  wurde  erst  unter
Marc  Aurel  wieder  gestört.  Sein  Krieg  mit  den  Markomannen  war  bei  seinem  Tode
im  Jahre  180  n.  Chr.  noch  nicht  zu  Ende,  allein  sein  Nachfolger  Commodus  beschloß
denselben  durch  einen  schimpflichen  Frieden  mit  den  Germanen,  die  im  langen  Verkehr
mit  den  Römern  mancherlei  gelernt  hatten.  Schon  hören  wir  auch  Namen,  die  an  den
Beginn  deutscher  Herrschaft  erinnern:  Der  Kaiser  Caracalla  hatte  im  Jahre  213  mit  den
Alemannen  zu  kämpfen.  Er  besiegte  sie  am  Main,  aber  ihre  Kampflust  war  damit  nicht
vernichtet.  Plündernd  und  verheerend  drangen  sie  im  Jahre  259  nach  Italien  vor,  im
Jahre  270  überschritten  sie  die  Donau,  durchstürmten  Rhätien,  überstiegen  die  Alpen
und  plünderten  in  Oberitalien.  Neben  ihnen  zeigen  sich  schon  im  Jahr  240  die  Franken,
die  im  Jahre  264  durch  Gallien  drangen,  die  Pyrenäen  überstiegen  und  nach  Erstürmung
von  Tarraco  nach  Afrika  übersetzten.  Im  Jahre  280  hatte  sich  plötzlich  ein  Haufe
Franken,  die  vom  Kaiser  Probus  in  Thracien  oder  Kleinasien  angesiedelt  worden  waren,
erhoben,  eine  Anzahl  Schiffe  an  der  Küste  des  Schwarzen  Meeres  besetzt  und  mit  ihnen
das  ganze  Mittelmeer  durchfahren.  Nachdem  sie  Syrakus  geplündert  und  von  Karthago
zurückgetrieben  waren,  fuhren  sie  durch  die  Meerenge  von  Gibraltar  und  den  atlantischen
Ozean  in  den  Kanal.

Zu  ihnen  gesellten  sich  dann  noch  die  Goten,  die  im  Jahre  214  am  Nordrand
des  Schwarzen  Meeres  zum  ersten  Male  mit  den  Römern  zusammenstießen.  In  der
Schlacht  von  Naissus  an  der  Moräna  von  dem  Kaiser  Claudius  besiegt,  kamen  sie  im
Jahre  272  doch  in  den  Besitz  des  linken  Donauufers,  gewöhnten  sich  freilich  allmählich
an  den  Umgang  mit  den  Römern  und  machten  diesen  längere  Zeit  nichts  mehr  zu  schaffen.
Dagegen  betrachteten  die  Franken  und  Alemannen  die  Einfälle  in  das  römische  Gebiet
gewissermaßen  als  eine  Notwendigkeit,  und  trotz  aller  Siege  konnten  die  Römer  doch  nur
vorübergehend  ein  Uebergewicht  über  sie  erlangen.  „Es  ist  ein  ungeheures  Volk“,  schreibt
Ammianus  von  den  Alemannen,  „von  seinem  ersten  Auftreten  an  ist  es  durch  alle
möglichen  Niederlagen  geschwächt;  aber  so  rasend  schnell  wächst  immer  eine  neue  Jugend
heran,  daß  man  glauben  moöchte,  sie  seien  seit  Jahrhunderten  von  keinem  Unfall  berührt.=Und

  in  die  gewaltige  Gährung  hinein  fiel  nun  ein  Ereignis,  das  wie  ein  gewaltiger
Sturmwind  dahinfuhr,  alles  vernichtend  und  mit  sich  fortreißend,  Völker  aus  ihrer
Heimat  vertreibend,  Staaten  vernichtend:  die  Völkerwanderung.

Die  Kultur  der  olten  Sermanen.

Derselbe  Römer,  der  von  dem  Helden  Armin  gesprochen,  ist  es  auch,  der  uns
eine  Schilderung  unseres  Landes  und  unserer  Vorfahren  hinterließ.  Die  „Germania“
des  Tacitus  ist  freilich  kein  historisch-kritisches  Werk;  was  wir  bei  Cäsars  Berichten  über
Leben  und  Sitten  unserer  Ahnen  schon  hervorgehoben,  das  Märchenhafte,  Abenteuerliche,
in  Mythologie  und  Religion  Unsichere,  das  finden  wir  auch  mannigfach  bei  Tacitus,  aber
trotzdem  ist  seine  Schilderung  von  solch  mächtigem  Eindruck,  es  ist  ein  so  eigenartig  inter-