86  Die  Franken  und  Karolinger.

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licher  Hand  die  dürftigen  Flämmchen  des  heiligen  Feuers  in  den  Herzen  der  Menschen,
damit  nicht  aller  Sinn  für  das  Höhere,  für  die  geistigen  und  ewigen  Güter  unter  den
Sorgen  und  Anliegen  des  Tages,  unter  den  Leiden  des  Krieges,  unter  dem  Drucke  der
Knechtschaft  dahin  schwinde  und  ersterbe.  Sind  es  auch  nur  dürftige  Gaben,  womit  die
wackeren  Mönche  von  St.  Gallen  und  Reichenau,  von  Fulda,  Hirsau  und  Corvey,  von
St.  Amand  und  Vaast,  von  Ferrières,  Tours  und  anderen  Orten  die  Felder  der
Wissenschaft,  der  Dichtkunst,  der  Geschichtsschreibung  bereicherten,  -sie  sind  dennoch  für
Mit-  und  Nachwelt  von  unschätzbarem  Wert,  sie  bilden  die  notwendigen  Mittelglieder
und  Verbindungswege  zu  den  geistigen  Schätzen  des  Altertums.“

Die  ersten  Nachfolger  Karls  des  Großen  wandelten  noch  ganz  in  den  Fußstapfen
ihres  Vorgängers.  Sie  trugen  Sorge,  daß  die  von  ihm  gegründeten  Bildungsanstalten
und  namentlich  die  Hochschule  nicht  in  Verfall  gerieten,  sie  pflegten  einen  eifrigen  Verkehr
mit  den  bedeutendsten  Gelehrten  ihrer  Zeit,  Karl  der  Kahle  namentlich  und  sein  Bruder
Ludwig  waren  es,  die  sich  als  Schützer  von  Kunst  und  Wissenschaft  gefielen.  Allein
nach  ihren  Tode  „teilte  auch  die  Wissenschaft  und  Literatur,  überhaupt  nur  eine  künstliche
Pflanze  ohne  Wurzeln  im  Volksleben,  und  nur  auf  die  Geistlichkeit  und  wenige  Vornehme
  beschränkt,  das  Schicksal  des  Verfalls  und  der  Zerrüttung,  die  alle  Verhältnisse
und  Institute  des  Staats,  der  Kirche,  der  Gesellschaft  erfaßten  und  in  ihren  Lebenskeimen
  knickten.  Mochten  auch  noch  einige  Klöster  und  Schulen  ein  kümmerliches  Dasein
führen  und  das  geistige  Leben  vor  gänzlicher  Grabesnacht  bewahren,  mochten  auch  noch
einzelne  Geistliche,  wie  Ratherius,  Chronisten  wie  Flodoard  u.  A.,  Dichter  wie  Hucbald
rühmlich  gegen  die  Verwilderung  ankämpfen,  die  Raubzüge  der  Barbaren,  die  Besitznahme
  vieler  Abteien  und  Kirchengüter  durch  weltliche  Große,  die  sittliche  und  geistige
Entartung  eines  großen  Teiles  des  Klerus  und  der  allgemeine  Druck  der  Zeit  versetzten
der  Wissenschaft  und  Literatur,  der  Sprachkunde  und  dem  Studium  im  allgemeinen
einen  Stoß,  von  dem  sie  sich  nur  sehr  langsam  unter  günstigeren  Verhältnissen  und
besserer  Pflege  wieder  erholten.“

Wenn  in  diesem  Zeitalter  die  lateinische  Sprache  nicht  mehr  die  gleiche  sorgfältige
Behandlung  erfuhr,  wie  zuvor,  so  widmete  man  dafür  der  romanischen  Sprache,  die  nun
mehr  und  mehr  als  Schriftsprache  in  Gebrauch  kam,  um  so  mehr  Aufmerksamkeit.  Den
Uebergang  zeigt  schon  ein  Gedicht  Angilberts  über  die  Trauernacht  bei  Fontenaille,  und
namentlich  auch  in  Predigten,  Gebeten  und  einigen  liturgischen  Formeln  und  Gesängen,
sowie  in  der  Volkspvesie  finden  wir  nun  die  romanische  Sprache.

Was  wir  von  lateinischer  Literatur  und  Poesie,  Theologie  und  Philosophie
aus  der  karolingischen  Periode  besitzen,  das  hält  sich  streng  an  die  älteren  Vorbilder,
ohne  freilich  deren  Leichtigkeit  und  Gewandtheit  zu  erreichen.  Der  Inhalt  der  poetischen
Literatur  aus  dieser  Zeit  ist  natürlich  ein  vorzugsweise  religiöser,  sowohl  lyrischer  als
epischer  Natur.  Die  „Lebensgeschichte  des  heiligen  Amandus“  von  Milo,  dem  Erzieher
zweier  Söhne  Karls  des  Kahlen,  sowie  so  manche  andere,  sich  entweder  an  den  jeweiligen
Schutzpatron  des  Klosters,  oder  irgend  einen  Heiligen  anknüpfende  Gedichte,  die  Psalmen
und  Hymnen  eines  Florus  von  Lyon,  und  eines  Notker  des  Stammlers,  sowie  die  verschiedenartigsten
  Gelegenheitsgedichte  und  poetischen  Sendschreiben,  wie  das  des  Bischof
Salomo  von  Konstanz  über  das  Reich  unter  Ludwig  d.  K.  gehören  hierher,  ebenso  wie  die
Schilderung  der  Belagerung  von  Paris  durch  die  Normannen  von  Abbo  von  St.  Germain.
Eine  Biographie  Karls  d.  Gr.  „Annalen  des  sächsischen  Poeten  über  die  Taten  Karls