Gito  II.  103

Vaterlandes  und  Kaiser  begrüßt.  Er  aber  befahl,  den  höchsten  Gott  zu  preisen,  und
würdige  Lobgesänge  zu  seiner  Ehre  in  allen  Kirchen  anzustimmen,  und  trug  durch  Boten
dasselbe  seiner  ehrwürdigen  Mutter  auf.  In  festlichem  Zuge  kehrte  er,  von  dem  Jubel
des  Volkes  begrüßt,  in  das  Sachsenland  heim,  und  wurde  hier  mit  Freuden  aufgenommen.
Denn  eines  solchen  Sieges  hatte  sich  seit  zwei  Jahrhunderten  kein  König  gefreut.  Der
Sieg  auf  dem  Lechfeld  setzte  auch  den  Einfällen  der  Ungarn  in  Deutschland  ein  Ziel.
Ihrem  Nomadenleben  entsagend,  siedelten  sie  sich  in  der  Donauebene  an,  und  bald  fand
auch  das  Christentum  bei  ihnen  Eingang,  da  namentlich  der  Bischof  Pilgerim  von  Passau
aus  eine  rege  Missionstätigkeit  entfaltete.

Rasch  aber  eilte  Otto  nun  von  den  Ufern  des  Lech  nach  der  Elbe  zurück,  wo  der
Kampf  gegen  die  Slaven  seine  Anwesenheit  erforderte.  Indessen  freilich  schaltete
Berengar,  der  auf  einem  Reichstag  zu  Augsburg  mit  Italien  belehnt  worden  war,  dort
mit  schrankenloser  Willkür  und  bedrohte  sogar  den  Kirchenstaat  mit  seinen  Eroberungsgelüsten.
  Otto  sah  sich  deswegen  im  Jahre  956  gezwungen,  seinen  Sohn  Lutolf  mit
einem  Heere  über  die  Alpen  zu  senden.  Dieser  erlag  jedoch  schon  im  folgenden  Jahre
einem  Fieber  und  erst  im  Jahre  961  konnte  Otto,  nachdem  er  die  Slaven  völlig  unterworfen
  hatte,  selbst  über  die  Alpen  ziehen,  um  durch  kräftiges  Eingreifen  in  die  zerrütteten
  Verhältnisse  dort  die  karolingische  Kaisergewalt  wieder  herzustellen.  Von  den
über  Berengars  Willkürherrschaft  empörten  Großen  mit  Jubel  empfangen,  ließ  er  sich,
nachdem  Berengar  für  abgesetzt  erklärt  worden  war,  zum  König  von  Italien  krönen  und
zos  dann  nach  Rom,  um  aus  der  Hand  Papst  Leo  XII.  die  Kaiserkrone  zu  empfangen.

Der  fortgesetzte  Widerstand  Berengars,  sowie  wiederholte  Unruhen  in  Rom,  hielten
Otto  zwei  Jahre  lang  in  Rom  fest,  und  die  Römer  ließen  sich,  nachdem  er  im  Jahre  963
nach  Deutschland  zurückgekehrt  war,  sofort  wieder  neue  Widersetzlichkeiten  zu  Schulden
kommen.  Zum  dritten  Male  zog  deswegen  Otto  966  nach  Italien,  und  jetzt  stellte  er
mit  äußerster  Strenge  in  Rom  die  Ordnung  wieder  her.  Um  das  ganze  Italien  unter
dem  Scepter  seines  Hauses  zu  vereinigen,  vermählte  er,  ehe  er  Rom  verließ,  seinen
Sohn,  der  bereits  von  den  Großen  zu  seinem  Nachfolger  ernannt  worden,  und  als
solcher  von  Papst  Johann  XIII.  gekrönt  worden  war,  mit  der  griechischen  Prinzessin
Teophania,  weil  er  hoffte,  diese  werde  als  Heiratsgut  die  griechischen  Provinzen  Kalabrien
und  Apulien  erhalten;  eine  Hoffnung,  die  freilich  nicht  in  Erfüllung  ging.

Im  Jahre  972  kehrte  Otto  nach  Deutschland  zurück  und  hielt  973  seinen  letzten
glänzenden  Reichstag  zu  Quedlinburg  im  Sachsenlande.  Mit  Stolz  konnte  er  nun  auf
das  Werk  seines  Lebens  sehen,  endlich  huldigten  alle  dem  großen  Gebieter.  Aber  der
Tod  seines  getreuen  Hermann  Billing,  der  gerade  jetzt  erfolgte,  mahnte  auch  Otto,  sein
Haus  zu  bestellen.  In  Memleben,  wo  auch  sein  Vater  gestorben  war,  schloß  Otto  der
Große  am  7.  März  973  die  Augen.

Otto  II.  973  -  983.

In  dem  jugendlichen  Alter  von  18  Jahren  bestieg  Otto  II.,  reich  mit  geistigen
Gaben  ausgestattet  und  sorgfältig  erzogen,  den  Thron  seines  Vaters.  Aber  diese  Jugend
hinderte  ihn  nicht,  mit  Umsicht  und  Energie  die  Regierung  zu  führen.  Seinen  auf-