Das  Ende  des  weströmischen  Reichs.  15

es  Kaiser  kommen  und  gehen  in  unheimlich  raschem  Wechsel.  Schattenbilder  waren  sie
in  der  Hand  der  deutschen  Söldnerführer.  Denn  des  Kaisers  ganzes  Heer  bestand  nur
noch  aus  Germanen,  den  Trümmern  verschiedener  Völkerschaften,  die  dort  Sold  gesucht
hatten.  Zuletzt  forderten  auch  diese,  wie  ihre  Stammgenossen  in  den  Provinzen,  Landbesitz
  in  Italien,  und  zwar  den  dritten  Teil  des  Bodens.  Als  man  ihnen  dies  verweigerte,
machte  der  Feldherr  Odoaker  an  der  Spitze  seiner  Heruler,  Skiren,  Turcilinger  und
Rugier  dem  weströmischen  Kaisertum  ein  Ende.  Den  letzten  Imperator  Romulus

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Der  Hunnenkönig  Attila  wird  am  Morgen  nach  seiner  Hochzeit  im  Blut  erstickt  aufgefunden.
Aus  Naues  Bildercyklus  „Die  Völkerwanderung“.

Augustulus  beraubte  er  des  Purpurs,  und  gebot  fortan,  dem  Namen  nach  als  Patricius
des  Kaisers  von  Ostrom,  in  der  Tat  aber  als  selbständiger  deutscher  König  in  Jtalien.
So  fiel  durch  die  Deutschen  das  weströmische  Kaiserreich,  nachdem  es  schon  zuvor  alle
seine  Prooinzen  an  sie  verloren  hatte.  Dies  geschah  im  Jahre  476  und  man  betrachtet
dies  als  den  Schluß  der  alten  Geschichte.  Nach  der  Auflösung  des  Hunnenreichs  war
Odoaker  einst  als  gemeiner  Kriegsmann  mit  stolzen  Hoffnungen  in  der  Brust  nach  Italien
gezogen,  und  hatte  dann  durch  seine  Tapferkeit  und  seine  kriegerischen  Talente  einen
ehrenvollen  Rang  in  der  aus  deutschen  Soldtruppen  gebildeten  Leibwache  erhalten,  bis  ihn
das  Schicksal  zum  Vollstrecker  eines  großartigen,  lange  vorbereiteten  Weltereignisses  be-