94  Die  sächsischen  Kaiser.

Bewegung  gesetzt,  die  Wenden  hatten  damals  um  ihre  Hilfe  gebeten.  Jetzt,  da  der
beschworene  Waffenstillstand  die  Ungarn  ferunhielt,  erneuerte  Heinrich  seine  Züge  gegen
diese  Slaven.  Es  war  eine  bittere  Feindschaft  zwichen  Deutschen  und  Slaven,  ein  Haß
der  in  der  verschiedenen  Nationalität  und  in  der  verschiedenen  Religion  zugleich  wurzelte,
denn  die  Slaven  waren  noch  Heiden.  Zudem  wohnten  sie  auf  deutschem  Boden,  und
hatten  die  Deutschen,  die  vordem  frei  darauf  gelebt,  vertrieben  oder  unterdrückt.

Im  Jahre  928  griff  Heinrich  die  Wenden  in  Böhmen  an.  Die  Hauptstadt  Prag
wurde  erobert,  Böhmen  mußte  einen  Tribut  zahlen,  und  im  folgenden  Jahre  weihte  der
Bischof  Tutlo  die  St.  Veitskirche  in  Prag.  Ebenso  siegreich  war  sein  Kampf  gegen  die
slavischen  Völker,  welche  an  der  Elbe  und  Havel  bis  gegen  die  Oder  hin  wohnten.
Früchte  dieses  Sieges  waren  die  Gründung  der  Markgrasschaften  Lausitz,  Meißen  und
Nordsachsen,  die  nachmalige  brandenburgische  Altmark.  In  den  besiegten  Landschaften
wurden  deutsche  Pflanzer  angesiedelt  und  Bistümer  gegründet.

Nun  war  auch  der  neunjährige  Friede  mit  den  Ungarn  zu  Ende.  Als  nun  der
König,  so  berichtet  der  Geschichtsschreiber  Widukind,  eine  im  Reitergefecht  bewährte
Ritterschaft  hatte,  da  fühlte  er  sich  stark  genug,  gegen  seine  alten  Feinde  den  Kampf  zu
eröfnen  und  in  einer  großen  Volksversammlung  wurde  der  Krieg  beschlossen.  Bald
darauf  kamen  die  Gesandten  von  Ungarn  zum  König,  die  üblichen  Geschenke  zu
holen,  allein  sie  wurden  von  ihm  mit  Hohn  abgewiesen  und  kehrten  mit  leeren  Händen
in  ihr  Land  zurück.  Als  dies  die  Ungarn  hörten,  beeilten  sie  sich  unverweilt  mit  einem
bedentenden  und  erprobten  Heere  nach  Sachsen  einzudringen.  Ihren  Marsch  nahmen  sie
durch  Dalemanzien  und  verlangten  von  ihren  alten  Freunden  Hilfe.  Diese  aber,  welche
wußten,  daß  sie  nach  Sachsen  zogen,  und  daß  die  Sachsen  bereit  waren,  mit  ihnen  zu
kämpfen,  warfen  ihnen  als  Geschenk  einen  fetten  Hund  vor.  Da  es  jedoch  nicht  Zeit
war  die  Beleidigung  zu  rächen,  während  man  zu  einem  andern  Kampf  eilte,  überschütteten
  jene  ihre  Freunde  mit  gar  lächerlichem  Schimpfen.  Nun  drangen  sie  mit
möglichst  raschem  Angriff  in  das  Land  der  Thüringer  ein,  und  durchzogen  dies  ganze
Land  sengend  und  brennend.  Hier  teilten  sie  ihre  Scharen,  ein  Teil  zog  nach  Westen
und  suchte  von  Westen  und  Süden  nach  Sachsen  einzudringen.  Aber  die  Sachsen  vereint
mit  den  Thüringern  scharten  sich  zusammen,  begannen  mit  ihnen  einen  Kampf,  töteten
die  Anführer  und  zersprengten  den  Rest  des  westlichen  Heeres  durch  diese  ganze  Landschaft.
  Von  diesen  wurde  ein  Teil  durch  Hunger  aufgerieben,  ein  anderer  kam  durch
Kälte  um,  noch  andere  starben  niedergehauen  oder  gefangen,  wie  sie  es  verdienten,  eines
jämmerlichen  Todes.  Das  im  Osten  zurückgebliebene  Heer  hörte  aber,  daß  die  Schwester
des  Königs,  welche  den  Thüringer  Wido  geheiratet  hatte,  eine  benachbarte  Feste  bewohne,
und  viel  Gold  und  Silber  besäße.  Deshalb  begannen  sie  die  Burg  mit  solcher  Macht
zu  stürmen,  daß  sie,  hätte  nicht  die  Nacht  die  Kämpfer  gehindert  zu  sehen,  dieselbe  genommen
  hätten.  Als  sie  aber  in  dieser  Nacht  von  der  Niederlage  ihrer  Gefährten  hörten,
und  daß  der  König  mit  einem  mächtigen  Heere  über  sie  komme,  verließen  sie  von  Furcht
ergriffen  ihr  Lager,  und  riefen  nach  ihrer  Weise  durch  Feuer  und  ungeheuren  Rauch  die
zerstreuten  Schwärme  zusammen.  Der  König  aber  führte  am  folgenden  Tag  sein  Heer
vorwärts,  und  ermahnte  die  Reisigen,  ihre  Hoffnung  auf  Gottes  Gnade  zu  setzen  und
nicht  zu  zweifeln,  daß  ihnen  die  göttliche  Hilfe,  gleich  wie  in  andern  Treffen,  beistehen
werde;  die  Ungarn  seien  die  gemeinsamen  Feinde  ihrer  aller,  sie  sollten  allein  auf  die
Verteidigung  ihres  Vaterlandes  und  ihrer  Eltern  bedacht  sein;  bald  würden  sie  sehen,