52  Die  Franken  und  Karelinger.

könig,  der  ihn  freilich  dann  verräterischer  Weise  an  Chlodovech  auslieferte.  Dieser  ließ
ihn  töten  und  besetzte  ganz  Gallien  mit  seinen  Franken.  Er  bewarb  sich  um  des
Burgunden  hinterlassene  Tochter  Chrotechildis  und  hatte  dadurch  jedenfalls  eine  Veranlassung
  zum  Krieg.  Gundobad  und  Godegisil,  die  Brüder  der  Chrotechildis,  wagten
nicht  ihn  abzuweisen;  diese  aber,  deren  Vater  von  seinen  Brüdern  getötet  worden  war,
befahl  schon  bei  ihrer  Brautfahrt  zu  Chlodovech,  die  Dörfer  an  der  Grenze  ihres  Gaues
anzuzünden  und  dankte  Gott,  daß  sie  diesen  Rachetag  erleben  durfte.  Lange  lag  sie  ihrem
Gemahl  an,  Christ  zu  werden,  endlich  im  Alemannenkrieg  entschied  er  sich  dazu.  Im
Jahre  496  kam  es  zwischen  beiden  zur  Schlacht,  wohl  nicht  bei  Zülpich,  sondern  unfern
von  Mainz.  Da,  als  der  Sieg  noch  unentschieden  war,  gelobte  Chlodovech  sich  dem  Gott
der  Christen,  wenn  dieser  ihm  zum  Siege  verhelfe.  Mit  3000  seiner  edelsten  Franken
ließ  er  sich  dann  im  Dom  zu  Reims  taufen,  die  Alemannen  bis  zum  Rhein  hin  und  über
den  Rhein  bis  zur  Murg  und  bis  zum  Oosbach,  den  Neckar  bis  Lauffen,  den  Main  und
die  Lahn  hinauf  wurden  untertan,  und  verloren  das  Land,  das  fortan  Franken  genannt
ward;  das  andere  Land  vom  Neckar  ab  bis  über  die  Donau  und  bis  zu  den  Alpen  hin
behielt  sein  heimisches  Recht  und  seine  Volkstümlichkeit,  geriet  aber  unter  fränkische
Herrschaft.  Einzelne  Scharen,  die  sich  nicht  sügen  wollten,  fanden  Aufnahme  im  Ostgotenreiche
  und  wurden  wahrscheinlich  in  Rhätien  angesiedelt.

Nun  wendete  sich  Chlodovech  auch  gegen  die  Burgunder,  schlug  dieselben  unter
ihrem  König  Gundobad  500  bei  Dijon,  und  zog  dann  zur  Eroberung  des  westgotischen
  Teiles  von  Gallien,  des  Landes  südlich  von  der  Loire  aus,  wo  der  schwache
Alarich  II.,  Schwiegersohn  des  Theoderich  d.  Gr.,  herrschte.  Im  Jahre  507  kam  es
zur  Schlacht  am  Clain  bei  Poitiers,  Alarich  II.  siel,  und  Chlodovech  nahm  alles  Land
bis  zur  Garonne  und  darüber  hinaus  in  seinen  Besitz.  Durch  Tücke  und  Mord  beseitigte
dann  Chlodovech  auch  all'  die  kleinen  Könige  aus  seiner  Verwandtschaft.  Um  den  Schein
einer  Oberhoheit  zu  retten,  hatte  ihn  der  oströmische  Kaiser  zum  Consul  gemacht,
und  stolz  ritt  Chlodovech  in  dem  Purpurmantel,  der  ihm  von  Constantinopel  her
übersandt  worden  war,  vor  seinen  Franken.  Die  Früchte  seiner  blutigen  Errungenschaften
lange  zu  genießen,  war  ihm  freilich  nicht  vergönnt.  Im  Jahre  511  starb  er  im  45.  Lebensjahre
  und  hinterließ  das  Reich  seinen  vier  Söhnen.

„Helden“,  sagt  W.  Arnold,  „hat  die  Völkerwanderung  in  Menge  hervorgebracht;
einen  zweiten  Staatsmann  wie  Chlodwig  (wie  er  heute  genannt  wird)  nicht  wieder.  Nur
der  Vandalenkönig  Geiserich,  der  Westgotenkönig  Eurich,  Gundobad  von  Burgund  und
Theoderich  der  Große  könnten  ihm  an  die  Seite  gestellt  werden.  Aber  sie  alle  versuchten
sich  an  der  unlösbaren  Aufgabe,  mitten  in  den  Provingen  des  römischen  Reiches  germanische
Reiche  aufzurichten;  sie  hielten  alle  am  Arianismus  fest  zu  einer  Zeit,  wo  die  Kirche  denselben
  schon  überwunden  hatte,  sie  alle  haben  darum  im  Grunde  doch  nur  zerstört,  nicht
aufgebaut  und  wieder  hergestellt.  Wäre  Theoderich  ein  Staatsmann  gewesen,  so  wäre  er
nicht  nach  Italien  gegangen,  um  hier  im  Dienste  des  oströmischen  Kaisers  zu  regieren;
er  wäre  in  Pannonien  geblieben,  und  hätte  dort  in  Verbindung  mit  den  benachbarten
Stämmen  ein  großes  germanisches  Ostreich  zu  gründen  gesucht.  So  sehr  er  an  Vorzügen
des  Geistes  und  Gemütes,  an  Bildung,  Hochherzigkeit  und  Großmut  Chlodwig  überragt,
sein  Reich  in  Italien  blieb  doch  nur  eine  vorübergehende  Erscheinung,  ein  ideales  Gebilde,
das  mit  ihm  auftauchte  und  wieder  verschwand.  Die  Sage  ist  gerechter  gewesen.  Sie
hat  das  glänzende  Bild  Theoderichs  festgehalten  und  verherrlicht,  während  sie  sich  von