—  —  —
——0  —  Soo  1

1.  Die  Hunnen  und  das  Sotenresch.

lang  andauernde  Völkerbewegungen  im  Innern  Hochasiens  waren  es,  die  um  das

Jahr  375  n.  Chr.  die  Hunnen  nach  Europa  führten,  wo  sie  Wohnsitze  suchten.
Erst  trafen  sie  auf  die  Alanen,  die  sie  in  blutigem  Kampfe  besiegten.  Fremd  und
schrecklich  waren  den  Germanen,  ebenso  wie  den  Griechen  und  Römern  Gestalt,  Lebensart,
Sitte  dieses  Volkes,  das  mehr  auf  Rossen  und  Wagen  als  auf  der  Erde  lebte,  furchtbar
war  im  Angriff  mit  seinen  schnellen  Pferden,  den  knochengespitzten  Pfeilen  und  den  tückisch
geworfenen  Schlingen,  furchtbar  noch  im  Fliehen  und  unermüdlich  in  der  Erneuerung
des  Kampfes.  Die  Goten  glaubten,  sie  seien  die  Frucht  einer  unreinen  Ehe  zwischen
gotischen  verbannten  Zauberweibern  und  den  Dämonen  der  Nacht,  so  grauenvoll  und
häßlich  war  der  erste  Eindruck,  den  dieses  Volk  auf  sie  machte.

Mit  ihrem  Einbruch  begann  die  große  Völkerwanderung.  Kaum  hatten  sie  die
Alanen  besiegt,  so  griffen  sie  die  Ostgoten  unter  dem  hundertjährigen  Ermanarich  an,
bedrohten  nach  Besiegung  derselben  die  Westgoten,  die  sich  unter  zwei  Fürsten,  Athanarich,
der  noch  Heide,  und  Fridigern,  der  Christ  war,  teilten.  Jene  fügten  sich  oder  warfen
sich  in  die  Karpaten,  diese  baten  um  Aufnahme  in  das  Römerreich,  und  Kaiser  Valens
gewährte  sie,  aber  nur  unter  der  Bedingung,  daß  sie  die  Waffen  ablieferten  und  Ackerbau
trieben.  Im  Frühling  376  kamen  sie,  200  000  wehrhafte  Männer  mit  Weib  und  Kind
über  die  hochgeschwollene  Donau.  Aber  Habsucht  der  römischen  Beamten  und  Not
zwang  ihnen  die  Waffen  in  die  Hand,  Thracien  wurde  vernichtet,  bis  Thessalien  und
Mazedonien  drangen  die  gotischen  Scharen,  denen  die  römischen  Feldherren  vergeblich
entgegentraten;  in  der  blutigen  Schlacht  bei  Adrianopel  am  9.  August  378  besiegten  sie
den  Kaiser  Valens  selbst,  und  erst  Theodosius,  dem  letzten  großen  römischen  Kaiser,
gelang  es,  sie  zu  versöhnen  und  in  Thracien  anzusiedeln.  Sein  ältester  Sohn  Arcadius
kreilich  der  nach  seinem  Tode  den  oströmischen  Teil  des  Reiches  erhielt,  reizte  die  West-