Dentschland  nuler  den  Karoliugern.  83

den  daran  stoßenden  Gebieten  Frankreichs  gründete  in  demselben  Jahre  der  Graf
Rudolf  aus  dem  Hause  der  Welfen,  ein  Brudersonkel  der  zweiten  Gemahlin  Ludwigs
des  Frommen,  ein  besonderes  Reich,  Hochburgund.  Schon  der  Vater  Rudolfs,
Konrad,  hatte  in  diesen  Gegenden  geboten,  jetzt  ward  der  Sohn  zum  König  gekrönt,
und  auch  von  Arnulf  in  dieser  Stellung  anerkannt,  nachdem  er  gelobt  hatte,  sich  ihm
unterzuordnen.  So  waren  zwei  karolingische  Nebenreiche,  Hoch-  und  Niederburgund  entstanden,
  die  aber  später  933  von  Rudolf  I.  Sohn,  Rudolf  II.  zu  einem  Königreich
Burgund  vereinigt  wurden.

In  Frankreich  gelangte  Ludwig  II.  des  Stammvaters  Sohn,  Karl  der  Einfältige,
zunächst  als  Gegenkönig  gegen  Odo,  doch  noch  zur  Herrschaft.  Aber  sowohl  er,  wie  seine
Nachfolger  hatten  keine  Macht,  und  mit  einem
fünften  Ludwig,  den  man  gewöhnlich  den  Faulen
zu  nennen  pPflegt,  erlosch  im  Jahre  987  das  Geschlecht
  der  Karolinger  auf  Frankreichs  Thron.
Noch  rascher  freilich  endigte  es  in  Deutschland.
Alle  diese  Umwälzungen,  die  über  das  ehemalige
Reich  Karls  des  Großen  kamen,  waren  von  unendlichen
  Leiden  für  seine  Bewohner  begleitet.
Aber  in  dieser  Gährung  schieden  und  gestalteten
sich  diese  drei  großen  Nationalitäten,  Deutschland,
Frankreich  und  Italien.

König  Arnulfs  erster  Zug  galt  den  Normannen.
  Im  Jahre  890  sandte  er  ein  Heer
gegen  sie,  das  freilich  aufgerieben  wurde.  Nun
eilte  der  König  selbst  herbei,  und  traf  sie  an  der
Dyle  bei  Löwen  am  26.  Juni  891.  Mit  eigener
Hand  ergriff  der  König  die  Fahne  und  stürmte
gegen  die  feindlichen  Verschanzungen;  vollständig
besiegt  wurden  die  Normannen,  und  nun  warf
sich  Arnulf  auf  den  Osten.  Kaum  aber  war  er
hier  auf  dem  Schauplatz  seiner  früheren  Heldentaten
  angelangt,  als  die  Normannen  in  neeueun.
Streifzügen  die  Rheinlande  heimsuchten.  Er  mußgte..
ihnen  ihre  Beute  lassen,  die  Niederwerfung  eines  Ludwig  das  Kind.  1
größeren  Feindes  hielt  ihn  im  Osten  fest.  Nach  dem  Gemalde  von  Ph.  Beit

Dieser  Feind  waren  die  Mähren,  die  unter  im  Römer  zu  Frankfurt  a.  M.
Swatopluk  bereits  Böhmen  von  Deutschland  losgerissen  hatten,  und  damals  gerade
durch  Methodius  zum  Christentum  bekehrt  wurden.  Große  Erfolge  errang
Arnulf  hier  zwar  nicht,  aber  was  ihm  nicht  gelang,  das  gelang  den  Magyaren,
die  von  Osten  her  das  Mährenreich  anfielen.  Nach  Swatopluks  Tode  zerfiel  das
Mährenreich.  Arnulf,  einem  Rufe  des  Papstes  folgend,  zog  nach  Italien,  und
nahe  daran  schien  er  das  alte  Karolingerreich  wieder  herzustellen.  Aber  auch  er
wurde  bald  von  mannigfachem  Unglück  heimgesucht,  und  von  Leiden  und  Krankheit  gebrochen
  starb  er  im  Jahre  899.  Auf  seinen  siebenjährigen  Sohn  Ludwig  das  Kind
(900—911)  ging  nun  die  Herrschaft  über,  die  an  seiner  Stelle  Bischof  Hatto  von  Mainz

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