50  Die  Völkerwanderung.

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mit  den  Gepiden  in  Streit  geraten.  Narses,  in  Ungnade  gefallen  und  seines  Amtes
entsetzt,  rief  sie  nach  Italien.  Damals  herrschte  über  sie  Alboin,  der  den  Gepidenkönig
Ktunimund  mit  eigener  Hand  erschlagen,  und  dessen  Tochter  Rosamunde  zur  Gattin  ge—
nommen  hatte.  Im  Jahre  568  zogen  die  Longobarden  in  Italien  ein.  Schnell  unter—
warfen  sie  sich  Ober-Italien  und  allmählig  die  ganze  Halbinsel.  Die  Römer  verloren
alle  politischen  Rechte,  ihren  Grundbesitz  und  zum  Teil  auch  ihre  Freiheit.  Alboin  nahm
seinen  Sitz  in  Pavia,  fiel  aber  hier  bald  unter  den  Händen  von  Meuchelmördern,  die
seine  Gemahlin  Rosamunde  gedungen  hatte,  weil  er  sie  einst  in  der  Trunkenheit  gezwungen
  hatte  aus  dem  zu  einem  Trinkbecher  umgearbeiteten  Schädel  ihres  Vaters  ihm
Bescheid  zu  tun.  Auch  sein  Nachfolger  Kleph  wurde  bald  ermordet,  und  später  dessen
Sohn  Authari  zum  König  gewählt.  Seine  Gattin  Theodolinde  wurde  nach  seinem
frühen  Tod  dem  Lande  eine  weise  Herrscherin,  und  wählte  später  den  Agilulf  zu  ihrem
Gatten.  In  all  ihren  Bestrebungen  wurde  sie  vom  Papste  Gregor  d.  Gr.  (590—604)
unterstützt,  und  so  wurden  die  Longobarden  allmählig  ein  friedsames,  Ackerbau  treibendes
Volk,  bei  dem  später  an  Stelle  der  Könige  die  Herzöge  traten.  Auch  die  Lüste  und
Genüsse  des  südlichen  Landes  übten  ihren  Einfluß  auf  die  Natursöhne  Germanieps  aus,
und  so  trat  unter  den  späteren  Geschlechtern  eine  heilsame  Annäherung  ein;  die  Güter
und  Gaben  beider  Volksteile  vermischten  sich  und  aus  ihrer  Vereinigung  erwuchs  ein
frisches  und  kräftiges  Nationalganzes.  Auch  in  den  geistigen  Gütern  und  Gaben  trat
ein  Austausch  ein;  aber  dabei  waren  die  Germanen  der  verlierende  Teil;  die  Sprache,
Sitten  und  Volksdichtungen  der  Ahnen  verschwanden,  und  dafür  eigneten  sich  die  Longobarden
  die  Bildung  und  Wissenschaft  der  romanischen  Bevölkerung  an.  Bis  in  das
Jahr  774  bestand  das  Reich  der  Longobarden,  bald  Krieg  führend  und  bald  bekriegt,
und  in  diesem  Jahre  erst  machte  ihm  Karl  der  Große  ein  Ende.