Karl  der  Große  und  seine  Zeit.  75

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Astronom,  Abälard  von  Corvey,  ein  Kenner  der  Kirchengeschichte,  Paul  Warenfried
  der  Longobarde,  der  treffliche  Geschichtsschreiber  seines  Volkes,  und  andere  in  der
Wissenschaft  ausgezeichnete  Männer.

Die  ganze  Nation  geistig  zu  heben,  oder  wenigstens  die  Bildung  künftiger  Geschlechter
vorzubereiten,  legte  er,  soweit  es  sich  in  seinem  Reiche  tun  ließ,  Schulen  an,  sowohl
Pflanzschulen  künftiger  Volkslehrer,  als  Volksschulen.  Diese  Schulen  stattete  er  reichlich
aus,  oder  verband  sie  mit  bereits  reich  ausgestatteten  Klöstern.  Denn  die  Klöster,  sagte
er,  sollen  nicht  nur  zu  einem  frommen  und  beschaulichen  Leben  dienen,  sondern  auch
zur  Uebung  in  den  Wissenschaften.  Gut  handeln  ist  freilich  besser  als  Wissen,  aber  je
reicher  der  Mensch  an  Wissen  ist,  desto  geschickter  ist  er,  gut  zu  handeln.  Als  solche
Klosterschulen  zeichneten  sich  bald  St.  Gallen,  Reichenau,  Hirsau  im  südlichen,  Fulda,
Corvey,  Trier,  Paderborn  und  Osnabrück  im  nördlichen  Deutschland,  Tours,  Lyon  und
Orleans  im  welschen  Teile  des  Frankenreichs  aus.

Karl  hatte  solche  Liebe  für  seine  Schulen,  daß  er  sie  sehr  häufig  selbst  besuchte,
examinierte,  Lob  und  Tadel  spendete,  ohne  Rücksicht  auf  Stand  und  Geburt;  denn  Kinder
von  allerlei  Eltern,  reiche  und  arme,  adelige  und  unadelige,  freie  und  unfreie  wurden
miteinander  unterrichtet.  Trotz  auf  bloße  Geburt  mißfiel  Karl  höchlich.  „König  des
Himmels“  rief  er  einst,  als  er  die  Söhne  einiger  seiner  großen  Vasallen  bei  der
Prüfung  als  die  Schlechtesten  erkannte;  „ich  frage  wenig  nach  Eurer  Herkunft,  bessert  Ihr
nicht  alsbald  durch  Fleiß  Eure  Trägheit,  so  werdet  Ihr  nie  bei  Karl  etwas  erlangen.“

Auch  den  religiösen  Glauben  suchte  er  zu  beleben  und  zu  reinigen,  Innerliches,
Geistiges  in  die  äußeren  Formen  einzuführen.  In  diesem  Sinne  ließ  er  Stellen  aus
den  heiligen  Schriften  und  aus  den  Predigten  der  Kirchenväter  ins  Deutsche  übertragen,
bessere  Kirchenlieder  und  Melodien  dazu  machen,  und  deutsche  Predigten  an  das  Volk
halten.  Sein  religiöser  Eifer  führte  ihn  freilich  auch  manchmal  zu  Gewalttaten  und  so
mild  er  von  Natur  war,  so  hart  konnte  er  werden,  wenn  sein  Glaubenseifer  Trotz  oder
Undank  gegen  das  zu  erkennen  meinte,  was  er  als  die  höchste  Wohltat  anbot,  den
christlichen  Glauben.

Das  Ungeheure  und  Vielartige,  was  Karl  vollbrachte,  findet  zum  Teil  in  seiner
Lebensweise  die  Erklärung  seiner  Möglichkeit.  Er  schlief  nur  wenige  Stunden,  und  hörte
selbst  während  des  Ankleidens  Vorträge  seiner  Räte  über  Reichsgeschäfte  oder  Vorlesungen
seiner  Gelehrten.  Merkwürdig  ist  es,  daß  dieser,  Sprachen  und  Wissenschaften  und  alles
andere  so  leicht  fassende  Geist  trotz  aller  Mühe  es  nie  zum  ordentlichen  Schreiben  brachte.
Heitere  oder  lehrreiche  Gespräche  würzten  seine  Tafel,  die  einfach  war,  wie  sein  ganzes
Hauswesen.  Als  Liebhaber  der  Jagd  liebte  er  besonders  Wildpret,  das  am  Spieß
gebraten  und  an  dem  Spieß  von  den  Jägern  ins  Tafelzimmer  hineingetragen  wurde.
Die  Tafel  galt  ihm  nicht  als  Privilegium  zum  Schwelgen,  sondern  als  Mittelpunkt
familiärer  und  geistiger  Unterhaltung.  Da  saß  er,  der  König  der  Franken,  der  Kaiser
Roms,  der  von  Weltteilen  bewunderte  Eroberer,  welchem  Fürsten  des  fernsten  Morgenlandes
  durch  glänzende  Gesandtschaften  und  Geschenke  ihre  Ehrfurcht  bezeugten,  da  saß
er  im  Kreise  seiner  Familie  und  seiner  Gelehrten  zu  Tische,  im  einfachen  Kleide.  Nur
einen  äußeren  Schmuck  trug  er  an  sich,  den  Schmuck  und  Gefährten  des  Krieges,  ein
Schwert,  dessen  Handgriff  und  Wehrgehenk  von  Silber  und  Gold  und  reich  verziert  war,
und  das  er  stets  an  der  Seite  hatte.  Nur  bei  festlicher  Gelegenheit  zeigte  er  sich  in
glänzender  Kleidung,  mit  Gold  und  edlen  Steinen.  Er  liebte  es  nur  solche  Kleider  zu