Die  Kuliur  der  alten  Germanen.  23

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Nicht  mehr  schlummernd  verschließen,

Sie  öffnen  die  Augen

Und  hinweg  küßt  er  kosend

Ihren  ersten  Atem.

Aber  Odin  auch

Stürzt  im  Sturm  die  Stämme

Uralter  Eichen.

Sein  Hauch  hetzt  die  Helden

In  tapfere  Taten  und  tapferen  Tod.

Jubelnd  und  jauchzend  jagen  sie  jäh

In  spitzige  Speere,  in  geschwungene  Schwerter,
Selig  im  Siege,  getrost  auch  im  Tode.

Denn  sie  wissen,  es  werden  die  weißen  Walkuren
Zu  Walhalls  Wonne  tragen  die  Treuen

Die  lachend  erlegen,  fechtend  und  fallend

Für  die  heilige  Heimat  und  des  Hauses  Herd.
Auf  Erden  aber  ehrt  sie  unendlich

Der  Sänger  Gesang,  sie  leben  im  Liede.

In  den  Hallen  noch  hört  man  Weisen  von  Helden,
Die  hoch  der  Hügel  hat  überhöht.

Wer  aber  wies  die  Sänger  zu  singen,

Wer  lehrte  das  Lied  und  die  hallende  Harse?
Wer  anders  als  abermals  Odin  der  Edle.

Der  Schlächter  der  Schlachten  ist  selber  ihr  Sänger,
Sangpvater  ist  Siegvater,

Siegvater,  Sangvater  zugleich.

Und  wer  wies  der  Weisheit  gewundene  Wege
Dem  begierigen  Geist  dem  forschenden  Frager
Nach  Anfang  und  Ende  des  unendlichen  Alles.
Was  da  gewonnen  an  Wissen  und  Wahrheit
Des  mühseligen  Menschen  grübelnder  Geist  —:
Alles  hat  Odin  uns  offenbart.

Er  hat  das  hohe,  das  heilige  Geheimnis  geritzter  Runen
Seine  Lieblinge  lösen  gelehrt.

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Retter  und  Rater

Der  mühpvollen  Menschheit

Ist  der  Rabenumrauschte

Runenvater.

Alles  ist  Odin,  was  hoch  und  was  herrlich,

Was  wonnig  und  weise,  was  stolz  und  was  stark.

Neben  Odin-Wotan  steht  sein  Sohn  Thor-Donar,  der  Gott  der  Gewitter,  aber
auch  des  befruchtenden  Regens,  des  Ackerbaus  und  der  menschlichen  Kultur  überhaupt.
Sein  Steinhammer  ist  nicht  allein  die  Kriegswaffe,  er  dient  auch  den  Zwecken  friedlicher
Kultur  und  Donar  ist  niemand  anders,  als  der  germanische  Bauer  selbst,  wie  er  leibt
und  lebt,  wie  er  arbeitet  und  rastet,  wie  er  zecht  und  schmaust,  wie  er  einen  guten
derben  Spaß  gern  mittut  und  gern  verträgt,  gutmütig  im  Gefühl  der  gewaltigen  Kraft,