100  Die  süchfischen  Kaiser.

Nach  Herzog  Arnulfs  Tode  hatte  Berengar  von  Friaul  die  Herrschaft  über  das
longobardische  Reich  zu  behaupten  gewußt,  als  er  jedoch  im  Jahre  924  ermordet  worden
war,  brachen  Parteikämpfe  aus,  indem  ein  Teil  der  Longobarden  Rudolf  II.  dem  König
des  den  Westen  der  Schweiz  umfassenden  transjuranischen  Burgund  die  longobardische
Krone  übertrug,  die  andern  aber  den  Grafen  Hugo  von  Arles,  der  sich  des  Königreichs
Provence  —  auch  das  cisjuranische  Burgund  genannt  —  bemächtigt  hatte,  zur  Besitzergreifung
  des  Landes  einluden.  Beide  schlossen  einen  Vergleich  dahin,  daß  Hugo  Italien
erhielt,  und  dafür  an  Rudolf  seine  Länder  in  Frankreich  abtrat,  so  daß  die  beiden
burgundischen  Staaten  zu  einem  Reiche  vereinigt  wurden,  das  nach  der  Hauptstadt  Arles,
auch  das  arleatische  Reich  genannt  wurde.  Hugo,  dessen  Strenge  Unzufriedenheit  erregte,
zog  sich  946  in  ein  Kloster  zurück,  und  sein  Sohn  Lothar,  dem  der  Markgraf  Berengar
von  Jvrea,  ein  Enkel  des  früheren  Berengar,  die  Herrschast  streitig  machte,  starb  schon
950,  worauf  sich  Berengar  zum  König  von  Italien  krönen  ließ.  Um  seine  Herrschaft  zu
festigen,  wollte  er  die  Witwe  Lothars,  Adelheid,  eine  Tochter  Rudolfs  II.  von  Burgund,
zur  Ehe  mit  seinem  Sohne  Adalbert  zwingen,  und  als  sie  diese  Verbindung  zurückwies,
wurde  sie  als  Gefangene  in  ein  festes  Schloß  am  Comersee  gebracht.  Allein  es  gelang
ihr  aus  dem  Gefängnis  zu  entkommen,  und  nach  längerem  Umherirren  fand  sie  eine
Zuflucht  in  Kanossa,  von  wo  sie  Boten  nach  Deutschland  sandte,  die  Otto  um  Hülfe
anflehen,  und  ihm  zugleich  ihre  Hand  antragen  sollten.  Dieser  Ruf  um  Hülfe  kam  Otto
ganz  gelegen.  Sofort  eilte  er  über  die  Alpen  und  ohne  jeden  Widerstand  öffneten  ihm
die  longobardischen  Städte  ihre  Tore,  während  Berengar  sich  in  seine  Alpenschlösser
zurückzog.  Nachdem  Otto  am  23.  September  951  feierlich  in  Italien  eingezogen  war,
wo  er  sofort  als  König  der  Longobarden  anerkannt  wurde,  feierte  er  um  Weihnachten
unter  glänzenden  Festlichkeiten  seine  Hochzeit  mit  Adelheid,  und  trat  mit  dieser,  nachdem
er  seinen  Schwiegersohn  Konrad  zum  Statthalter  in  Italien  ernannt  hatte,  den  Rückzug
über  die  Alpen  an.

In  der  Heimat  freilich  traf  er  traurige  Zustände.  Sein  Sohn  Ludolf,  verstimmt
über  des  Vaters  Wiedervermählung,  und  über  den  Einfluß  der  jugendlichen  Adelheid
auf  den  Vater,  und  sein  Schwiegersohn  Konrad  von  Lothringen,  der  dem  König  wegen
seines  Verhaltens  gegen  den  Markgrafen  Berengar  zürnte,  hatten  sich  mit  dem  Erzbischof
Friedrich  von  Mainz  zur  offenen  Empörung  verbunden,  mußten  sich  aber  nach  längerem
Kampfe  unterwerfen.  Otto  verzieh  ihnen  zwar,  allein  ihrer  Herzogtümer  gingen  sie  doch
verlustig.  Das  dem  Herzog  Konrad  entzogene  Lothringen  wurde,  in  Ober=  und  Nieder-Lothringen
  geteilt,  zwei  neuen  Herzögen  verliehen.

Da  nun  aber  im  Innern  Ruhe  herrschte,  erhoben  sich  außen  wiederum  von  neuem
die  Feinde,  die  Ungarn.  Sie  durchzogen  das  Bayerland,  überschwemmten  Schwaben,  und
lagerten  sich  in  der  Ebene  des  Lech;  Augsburg,  auf  das  sie  zuerst  ihren  Angriff  richteten,
wurde  von  dem  Bischof  Udalrich  aufs  Tapferste  verteidigt.  Auf  hohem  Roß,  angetan
mit  der  Stola,  aber  nicht  mit  Helm  und  Panzer  bewehrt,  feuerte  er  die  Seinigen  zum
Kampfe  an.  In  der  Nacht  ließ  er  Bollwerke  errichten,  und  soweit  es  die  Zeit  gestattete,
die  Umwallung  erneuern.  Als  der  Morgen  kam,  an  welchem  die  Feinde  die  Stadt  zu
erobern  gedachten,  da  rief  er  den  Seinigen,  nachdem  er  zuvor  allen  Bürgern  die  Messe
gelesen,  die  Worte  des  Psalms  zu:  „Und  ob  ich  schon  wanderte  im  finstern  Tal,  so
fürchte  ich  doch  nichts,  denn  Du  bist  bei  mir,  Dein  Stecken  und  Stab  tröstet  mich“,  und
als  nun  das  Heer  der  Ungarn  von  allen  Seiten  gegen  die  Stadt  stürmte,  wobei  freilich