80  Die  Franken  und  Karolinger.

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6.  Ludwig  der  Fromme  und  die  Tellung  des  Frankenreiches  im  Vertrag
von  Verdun  814—  843.

Karls  Nachfolger,  sein  einziger  Sohn  Ludwig,  dem  die  Geschichte  den  Beinamen
des  „Frommen“  gegeben  hat,  war  in  der  Tat  auch  ein  mehr  religiöser  als  politischer
Charakter  und  zeigte  in  der  Leitung  des  Reiches  bald  mancherlei  Schwächen,  so  daß  sich  der
Verband  desselben  rasch  lockerte.  Seine  Auflösung  in  der  Zukunft  war  eine  sichere,  wenn
man  das  Herkommen  der  Reichsteilung  beibehielt.  So  entschloß  sich  schon  817  der  Kaiser
dazu,  von  seinen  drei  Söhnen  den  ältesten,  Lothar,  schon  jetzt  zum  Mitkaiser  und  zum
dereinstigen  Miterben  des  gesamten  Reiches  zu  ernennen.  Nur  als  Unterkönige  sollten
Lothars  Brüder  Teile  des  Reiches  erhalten,  und  zwar  Pippin  Aquitanien,  d.  h.  den  Südwesten
  Galliens,  Ludwig  Bayern  und  Böhmen.  Allein  gegen  diese  Ordnung  erhob  sich
Bernhard,  ein  Sohn  von  Ludwigs  älterem  Bruder  Pippin,  der  Italien  beherrschte,  und
mit  seinem  Oheim  in  steter  Spannung  lebte.  Er  mußte  sich  demselben  aber  bald  unterwerfen,
  wurde  geblendet,  und  starb  an  den  Folgen  dieser  Marter.  Bald  freilich,  namentlich
  auch  nach  dem  Tode  seiner  Genossen  quälten  den  Kaiser  arge  Gewissensbisse  ob  dieser
Tat.  Er  vermählte  sich  mit  Judith  aus  dem  mächtigen  schwäbischen,  auch  in  Bayern
begüterten  Hause  der  Welfen  und  als  diese  ihm  einen  Sohn  Karl,  nachmals  Karl  der
Kahle,  gebar,  wollte  der  Vater  auch  für  diesen  sorgen,  und  bestimmte  ihm  829  Alemannien
und  einen  Teil  von  Burgund.  Dadurch  wurden  natürlich  die  älteren  Söhne  erbittert,
und  als  die  Mißstimmung  der  Großen  gegen  Judith  und  den  kaiserlichen  Günstling,  den
Grafen  Bernhard  von  der  Mark,  in  offene  Empörung  überging,  gelang  es  ihnen  leicht,
anch  die  Söhne  des  Kaisers  für  sich  zu  gewinnen.  Nun  wollte  freilich  Lothar  die  Früchte
der  Empörung  allein  genießen,  da  aber  verbanden  sich  seine  Brüder  mit  dem  Vater
gegen  ihn,  und  besiegten  Lothar.  Allein  schon  im  Jahre  833  traten  alle  drei  Brüder
wieder  gegen  den  Vater  unter  die  Waffen;  bei  Kolmar  im  Elsaß  standen  sich  Vater  und
Söhne  gegenüber,  die  Vermittelungsversuche  des  Papstes,  der  selbst  dorthin  kam,  waren
vergeblich,  und  auf  dem  öden  Felde,  das  fortan  das  „Lügenfeld“  geheißen  ward,  stand  nun
der  alte  Vater  allein.  Er  ergab  sich  den  Söhnen.  Bald  aber  standen  Ludwig  und
Pippin,  die  sich  Lothar  nicht  unterwerfen  wollten,  wider  gegen  diesen  auf  und  Ludwig
der  Fromme  war  wieder  in  seinen  Rechten.  Der  Friede  schien  nun  einzukehren,  als  aber
der  alte  Kaiser  im  Jahre  838  wiederum  zu  Gunsten  seines  Sohnes  Karl  auf  Kosten
seines  Sohnes  Ludwig  dessen  Macht  zu  mehren,  und  nach  dem  Tode  Pippins  auch
dessen  Anteil  seinem  Liebling  zuzuwenden  suchte,  griff  Ludwig  aufs  neue  zu  den  Waffen;
auf  einem  Zuge  gegen  ihn  aber  verschied  der  alte  Kaiser  auf  einer  Rheininsel  bei  Ingelheim
  im  Jahre  840,  unter  Tränen  und  Leid,  doch  mit  versöhnendem  Sinn  gegen  die
aufrührerischen  Söhne.

Lothar  nahm  nun  als  Kaiser  die  Oberhoheit  über  das  ganze  Frankenreich  in  Anspruch.
  Ludwig  der  Deutsche  aber  und  Karl  der  Kahle  wollten  nach  alter  Weise
eine  Teilung,  und  infolgedessen  kam  es  aufs  neue  zum  Bruderkrieg,  in  welchem  sich  Lothar
mit  den  nachgelassenen  Söhnen  seines  Bruders  Pippin  verband,  die  man  ganz  von  der
Erbschaft  hatte  ausschließen  wollen.  Bei  Fontanet  kam  es  im  Jahre  841  zu  einer
großen  Schlacht  zwischen  beiden  Parteien,  Lothar  wurde  besiegt,  aber  auch  die  Brüder