82  Die  Franken  und  Karolinger.

erhielt  alle  Lande  diesseits  des  Rheins,  soweit  sie  zur  großen  Frankenmonarchie  gehörten,
dazu  auf  der  linken  Rheinseite  die  Gebiete  von  Speyer,  Worms  und  Maingz  unter  dem
Namen  Ostfranken  oder  Deutschland.

7.  Deutschland  unter  den  Kuoarolingern  843—0918.

Sein  unrühmliches  Leben  beschloß  Kaiser  Lothar  freiwillig  im  Kloster,  nachdem  er
zuvor  sein  Reich  unter  seine  drei  Söhne  verteilt,  und  dem  ältesten,  Ludwig  lIl.  die  Kaiserwürde
  hinterlassen  hatte.  Auch  dieser  starb  wie  seine  Brüder  nach  wenigen  Jahren  erbund
  ruhmlos,  und  nun  teilten  sich  Karl  der  Kahle  und  Ludwig  der  Deutsche  in  die  erledigten
  Lande.  Wie  im  Hause  seines  Vaters,  so  gab  es  auch  im  Hause  Ludwig  des
Deutschen  (843—876)  Streit  seiner  Söhne  unter  sich  und  mit  dem  Vater.  Erst  als  es
galt,  das  Erbe  ihres  Vaters  gegen  die  Eingriffe  ihres  Oheims  Karls  des  Kahlen  zu  verteidigen,
  hielten  sie  brüderlich  zusammen,  und  wie  die  Völker  grenzten,  teilten  sie  das
väterliche  Reich.  Alemannien  und  ein  Teil  des  oberen  Lothringen  fiel  dem  jüngsten
Bruder,  Karl  dem  Dicken  zu,  der  zweite  Bruder  Ludwig,  erhielt  Thüringen,  Sachsen,
Friesland  und  das  übrige  Lothringen;  Bayern,  Kärnten,  die  östliche  Mark,  Mähren  und
Böhmen  waren  das  Erbteil  des  ältesten,  Karlmanns.

So  war  ein  Drittteil  des  Weltreichs  Karl  des  Großen  abermals  in  drei  Teile
zersplittert,  und  Karlmann  teilte  seinen  Teil  sogleich  wieder  mit  seinem  natürlichen  Sohne
Arnulf,  dem  er  Kärnten  abtrat.  Aber  schon  im  Jahre  882  waren  Karlmann  und  sein
Bruder  Ludwig  gestorben,  und  Karl  der  Dicke  (876—887),  der  indessen  auch  Kaiser
geworden  war,  vereinigte  die  zersplitterten  Teile  wieder  unter  seiner  Herrschaft.  Aber
den  Wirren,  die  nun  allenthalben  entstanden,  war  er  in  keiner  Weise  gewachsen.  Im
Osten  gewann  eine  slavische  Herrschaft,  die  die  Herzöge  Rastislaw  und  namentlich  Swatopluk
in  Mähren  errichtet  hatten,  rasch  eine  immer  weitere  Ausdehnung,  und  bedrohte  die  östlichen
  Marken  des  Frankenreichs.  Im  Süden  kamen  über  das  Meer  von  Nordafrika  die
Sarazenen  und  bemächtigten  sich  Siziliens  und  Unteritaliens,  wetteifernd  mit  den  Oströmern
  oder  Griechen,  die  ihren  Anspruch  auf  Italien  noch  immer  nicht  aufgaben,  und
damals  gerade  Apulien  an  sich  rissen.  Die  sämtlichen  Nordküsten  des  Frankenreichs
von  der  Elbe  an,  ja  auch  die  Westküsten  bis  zur  Garonne  hin  wurden  von  den  Normannen
heimgesucht,  furchtbaren  Seeräubern,  die  Norwegen  und  Dänemark  bewohnten.  Dazu
herrschte  völlige  Ratlosigkeit  im  Innern,  keine  Gesetze  und  keine  Zucht  galten  mehr,  der
Adel  drückte  die  gemeinfreien  Leute,  und  diese  wieder  schlossen  sich  zu  wilden  Räuberbanden
  zusammen.

Die  Hoffnung  auf  Hilfe  von  Karl  war  eine  vergebliche.  Um  schweren  Tribut  hatte
er  zweimal  von  den  Normannen  den  Frieden  erkauft,  endlich  ermüdete  die  Geduld  der
deutschen  Großen,  und  im  Jahre  887  huldigten  sie  dem  natürlichen  Sohne  Karlmanns,
Arnulf  von  Kärnten  (887—899)  der  sich  gegen  den  Oheim  empört  hatte,  als  ihrem
König.  Karl  der  Dicke  starb  888  auf  den  ihm  angewiesenen  Besitzungen  in  Schwaben,
in  Frankreich  wurde  der  Sohn  eines  aus  Deutschland  gekommenen  Kriegsmannes  Ruotbert,
Graf  Odo  von  Paris  auf  den  Thron  erhoben,  in  der  heutigen  West-Schweiz  aber  und