Otto  I.  der  Grohe.  101

die  vordersten  Reihen  mit  Peitschenhieben  in  den  Kampf  getrieben  werden  mußten,  fand  es
kräftigen  Widerstand.  Zugleich  kam  die  Nachricht  von  dem  Herannahen  des  Königs  Otto,
und  nun  zogen  die  Ungarn  von  der  Stadt  ab  und  diesem  entgegen.

Und  nun  hören  wir  Widukinds  Bericht  über  die  Schlacht  auf  dem  Lechfeld  am
10.  August  955.

In  der  Nähe  der  Stadt  Augsburg  schlug  Otto  ein  Lager  auf.  Hier  traf  der  Heerbann
  der  Franken  und  Bayern  bei  ihm  ein.  Auch  Konrad  kam  mit  starker  Heeresmacht
ins  Lager,  und  seine  Ankunft  hob  so  den  Mut  der  Reisigen,  daß  sie  den  Streit  nicht
länger  zu  verschieben  begehrten.  Denn  Konrad  war  von  Natur  kühnen  Mutes  und  was
bei  verwegenen  Kriegern  selten,  auch  trefflich  im  Rat,  im  Kampfe  zu  Roß  und  zu  Fuß
ein  unwiderstehlicher  Streiter,  und  seinen  Genossen  im  Krieg  und  im  Frieden  gleich  teuer.
Bald  brachten  herumstreifende  Scharen  die  Nachricht,  daß  beide  Heere  nicht  mehr  weit
von  einander  entfernt  seien.  Darum  wurde  ein  Fasten  im  Lager  angesagt,  und  befohlen,
daß  alle  für  den  nächsten  Tag  bereit  sein  sollten.  "

Als  nun  das  Zwielicht  des  andern  Tags  dämmerte,  rüsteten  sich  die  Krieger,  gelobten
  einander  Frieden,  und  nachdem  sie  erst  ihren  Führern  und  dann  sich  unter  einander
  Beistand  gelobt,  erhoben  sie  die  Fahnen  und  zogen  aus  dem  Lager,  acht  Züge  an
der  Zahl.  Ueber  unebenen,  beschwerlichen  Boden  rückte  das  Heer  vor,  wo  die  Feinde
nicht  Gelegenheit  hatten,  es  durch  eine  Wolke  von  Geschossen  in  Verwirrung  zu  bringen,
deren  sie  sich  trefflich  zu  bedienen  wußten,  denn  Buschwerk  deckte  hier  den  Vormarsch.
Den  ersten,  zweiten  und  dritten  Zug  bildeten  hier  die  Bayern,  welchen  die  Befehlshaber
Herzog  Heinrichs  führten.  Er  selbst  mußte  enfernt  vom  Kampfe  bleiben,  denn  eine  Krankheit,
  welcher  er  später  erlag,  fesselte  ihn  an  das  Siechenbett.  De:  vierten  Zug  bildeten
die  Franken,  deren  Leiter  und  Führer  Herzog  Konrad  war.  Im  fünften,  dem  zahlreichsten,
  welcher  auch  der  königliche  genannt  wurde,  befand  sich  der  Herrscher  selbst,  umgeben
  von  einer  Schar  kühner  Jünglinge,  der  Auswahl  der  Tapfersten  aus  dem  ganzen
Heer.  Vor  ihm  her  aber  flatterte  die  Fahne,  geziert  mit  dem  Bilde  des  heiligen  Erzengels,
der  noch  nie  der  Sieg  gefehlt  hatte,  und  gedeckt  durch  eine  dichte  Schar.  Der  sechste  und
siebente  Zug  waren  die  Schwaben  unter  ihrem  Herzog  Burkhardt,  der  die  Tochter  von
des  Königs  Bruder  zur  Ehe  hatte.  Den  achten  Zug  bildeten  tausend  auserlesene  böhmische
Streiter,  besser  mit  Waffen  als  mit  Glück  gewappnet.  Bei  ihm  befand  sich  alles  Gepäck
und  der  ganze  Troß,  weil  man  die  Nachhut  für  den  sichersten  Platz  hielt.  Aber  anders
kam  die  Sache  als  man  erwartet  hatte,  denn  die  Ungarn  hatte  ohne  Zögern  den  Lech
durchschwommen,  und  das  Heer  umgangen.  Hier  begannen  sie  den  Nachtrab  mit  einem
Pfeilregen  zu  überschütten,  darauf  erhoben  sie  ein  fürchterliches  Geheul  und  stürmten
zum  Angriff.  Mancher  sank  in  seinem  Blute  nieder,  mancher  geriet  in  Gefangenschaft,
das  ganze  Gepäck  fiel  in  die  Hände  der  Feinde,  und  wer  das  Leben  behielt,  suchte  Rettung
in  der  Flucht.  In  ähnlicher  Weise  warfen  sich  die  Ungarn  auf  den  siebenten  und  sechsten
Heerhaufen,  und  auch  diese  wurden  zerstreut  und  flohen.  Sobald  der  König  sah,  daß
die  Schlacht  vor  seinem  Angesicht  anhebe,  und  in  seinem  Rücken  der  Nachtrab  in  Gefahr
gerate,  entsandte  er  den  Herzog  Konrad  mit  dem  vierten  Heerhaufen.  Der  aber  befreite
die  Gefangenen,  jagte  dem  Feinde  die  Beute  ab,  und  trieb  die  plündernden  feindlichen
Scharen  in  wilder  Flucht  auseinander.  Nachdem  er  die  Gegner  allenthalben  auseinander
geworfen  hatte,  kehrte  er  mit  siegreich  wehenden  Fahnen  zum  König  zurück  und  wunderbar,
während  seine  alterprobten  und  an  Siegesruhm  gewöhnten  Krieger  gezagt  hatten,  hatte