Otte  III.  105

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Mann,  bestieg  nun  den  päpstlichen  Stuhl;  allein  während  die  Verhältnisse  in  Italien
Otto  in  Anspruch  nahmen,  traf  ihn  aus  Deutschland  schlimme  Kunde.  Unter  Haralds
Sohn  Sven  waren  die  Dänen  ins  Reich  eingebrochen  und  zugleich  hatten  sich  die  Wenden
in  neuer  Empörung  erhoben,  „hatten  Städte  und  Kirchen  in  Flammen  gesetzt,  die
Mönche  und  Priester  verjagt  oder  ermordet,  die  deutsche  Kultur  aus  dem  Boden  gerissen,
und  auf  den  Trümmern  von  Havelberg  und  Brandenburg  von  neuem  ihren  Götzendienst
errichtet.  Alles  das  wirkte  so  erschütternd  auf  den  Kaiser  ein,  daß  er  in  ein  hitziges
Fieber  verfiel  und  am  7.  Dezember  983  starb.  Seine  Leiche  wurde  in  der  Vorhalle  der
Peterskirche  unter  großer  Feierlichkeit  beigesetzt.  Später  brachte  man  seine  Asche  in  den
Vatikan,  wo  Otto  II.  nahe  bei  seinem  Verwandten  Gregor  V.  in  der  totenstillen  und
tragischen  Versammlung  von  Pöäpsten  schläst,  die  als  Mumien  in  ihren  Sarkophagen
liegen,  im  geisterhaften  Dämmerdunkel  jener  größesten  Katakombe  der  Weltgeschichte,  die
der  fühlende  Mensch  nie  durchwandert,  ohne  von  dem  Wehen  der  Geschichte  durchschauert
zu  sein.“

Otto  III.  983—  1002.

Die  Kunde  von  dem  Tode  des  Kaisers  traf  in  Deutschland  ein,  als  gerade  die
deutschen  Fürsten  in  Aachen  versammelt  waren,  wo  sie  Otto  gekrönt  hatten.  Und  gerade
auch  jetzt  war  Heinrich  der  Zänker  von  dem  Bischof  von  Bamberg  in  Freiheit  gesetzt
worden,  und  nun  erhob  sich  unter  den  Großen  des  Reichs  der  Streit,  ob  nach  deutschem
Rechte  Heinrich,  als  nächster  männlicher  Verwandter  des  jungen  Königs,  oder  ob  nach
oströmischem  seine  noch  in  Italien  weilende  Mutter  Theophania  die  Regentschaft  führen
sollte.  Heinrich  hatte  sich  sogleich  des  königlichen  Kindes  bemächtigt;  da  sich  indessen  bald
zeigte,  daß  er  selbst  nach  der  Krone  strebte,  verließen  ihn  die  Sachsen  und  Bayern,  auf
die  er  sich  in  erster  Linie  verlassen  hatte.  Der  fromme  und  gelehrte  Erzbischof  Willigis
von  Mainz,  hielt  des  Reiches  Einheit  und  die  Anhänger  des  jungen  Königs  aufrecht,
und  bald  blieb  Heinrich  nichts  anderes  übrig  als  aus  freien  Stücken  das  junge  Königskind
  seiner  Mutter  und  Großmutter  ausliefern,  und  dafür  nur  sein  Herzogtum  Bayern
zurückzuerbitten.  Als  er  dies  erhalten  hatte,  blieb  er  wie  einst  sein  Vater,  dem  Königshause
  in  unerschütterlicher  Treue  bis  an  sein  Ende  ergeben.

Theophania  leitete  während  der  Minderjährigkeit  ihres  Sohnes  die  Regierung  mit
Umsicht  und  Klugheit,  konnte  aber  doch  nicht  verhindern,  daß  die  Fürsten  allmählich  dem
Königtum  gegenüber  wieder  eine  selbständigere  Haltung  einnahmen.  Dies  trat  noch  mehr
zu  Tage  als  nach  ihrem  Tode  991  die  großen  Fürsten  des  Reichs  zugleich  mit  der  Großmutter
  des  jungen  Königs,  Adelheid,  förmlich  die  Regierung  führten.  Wieder  begannen  wie
einst,  die  einzelnen  Stämme  ihre  Herzöge  selbst  zu  wählen,  die  Bayern  wählten  nach  Heinrich
des  Zänkers  Tod  dessen  Sohn  Heinrich,  in  Schwaben  z.  B.  gründete  sich  die  Nachfolge
in  der  Herzogswürde  geradezu  auf  eine  Art  von  Erbrecht.

Kaum  mündig  geworden,  als  sechszehnjähriger  Jüngling,  zog  Otto  III.  zum  erstenmale
  nach  Rom,  wo  er  die  Kaiserkrone  erhielt  und  seinen  Vetter,  den  jungen  Gregor  W.
auf  den  päpstlichen  Stuhl  erhob.  In  die  Heimat  zurückgekehrt,  kämpfte  Otto  ohne  großen
Erfolg  gegen  die  noch  immer  aufständischen  Wenden,  zog  aber  bald  wieder  nach  Italien,