90  Die  Franken  und  Karolinger.

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An  der  Spitze  der  Handschriften  aus  der  Schule  von  Metz  steht  das  von  Ludwig
dem  Frommen  der  Abtei  Saint  Medard  von  Soissons  geschenkte  Evangeliar,  ihm  schließt
sich  ein  solches  in  der  Stadtbibliothek  von  Abeville,  und  eines  im  British  Museum  an,
und  einzig  in  seiner  Art  steht  aus  der  gleichen  Zeit  das  Sakramentarium  des  Drogo  da.

Aus  der  Schule  von  Rheims  ist  das  Evangeliar  der  Bibliothek  zu  Epernay,  das
Loisel-Evangeliar,  das  Evangeliar  von  Blois,  und  das  Colbert-Evangeliar  zu  nennen.

Aus  Tours  führen  wir  in  erster  Linie  die  Bibel  Karls  des  Kahlen,  dann  das
Sakramentarium  von  Autun,  sowie  einen  im  Auftrag  Karls  des  Kahlen  geschriebenen
Pfsalter  und  ein  Evangeliar  an.

Neben  diesen  drei  Schulen  steht  die  Schreibstube  des  Klosters  Sankt  Gallen,  deren
Aufschwung  an  den  Namen  des  Abtes  Grimoald  geknüpft  ist.  Der  Folchard-Psalter,
der  goldene  Pfalter  u.  a.  stammen  aus  diesem  Kloster,  neben  dem  dann  namentlich  noch
das  Kloster  Fulda  zu  nennen  ist.

So  schufen  die  Mönche  in  weltflüchtiger  Einsamkeit  Werke,  an  denen  wir  heute
noch  mit  Staunen  hinaufsehen.  An  den  Klostermauern  prallte  weltlicher  Streit  und
Hader  ab,  und  hinter  ihnen  barg  sich  Kunst  und  Wissenschaft  zu  stillem  Weiterblühen.
Jahrhunderte  hindurch  häuften  sich  so  kostbare  Schätze  in  den  Büchereien  der  Klöster  an,
und  niemand  war  es,  der  von  ihnen  der  Welt  verkündigt  hätte.  Und  heute  finden  wir
diese  Zeugen  menschlichen  Fleißes  in  allen  Bibliotheken.  Sie  reden  eine  deutliche  Sprache
zu  uns,  sie  künden  uns  von  vergangenen  Zeiten  und  ihrem  Tun  und  Treiben,  und  wir
lernen  aus  ihnen  verstehen,  daß  auch  hier  künstlerischer  Drang  und  künstlerische  Befriedigung
  wohnten.