84  Die  Franken  und  Barolinger.

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führte.  Wenig  freilich  kümmerten  sich  die  fehdelustigen  Fürsten  um  die  in  den  Händen
eines  Kindes  liegende  Königsgewalt,  und  so  wurde  Deutschland  bald  wieder  der
Schauplatz  innerer  Kämpfe,  welche  von  den  raubsüchtigen  Ungarn  zu  verheerenden  Ein—
fällen  in  die  benachbarten  deutschen  Gaue  benutzt  wurden.  Vorbeiziehend  an  den  wenigen
deutschen  Städten  verwüsteten  die  wilden  Scharen  das  offene  Land,  ließen  Dörfer  und
Klöster  in  Flammen  aufgehen,  und  schleppten  Männer,  Weiber  und  Kinder  in  die  Gesangenschaft
  und  mitten  in  solchem  Jammer  starb,  im  siebzehnten  Lebensjahr,  Ludwig
das  Kind,  mit  welchem  der  Stamm  der  Karolinger  erlosch.

Aufs  neue  drohte  nun  dem  Reiche  die  Zersplitterung,  da  die  Häupter  der  fünf
großen  Stämme,  unter  welche  es  geteilt  war,  die  Herzöge  von  Franken,  Sachsen,  Schwaben,
Bayern  und  Lothringen  ihre  Würde  fast  erblich  und  unabhängig  gemacht  hatten.  Allein
es  gelang  dem  mutigen  Zusammengehen  der  Franken  und  Sachsen  doch,  die  Ernennung
eines  neuen  Königs  durchzusetzen,  und  dadurch  des  Reiches  Einheit  zu  retten.  Die  Wahl
fiel  auf  den  mütterlicherseits  mit  den  Karolingern  verwandten  Herzog  Konrad  von
Franken,  dem  die  Länder  am  Main  und  Mittelrhein  gehörten.  Kourad  I1  (911—918)
hatte  freilich  trotz  allen  guten  Wollens  wenig  Glück  in  seinen  Unternehmungen.  Lothringen
konnte  er  nicht  wiedererobern,  nur  das  Elsaß  behauptete  er.  Als  der  Sachsenherzog
Otto,  dem  er  seine  Erhebung  mit  verdankte,  starb,  verfeindete  er  sich  mit  dessen  Sohne
und  dem  Sachsenstamme,  und  auch  mit  dem  Herzog  Arnulf  von  Bayern,  und  mit  den
beiden  mächtigen  Grafen  in  Schwaben,  Berthold  und  Erchanger  geriet  er  in  Kampf.
Und  während  desselben  durchzogen  die  Ungarn  wiederum  das  Land.  Endlich  siegte  er
über  die  Bayern  und  Schwaben,  ließ  Berthold  und  Erchanger  hinrichten,  wurde  aber  im
Jahre  918  von  einer  tötlichen  Krankheit  besallen  und  nun  berief  er  seinen  Bruder  Eberhard
  an  sein  Totenbett,  und  beauftragte  ihn,  seinem  Gegner  Herzog  Heinrich  von
Sachsen  die  Krone  zu  überbringen.  Am  23.  Dezember  918  starb  er  und  wurde  zu  Fulda
begraben.

Es  war  ein  schweres  trauriges  Leben  gewesen,  sagt  Giesebrecht,  das  er  sieben
Jahre  lang  unter  der  Last  der  Krone  geführt  hatte,  denn  was  kann  es  Traurigeres  geben,
als  wenn  ein  tüchtiger  Mann,  ein  hohes  Ziel  mit  Anspannung  aller  seiner  Kräfte  verfolgt
  und  doch  unterliegt,  weil  er  nach  dem  Unmöglichen  strebt.  Konrad  wollte  das
fränkische  Königtum  in  alter  Weise,  in  der  Macht  Karls  d.  Gr.  herstellen,  aber  die  Zeit
war  eine  andere  geworden;  neue  Kräfte  waren  aufgetaucht  von  unbesiegbarer  Gewalt.
Oft  genug  glaubte  Konrad  den  Feind  überwunden  zu  haben  und  oft  genug  gewann  er
den  Sieg,  wo  er  selbst  auf  dem  Kampfplatz  erschien.  Aber  sobald  er  den  Rücken  wandte,
erhoben  sich  die  feindlichen  Mächte  immer  aufs  Neue.  Im  ewigen  Ringen  mit  den
widerstrebenden  Gewalten  der  Zeit  wurde  seine  edle  tüchtige  Natur  herabgedrückt,  und
grausam  und  heimtückisch  selbst  zeigte  sich  der  auf  dem  Thron,  der  vordem  frei
und  seiner  Kraft  bewußt  in  den  Stürmen  des  Lebens  dagestanden  hatte.  Das  geschah,
weil  er  das  Leben  der  Völker  meistern  und  regeln  sollte,  in  gefahrvollen  Zerwürfnissen,
ohne  jenen  Adlerblick  zu  besitzen,  der  ungetrübt  und  ungeblendet  durch  die  verwirrten
und  verwirrenden  Erscheinungen  des  Augenblicks  deutlich  die  Geschicke  der  Zukunft
erkennt;  jenen  Adlerblick,  ohne  den  ein  Fürst  in  Zeiten,  wo  neue  Kräfte  abgestorbene
Formen  zu  durchbrechen  und  zu  überwältigen  suchen,  immer  verloren  ist.  Konrad  irrte,
von  der  Macht  geblendet,  aber  sein  Irrtum  ist  verzeihlich,  denn  er  stand  nach  seiner
Ueberzeugung  auf  dem  Grunde  des  Rechts  und  verfolgte  eine  Idee,  an  die  er  alles