64  Die  Franken  und  Karolinger.

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Bildung,  als  Spender  des  Rechts  im  großen  Ganzen  bewundern  muß,  in  einzelnen
Handlungen  begegnet  man  einem  harten  und  strengen  Gemüt.“

Man  nennt  als  Geburtstag  Karls  des  Großen  den  2.  April  742.  Als  er  zur
Alleinherrschaft  gelangte,  ließ  er  die  mündigen  Söhne  seines  Bruders  von  der  Nachfolge
ausschließen.  Ihre  Mutter  Gerberga  floh  mit  ihnen  zu  ihrem  Vater,  dem  Longobardenkönig
  Desiderius,  der  auch  der  Schwiegervater  Karls  des  Großen  war.  In  demselben
Jahre  verstieß  er  unter  nichtigem  Vorwand  seine  Gemahlin,  die  Longobardin  Desiderata,
und  vermählte  sich  mit  Hildegard  der  Schwäbin,  einer  Tochter  des  edlen  Gottfried  aus
dem  Hause  der  Welfen.

Damit  war  der  Grund  gelegt  zu  dem  ersten  Krieg,  den  Karl  der  Große  führte.
Da  Desiderius  von  dem  Papste  Hadrian  II.  verlangte  hatte,  daß  er  die  Söhne  Karlmanns
als  Frankenkönige  taufen  solle,  dieser  aber  sich  dessen  weigerte,  bedrängte  ihn  Desiderius  so,
daß  Hadrian  nun  Karl  um  Hilfe  bat.  Er  stieg  mit  einem  Heer  über  den  Montcenis,  und
den  Sanct  Bernhard,  Desiderius  pochte  auf  seine  Streitmacht  und  auf  seine  starken  Städte.
Aber  als  die  Longobarden  sich  von  allen  Seiten  angegriffen  sahen,  vergaßen  sie  ihre
alte  Tapserkeit,  gaben  diese  Alpenpässe  frei  und  flohen  in  das  feste  Pavia.  Nach  sechs
Monaten,  unter  dem  Druck  von  Hunger  und  Seuchen  ergaben  sie  sich  an  Karl,  der  den
Longobardenkönig  mit  seiner  Gemahlin  Ansa  und  ihren  Kindern  nach  dem  Kloster  Corvey
bringen  ließ,  wo  sie  bis  zu  ihrem  Tode  blieben.  Nach  dem  Sturze  des  alten  Königshauses
  nannte  sich  Karl  nun  selbst  König  der  Longobarden.

Glaubenseifrig  wie  Karl  war,  und  glühend  nach  Ruhm  und  Taten,  ergriff  er  mit
Freuden  die  Gelegenheit,  sich  auch  den  Kranz  des  Glaubenshelden  um  die  Schläfe  zu
winden,  und  darin  seinem  Großvater,  dem  gefeierten  Karl  Martell  es  gleichzutun.  Von
zwei  Seiten  her  bedrohten  Feinde  die  Entwicklung  des  Christentums,  von  den  Pyrenäen
her  das  Volk  und  der  Glaube  Mohammeds,  welche  in  Spanien  die  Herrschaft  hatten,
von  Nordosten  Europas  her  das  altsächsische  Heidentum.  Im  Frühjahr  778  zog  Karl
mit  einem  großen  Heer  über  die  Pyrenäen,  das  in  zwei  Haufen  auf  zwei  verschiedenen
Punkten  die  Grenze  überschritt.  Alles  Land  zwischen  den  Bergen  und  dem  Ebro  fiel
ihm  zu,  die  Araber  huldigten  ihm  und  erhielten  es  von  ihm  zu  Lehen.  Siegreich  kehrte
Karl  zurück.  Schon  hatte  das  Heer  die  gefährlichen  Gebirgspässe  größtenteils  hinter  sich,
als  die  Hinterhut  plötzlich  überfallen  wurde  im  Talgrund  von  Ronceval.  In  heißem
Kampfe  fand  hier  mancher  deutsche  Held  seinen  Tod,  und  in  den  Liedern  und  Sagen  des
deutschen  Volkes  unsterbliches  Leben.  Trotzdem  aber  blieb  Karl  im  Besitz  der  gewonnenen
spanischen  Mark  bis  zum  Ebro.

Nicht  so  leicht  war  ihm  sein  Kampf  gegen  das  über  den  Rhein  vordringende
Heidentum  der  Sachsen,  die  mit  Begeisterung  und  Festigkeit  auch  jetzt  noch  zu  ihrer
Freiheit  und  zu  den  alten  Göttern  hielten.

Es  war  keine  eigentliche  Vielgötterei,  diese  Religion  der  Sachsen.  Unter  uralten
Eichen,  in  düsteren  Hainen,  an  sprudelnden  Quellen  verehrten  sie  Allvater,  den  unsichtbaren
  Gott.  Später  freilich  artete  dieser  Gottesdienst  aus,  und  machte  zu  seinem
Mittelpunkt  die  Irminsäule,  einen  himmelhohen  uralten  Baumstamm,  unter  freiem
Himmel.

Kaum  hatte  Karl  die  Alleinherrschaft  angetreten,  so  hatte  er  es  auch  ausgesprochen,
die  Sachsen  mit  Waffengewalt  christlich  und  fränkisch  zu  machen.  Die  Sachsen  streiften