98  Die  sächsischen  Kaifer.

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sondern  auch  in  ruhmvollen  Kämpfen  die  Grenzen  des  Reichs  erweiterte,  und  den  deutschen
Namen  zu  immer  höherem  Ansehen  brachte.  Erst  vertrieb  er  den  Herzog  von  Bayern,
der  nach  dem  Tode  seines  Vaters  ohne  Einwilligung  des  Königs  die  Herrschaft  angetreten
hatte  und  setzte  dessen  Oheim  Berthold  zum  Herzog  ein.  Dann  galt  es  gegen  Eberhard
von  Franken,  König  Konrads  Bruder  zu  kämpfen,  der  sich  dreimal  gegen  ihn  empörte.
Eberhard  hatte  mächtige  Bundesgenossen  und  bei  seinem  zweiten  Aufstand  gelang  es  ihm
sogar,  Ottos  Stiefbruder  Thankmar  auf  seine  Seite  zu  ziehen,  der  dann  bei  der  Erstürmung
der  Feste  Eresburg  seinen  Tod  fand.  Wohl  war  Eberhard  von  Otto  mit  Milde  behandelt
worden,  allein  er  empörte  sich  ein  drittesmal  im  Bunde  mit  Giselbert  von  Lothringen
und  Ottos  jüngerem  Bruder  Heinrich.  Otto  gelang  es  auch  jetzt,  den  Gegner  zu  bewältigen,
obschon  er  zu  gleicher  Zeit  eine  Empörung  slavischer  Stämme  im  fernen  Osten  niederzuwerfen
  hatte.  Bei  dem  von  Ottos  Scharen  ausgeführten  Ueberfall  von  Andernach
erlag  Eberhard  im  Kampfe  und  Giselbert  fand  in  den  Wellen  des  Rheins  seinen  Tod,
Heinrich,  der  seinen  Bruder  kniefällig  um  Gnade  bat,  erhielt  Verzeihung.

An  Ruhe  durfte  Otto  freilich  auch  jetzt  nicht  denken.  An  der  Slavengrenze  dauerte
der  Krieg  fort  und  Heinrich  ließ  sich  von  neuem  zu  einer  Empörung  verleiten,  ja  er
gab  sogar,  um  selbst  auf  den  Thron  zu  kommen,  einem  Mordplan  gegen  Otto  seine  Zustimmung.
  Auch  jetzt  aber  erhielt  er  nochmals  auf  Fürbitte  seiner  Mutter  Verzeihung,
und  nun,  ergriffen  von  solchem  Edelmut,  kannte  er  forthin  kein  anderes  Streben,  als
seinem  Bruder  in  Treue  und  Ergebenheit  zu  dienen.

Um  die  Macht  der  großen  Vasallen  zu  brechen,  und  sich  gegen  ihre  ferneren  Feindseligkeiten
  zu  schützen,  entsandte  Otto  in  alle  Provinzen  Pfalzgrafen,  welche  die  Herzöge
und  Grafen  zu  überwachen,  und  die  Aufsicht  über  die  Güter  und  Einkünfte  des  Reiches
zu  führen  hatten.  Zudem  behielt  er  sich  das  Recht  vor,  die  einzelnen  Herzogtümer  zu
besetzen,  und  brachte  die  meisten  derselben  an  Glieder  seiner  Familie.  Nach  Herzog
Bertholds  Tode  übertrug  er  Bayern  seinem  Bruder  Heinrich,  und  teilte  seinem  Schwiegersohn,
  dem  Grafen  Konrad  von  Worms,  das  Herzogtum  Lothringen  zu.  Sein  Sohn
Ludolf  erhielt  die  einzige  Tochter  des  Herzogs  Hermann  von  Schwaben,  zu  dessen  Nachfolger
  er  auch  ernannt  wurde.

Endlich  war  es  auch  gelungen,  die  Slaven  nach  langen,  schweren  Kämpfen  bis  zu
der  Oder  der  deutschen  Herrschaft  zu  unterwerfen,  und  sie  zu  Christen  zu  machen.  Die
Bistümer  Havelberg  und  Brandenburg,  zu  denen  später  noch  die  von  Merseburg,  Meißen
und  Zeitz  kamen,  wurden  gegründet  und  in  der  Folge  dem  gleichfalls  von  Otto
gegründeten  Erzbistum  Magdeburg  unterstellt.

Auch  in  seinen  Zügen  gegen  die  Dänen  war  Otto  glücklich.  Im  Jahre  947  drang
er  verheerend  bis  zur  Spitze  Jütlands  vor  und  als  Zeichen,  daß  das  Meer  die  Grenze
des  Reiches  sei,  schleuderte  er  einen  Speer  in  die  Bucht,  die  nach  ihm  Ottensund  genannt
wurde.  König  Harald  wurde  zur  Huldigung  gezwungen  und  nahm  das  Christentum  an.
Ebenso  zwang  Otto  die  Böhmen,  die  sich  schon  beim  Beginn  seiner  Regierung  gegen  ihn
erhoben  hatten,  unter  ihrem  Herzog  Boleslaw  im  Jahre  950  zur  Anerkennung  der  deutschen
Oberherrschaft  und  bewog  ihn  zur  Taufe.  So  durfte  Otto,  nach  allen  Seiten  begünstigt
vom  Erfolg,  die  Zuversicht  hegen,  in  der  Wiederherstellung  des  karolingischen  Reichs,  das
Ideal  erfüllt  zu  sehen,  das  ihm  vorschwebte.  Und  diese  Hoffnung  schien  sich  in  der  Tat
erfüllen  zu  wollen.