96  Die  sächsischen  Kailer.

daß  die  Feinde  den  Rücken  kehren  würden,  wenn  sie  mannhaft  kämpfend  stand  hielten.
Durch  diese  vortrefflichen  Worte  angefenert,  und  da  sie  ihren  Feldherrn  bald  unter  den
Vordersten,  bald  in  der  Mitte  und  bei  den  Letzten  weilen  sahen,  erhielten  die  Krieger
Zuversicht  und  große  Standhaftigkeit.  Der  König  aber  besorgte,  daß,  wie  es  auch  eintraf,
die  Feinde  beim  Anblick  geharnischter  Reiter  sogleich  die  Flucht  ergreifen  möchten;  so
sandte  er  ein  Fähnlein  Thüringer  mit  nur  wenig  Rittern,  damit  jene  die  Leichtbewaffneten
  verfolgen,  und  bis  ans  Heer  herangelockt  werden  möchten.  Und  so  geschah
es,  aber  nichtsdestoweniger  flohen  sie,  sobald  sie  das  gewappnete  Kriegsvolk  erblickten,  so
daß  auf  acht  Meilen  Weges  kaum  einige  wenige  gefangen  genommen  oder  getötet  wurden,
das  Lager  aber  wurde  erstürmt  und  sämtliche  Gefangene  befreit.

Der  Tag  dieser  Schlacht  war  der  15.  März  933.  Das  Heer  begrüßte  Heinrich
als  Vater  des  Vaterlandes,  großmächtigen  Herrscher  und  Kaiser,  er  aber  gab  Gott  die
Ehre,  und  bestimmte  den  Tribut,  den  er  bisher  den  Feinden  bezahlt  hatte,  für  kirchliche
Zwecke  und  für  Almosen  an  die  Armen.

Noch  wandte  sich  Heinrich  dann  im  Jahre  934  gegen  die  Dänen,  die  nicht  allein
das  Land  zwischen  Eider  und  Schlei  besetzt,  sondern  auch  die  deutschen  Heere  über  die
Elbe  gedrängt,  und  ihre  User,  wie  die  Küsten  von  Friesland  verheert  hatten.  Der  Dänenkönig
  Gorm  wagte  es  nicht,  sich  mit  dem  mächtigen  Gegner  im  Felde  zu  messen,  bat  um
Frieden,  und  bot  seine  Unterwerfung  unter  Heinrich  an.  So  gab  Heinrich  das  Gebier
zwischen  Eider,  Trene  und  Schlei  als  Mark  Schleswig  dem  Reiche  zurück,  legte  dem
König  Tribut  auf  und  verschaffte  dem  Christentum  Eingang  im  Lande,  das  Erzbischof
Unni  von  Hamburg  auszubreiten  bemüht  war.

Zuletzt,  als  Heinrich  alle  Bölker  im  Umkreis  bezwungen  hatte,  erzählt  Widukind
weiter,  beschloß  Heinrich  nach  Rom  zu  ziehen,  unterließ  aber,  von  Krankheit  erfaßt.  den
Zug.  Es  ist  wohl  kaum  anzunehmen,  daß  der  Kaiser  nach  Rom  gegangen  wäre,  um  die
römische  Königskrone  zu  erwerben;  nur  sein  frommes  Gefühl  und  der  Wunsch,  auf  dem
Grabe  des  Apostels  seine  Andacht  verrichten  zu  können,  hatten  diesen  Gedanken  in  ihm
wachgerufen.  Während  einer  Jagd  traf  ihn  zu  Bodfeld  im  Harz  935  ein  Schlaganfall,
und  wenn  er  sich  davon  auch  wieder  langsam  erholte,  so  war  das  ihm  doch  eine
Mahnung,  sein  Haus  zu  bestellen.  So  wandte  er  denn  seine  erste  Sorgfalt  seiner
Gemahlin  zu,  der  er  reiche  Stiftungen  zuweisen  ließ,  und  berief  dann  die  Großen  seines
Reichs  zu  einer  Versammlung  nach  Erfurt,  wo  er  ihnen  den  in  voller  Kraft  und  Blüte
der  Jugend  stehenden  Otto  als  seinen  Nachfolger  empfahl,  den  Schatz  und  das  Erbgnut
unter  seine  Kinder  verteilte,  und  mancherlei  Bestimmungen  traf.  Einstimmig  wurde
Otto  gewählt,  und  den  beiden  anderen  Söhnen  Heinrich  und  Thankmar  ihr  Erbe  gesichert.
  In  Begleitung  weniger  Gefährten  begab  sich  dann  der  Kaiser  nach  Memleben  an
der  Unstrut.  Hier,  so  berichtet  die  Chronik,  wiederholte  sich  sein  Schwächezustand  und
traf  ihn  nicht  lunge  darauf  des  Todes  Bitterkeit.  Da  er  aber  fühlte,  daß  des  Leibes
Auflösung  nahe  sei,  rief  er  die  Königin  zu  sich,  sprach  lange  Zeit  mit  ihr  insgeheim  und
schloß  endlich  seine  Unterredung  mit  folgenden  Worten:  „Mein  getreues  und  über  alles
geliebtes  Weib,  ich  sage  Christus  Dank,  daß  ich  vor  Dir  aus  dem  Leben  scheide.  Niemand
hat  je  ein  Weib  gehabt,  das  im  Glauben  fester  und  in  jeder  Tugend  erprobter  war.
Habe  Dank,  daß  Du,  wenn  ich  erzürnt  war,  mit  Eifer  zum  Guten  sprachst  und  mir  in
jeder  Weise  nützlichen  Rat  gabst.  Oft  hast  Du  mich  von  der  Ungerechtigkeit  zu  gerechter
Entscheidung  geführt  und  eifrig  an  die  Barmherzigkeit  gegen  den  überwundenen  Gegner