Theoderich  der  Grohe  und  seine  Zeil.  47

er  den  Frieden  zu  wahren,  und  es  gebührt  ihm  der  Ruhm,  daß  er  so  oft  unter  den
germanischen  Völkern  Kampf  und  Zwist  auszubrechen  drohte,  stets  versöhnend  zwischen
die  Parteien  trat,  und  nur  gezwungen  zum  Schwerte  griff,  um  sein  schiedsrichterliches
Vermittelungsamt  desto  nachdrücklicher  verwalten  zu  können.  Daneben  ließ  er  seinem
Lande  eine  treffliche  Verwaltung  zuteil  werden;  er  vermochte  aber  freilich  trotz  all  seiner
Bemühungen  den  natürlichen  Unterschied  zwischen  Germanen  und  Römern  nicht  zu  be—
seitigen.  Die  übereilte  Tat  der  Hinrichtung  zweier  seiner  Senatoren,  des  Bosthius  und
Symachus,  zog  ihm  den  Haß  der  Römer  zu,  und  er  selbst  empfand  bald  bittere  Reue

Theodorichs  Grabmal  in  Ravenna.

darüber.  Am  26.  August  526  starb  er.  Aber  auch  im  Grabe  hatte  er  keine  Ruhe.  Aus
dem  gewaltigen  Denkmal,  das  er  sich  selbst  hatte  in  Ravenna  errichten  lassen,  wurde
seine  Asche  herausgeworfen  und  in  alle  Winde  zerstreut.  Aber  auch  ohne  diesen  kolossalen
Bau  wäre  sein  Gedächtnis  nicht  verloschen.  In  jenem  gewaltigen  Dietrich  von  Bern,
dessen  Heldentaten  zu  besingen,  die  Dichter  nicht  müde  wurden,  dessen  Gestalt  sich  scharf
abhebt  von  dem  Flammenlicht,  in  welchem  die  Nibelungen  in  den  Tod  sanken,  erkennen
wir  ihn  wieder.

Theoderich  hatte  seine  beiden  Enkel  zu  seinen  Nachfolgern  bestimmt.  Amalarich
erhielt  das  gallische  Land  jenseits  der  Rhone  mit  den  westgotischen  Besitzungen  in  Spanien,
dem  zehnjährigen  Athalarich  sollte  unter  Vormundschaft  seiner  Mutter  Amalasuntha  das
großväterliche  Erbe  in  Italien  zur  Herrschaft  zufallen.  Als  dieser  indessen  schon  im  vier—