104  Die  sächsischen  Raiser.

rührerischen  Vetter  Heinrich  II.  von  Bayern,  den  Zänker,  zwang  er  zur  Unterwerfung
und  übergab  ihn  dem  Bischof  von  Bamberg  zur  Ueberwachung.  Den  König  Lothar  von
Frankreich,  der  sich  Aachens  durch  Ueberraschung  bemächtigt  hatte,  und  glaubte,  das  gesamte
  Lothringen  an  sein  Haus  bringen  zu  können,  trieb  er  nach  Paris  zurück  und  zwang
ihn,  seinen  Eroberungsgelüsten  zu  entsagen.  Ungefähr  um  980,  gerade  zu  der  Zeit,  als
dem  jungen  Kaiser  ein  Erbe,  der  nachmalige  Otto  III.,  geboren  wurde,  hatte  er  sich  die
volle  Gewalt  seines  Vaters  gesichert.

Und  zu  dieser  Zeit  nun  führte  Otto  seinen  Plan  aus,  nach  Italien  zu  ziehen,  wo
Streit  und  Hader  seitdem  nicht  aufgehört  hatten.  In  Begleitung  seiner  Gemahlin,  seines
kleinen  Sohnes  Otto,  sowie  Ottos  von  Schwaben  und  einer  zahlreichen  jungen  Ritterschaft
  zog  er  dorthin.  Nachdem  er  in  Pavia  sich  mit  seiner  Mutter  Adelheid  ausgesöhnt
hatte,  die  ihm  sein  Vorgehen  gegen  den  Bayernherzog  Heinrich  schwer  verübelt  hatte,
nachdem  er  ferner  in  Ravenna  den  indessen  ebenso  wie  seine  Vorgänger  Benedikt  VI.  und
Bonifacius  VII.  von  der  nationalen  Partei  gestürzten  Papst  Benedikt  VII.  empfangen
und  sich  mit  ihm  beraten  hatte,  zog  er  Ostern  981  in  Rom  ein.  Crescentius,  das  Haupt
der  Empörung,  flüchtete  sich  ins  Kloster  und  Otto  bemühte  sich  nun,  das  Ansehen  des
päpstlichen  Stuhles  wieder  zu  festigen.  Zugleich  erwog  er  den  Gedanken,  Apulien  und
Kalabrien  den  Byzantinern  zu  entreißen,  und  schritt  bald  zur  Ausführung  seines  Vorhabens.
  Mit  Hilfe  der  lombardischen  Fürsten  in  Benevent  und  Kapua  eroberte  er
Neapel,  rückte  in  das  Gebiet  von  Amalfi  ein  und  feierte  das  Weihnachsfest  in  Salerno.
Bald  fielen  auch  Tarent  und  Bari  in  seine  Gewalt.  Bei  Cotrone  wurden  die  Sarazenen
in  einem  blutigen  Kampf  geschlagen,  aber  alles  was  Otto  mit  den  Seinigen  gewonnen,
nahm  ihm  der  Tag  vom  13.  Juli  982  wieder,  wo  bei  Squillace  in  Kalabrien  der  Kaiser
mit  den  Seinigen  von  den  aus  den  Schluchten  hervorbrechenden  Sarazenen  umringt
wurde.  Aller  Widerstand  war  vergebens.  Die  Blüte  der  Ritterschaft  sank  unter  dem
Schwerte  des  Feindes  und  nur  wie  durch  ein  Wunder  konnte  der  Kaiser  sich  retten.  Ein
griechisches  Schiff,  auf  dem  er  nicht  erkannt  wurde,  nahm  ihn  auf,  und  angesichts  der
Stadt  Rossano  sprang  er  in  die  Fluten,  um  schwimmend  das  Land  zu  erreichen.  Mit
den  höhnischen  Worten:  „Wie  haben  Euch  doch  meine  Landsleute  erschreckt",  empfing  ihn
seine  Gemahlin.  Allein  obgleich  sich  die  Folgen  dieser  unglücklichen  Schlacht  bald  bemerkbar
  machten,  verlor  Otto  doch  nicht  den  Mut.  Auf  einem  Reichstag  zu  Verona  983
sollten  Deutschland  und  Italien  zu  einem  Reiche  vereinigt  werden.  In  der  glänzenden
Versammlung,  die  sich  dort  um  den  Kaiser  scharte,  fehlte  nur  einer,  Otto  von  Schwaben,
der  den  Anstrengungen  der  Schlacht  erlegen  war.  In  Verona  wurde  der  Sohn  Ottos
und  der  Theophania,  der  vierjährige  Otto  einstimmig  zum  Nachfolger  gewählt,  und  sollte
alsbald  zur  Krönung  nach  Aochen  geleitet  werden.  Adelheid  wurde  als  Statthalterin
von  Italien  eingesetzt,  das  erledigte  Herzogtum  Schwaben  kam  an  einen  fränkischen
Grafen  Konrad,  und  Bayern  an  Herzog  Heinrich  den  Jüngeren.

Indem  Otto  so  die  beiden  mächtigsten  Familien  Deutschlands  für  sich  zu  gewinnen
und  den  Frieden  des  Reiches  zu  erhalten  suchte,  rüstete  er  sich  zugleich  zu  neuen,  großen
Unternehmungen,  um  sich  für  die  Schmach  von  Sguillace  zu  rächen  und  Griechen  und
Sarazenen  aus  der  Halbinsel  zu  verdrängen.  Den  Kampf  mit  Venedig,  in  den  er  dabei
verwickelt  wurde,  mußte  er  indessen  dem  Bischof  von  Ravenna  überlassen,  als  der  Tod
des  Papstes  Benedikt  VII.  seine  Anwesenheit  in  Rom  notwendig  machte.  Johann  XIV.,
bisher  Bischof  von  Pavia  und  Erzkanzler  des  Reichs,  ein  dem  Kaiser  treu  ergebener