102  Die  sächsschen  Kaiser.

er  mit  der  jungen  Mannschaft,  die  des  Kampfes  fast  unkundig  war,  einen  glänzenden
Sieg  davongetragen.

Jetzt  erkannte  der  König,  daß  er  die  ganze  Wucht  des  Kampfes  mit  der  ihm  gegenüberstehenden
  Hauptmacht  zu  bestehen  habe.  Darum  wandte  er  sich  an  seine  Waffengefährten
  und  feuerte  sie  mit  folgenden  Worten  an:  „Daß  es  jetzt  gilt,  in  solcher  Gefahr
Krast  und  Ausdauer  zu  beweisen,  seht  Ihr  selbst,  meine  Krieger,  denn  nicht  fern  von
Euch  steht  der  Feind  und  mit  den  Augen  vermögt  Ihr  ihn  zu  erreichen.  Bisher  habe
ich  noch  immer  durch  Eure  tapfere  Hand  und  durch  Euer  unwiderstehliches  Schwert  in
der  Fremde,  jenseits  der  Grenzen  unseres  Reiches  den  Sieg  errungen,  und  nun  sollte  ich
dem  eigenen  Lande  den  Rücken  wenden?  An  Menge  wohl  übertreffen  uns  die  Feinde,
nicht  aber  an  Tapferkeit  und  Rüstung,  denn  sie  entbehren,  wie  Euch  bekannt  ist,  zum
größten  Teil  jeglicher  Wehr,  und  was  für  uns  der  größte  Trost:  die  Hilfe  Gottes  ist
nicht  mit  ihnen.  Jenen  dient  allein  rücksichtslose  Verwegenheit  und  Tücke,  uns  aber
schützt  die  Hoffnung  auf  Gott  und  seinen  Beistand.  Schmach  müßte  uns  treffen,  wollten
wir,  die  Herren  fast  ganz  Europas,  unser  Reich  den  Feinden  zu  Lehen  geben.  Nein
besser  wäre  es,  meine  Krieger,  wenn  unser  Ende  nahe  ist,  im  Streit  ruhmvoll  zu  sterben,
als  unter  dem  Joch  der  Feinde  ein  Sklavenleben  zu  führen  oder  gar,  wie  böse  Tiere,
durch  den  Strick  erwürgt  zu  werden.  Mehr  noch  würde  ich  sprechen,  wüßte  ich  daß  Worte
imstande  wären,  Euren  Mut  und  Eure  Tapferkeit  zu  erhöhen.  Laßt  uns  lieber  mit  dem
Schwert,  als  mit  der  Zunge  den  Wettkampf  beginnen!“  Sprach's,  ergriff  den  Schild  und
die  heilige  Lanze,  und  sprengte  hoch  zu  Roß  vor  allen  in  den  Feind  hinein,  ein  tapferer
Krieger  und  wackerer  Feldherr  zugleich.  Anfangs  wagten  die  Beherzteren  unter  den
Ungarn  Widerstand  zu  leisten,  als  sie  aber  ihre  Waffengefährten  fliehen  sahen,  entsank
ihnen  der  Mut,  zersprengt  und  umzingelt  wurden  sie  vom  Schwert  erschlagen.  Manche
flüchteten,  da  ihre  Rosse  ermüdet  waren,  in  die  benachbarten  Dörfer,  aber  die  nachdringenden
  Angreifer  umringten  sie,  und  äscherten  die  Stätten  ein,  sodaß  die  Geflohenen
den  Tod  in  den  Flammen  fanden.  Andere  schwammen  durch  den  Fluß,  aber  das
jenseitige  Ufer  gewährte  ihnen  keinen  Halt  zum  Emporklimmen,  und  von  der  Strömung
fortgerissen,  fanden  sie  in  den  Wellen  ein  klägliches  Ende.

Noch  an  demselben  Tage  fiel  das  Lager  der  Ungarn  in  die  Hände  des  Königs,  und
wurden  alle  Gefangenen  befreit.  An  den  folgenden  beiden  Tagen  wurde  von  den  benachbarten
  Burgen  aus  die  übrig  gebliebene  Menge  so  aufgerieben,  daß  niemand  oder
nur  wenige  mit  dem  Leben  davon  kamen.  Aber  nicht  ohne  eigenen  Verlust  konnte  ein
Sieg  über  ein  so  wildes  Volk  erfochten  werden.  Tapfer  hatte  Konrad  gestritten.  Erschöpft
von  dem  harten  Strauß  und  der  Glut  der  Sonne,  welche  an  diesem  Tag  versengend
heiß  war,  hatte  er  die  Helmbänder  gelüftet,  um  aufzuatmen.  Da  durchschnitt  ihm  ein
Pfeil  die  Gurgel  und  raubte  ihm  das  Leben.  Sein  Körper  wurde  auf  Befehl  des  Königs
aufgehoben  und  mit  den  größten  Ehren  nach  Worms  übergeführt,  und  hier  wurde  unter
lauter  Klage  und  Tränen  aller  Franken  der  Held  zur  Erde  bestattet,  welcher  durch  jede
treffliche  Eigenschaft  des  Geistes  und  Körpers  geziert,  die  Welt  mit  dem  Ruhm  seines
Namens  erfüllt  hatte.

Drei  Heerführer  des  ungarischen  Volkes  wurden  gefangen,  vor  Herzog  Heinrich
geführt,  und  zu  schimpflichem  Tode,  wie  sie  es  verdienten,  verurteilt.  Sie  fanden  den
Tod  am  Galgen.

Glorreich  durch  herrlichen  Sieg  wurde  der  König  von  dem  Heere  als  Vater  des