Ehlodovechs  Nachkommen.  55

hatten  zwei  Schwestern,  westgotische  Königstöchter,  Galsuintha  und  Brunechildis,  zu
Weibern  genommen,  zuvor  aber  hatte  Chilperich  seine  frühere  Gemahlin  Fredegunde
verstoßen,  und  diese  ermordete  nun  die  Nebenbuhlerin.  Dafür  trat  nun  Brunechildis  als
Rächerin  ihrer  Schwester  auf,  reizte  ihren  Gemahl  Siegbert  zum  Kampfe  gegen  den
Bruder,  —  Mord  folgte  auf  Mord,  und  erst  als  beinahe  das  ganze  Geschlecht  getötet
und  Brunechildis  an  dem  Schweif  eines  wilden  Pferdes  zu  Tode  geschleift  war,  kam  mit
ihrem  Besieger  Cylotachar  II.,  dem  Sohne  Chilperichs  und  der  Fredegunde,  Friede  in
das  Frankenreich.  Chlotachar  II.  herrschte  von  613—622.  Ihm  folgten  seine  Söhne
Dagobert  und  Cheribert.  Letzterer,  der  bei  der  Teilung  nur  ein  kleines  Gebiet  von  der
Garonne  bis  zur  Charante  als  Königreich  Aquitanien  erhielt,  unterwarf  sich  in  siegreichen
Kämpfen  mit  den  Basken  das  Land  zwischen  der  Garonne  und  den  Pyrenäen.  Nach
seinem  Tode  wurde  sein  Besitz  wieder  mit  dem  Frankenreich  vereint,  allein  die  Verbindung
lockerte  sich  schnell  und  schon  im  Anfang  des  8.  Jahrhunderts  finden  wir  Aquitanien
unter  einheimischen  Herzögen  beinahe  selbständig.

Ruhiger  und  weniger  blutig  verläuft  von  Dagobert  an  die  Geschichte  der  Merovinger,
  aber  die  Kraft  des  Geschlechtes  war  gebrochen,  und  seine  Könige  sanken  zu
Schatten  herab  neben  ihren  großen  Beamten.  Die  spätere  Fabel  erzählt  von  einem
Traumgesicht,  das  schon  die  Mutter  Chlodovechs,  die  zauberkundige  Basina,  habe  ihren
Gatten  sehen  lassen:  zuerst  war  ihrem  Bunde  mit  Childerich  ein  Löwe  entsprossen
(Chlodovech),  dann  reißende  Bären  und  Wölfe  (seine  Söhne  und  Enkel)  und  zuletzt
spielende  Hündlein.  Die  Geschichte  hat  diesem  Traumgesicht  Bestätigung  gegeben.

Für  Dagoberts  unmündige  Söhne  Siegbert  und  Chlodwig  II.  führte  ein  Sohn
Pippins  von  Landen,  Grunvald,  die  Regierung,  wurde  aber  bei  einem  Versuche,  nach  dem
Tode  Siegberts  seinen  eigenen  Sohn  Childebert  auf  den  Thron  zu  setzen,  getötet.  Aus
den  dadurch  entstandenen  Wirren  riß  das  Land  erst  wieder  Pippin  von  Heristal,  der
nach  seinem  Siege  über  den  Majordomus  Berchar  bei  Tertri  als  Herzog  und  Fürst  der
Franken  über  das  ganze  Reich  herrschte,  ein  Mann  von  gewaltiger  Energie  und  Fernsicht,
der  freilich  auch  klug  genug  war,  dem  schwachen  König,  den  er  in  seine  Gewalt  gebracht,
den  Schein  seines  Rechtes  zu  wahren.  Sein  Tod  indessen  brachte  wieder  neue  Verwirrung,
bis  endlich  sein  Sohn  Karl  Martell  seit  dem  Jahre  720  als  alleiniger  Hausmeier
und  Fürst  der  Franken  Beherrscher  des  fränkischen  Reiches  wurde.  Durch  die  siegreichen
Kämpfe  gegen  die  Araber  und  durch  Freigebigkeit  gegen  seine  Getreuen  befestigte  Karl
die  Macht  und  das  Ansehen  seines  Hauses  so  sehr,  daß  er  selbst  die  letzten  Jahre  seines
Lebens  keinen  merovingischen  König  neben  sich  hatte,  und  daß  endlich  elf  Jahre  nach  der
Beisetzung  des  großen  Majordomus  im  Kloster  St.  Denis  sein  Sohn  Pippin  der  Kleine
dem  Wirrwarr  für  immer  ein  Ende  machte,  und  durch  Beseitigung  des  letzten  Königs  aus
dem  faulen  und  verkommenen  Geschlecht  die  Herrschaft  der  Karolinger  begründete.  Dem
Könige  war  nichts  gelassen  worden,  als  daß  er  zufrieden  mit  dem  bloßen  Königsnamen,
mit  herabhängendem  Haar  und  ungeschorenem  Bart  auf  dem  Throne  saß  und  den
äußeren  Schein  des  Herrschers  an  sich  hatte,  die  von  allen  Seiten  herankommenden  Gesandten
  anhörte,  und  ihnen  bei  ihrem  Abgang  die  ihm  eingegebenen  oder  anbefohlenen
Antworten,  wie  aus  eigener  Machtvollkommenheit  erteilte.  Außer  dem  leeren  Königsnamen
  und  dem  mäßigen  Lebensunterhalt,  den  ihm  der  Hausmeier  nach  Gutdünken  zumaß,
besaß  er  nichts  eigen,  als  ein  Hofgut  von  geringem  Umfang  und  Ertrag,  ein  Haus  und
eine  wenig  zahlreiche  Dienerschaft  für  die  notwendigsten  Dienstleistungen.  Ueberall,  wohin