106  Die  sächsischen  Kaiser.

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wo  er  Rom  unter  Führung  des  Crescentius  in  Empörung  gegen  den  Papst  und  gegen
sich  fand.  Mit  grausamer  Strenge  strafte  Otto  die  Empörer.  Nach  Gregor  V.  Tod
ließ  er  seinen  hochberühmten  Lehrer  Gerbert  von  Reims  als  Syloester  II.  zum  Papfst
wählen.

Am  Ende  des  Jahrhunderts  verließ  Otto  Italien,  um  nach  Deutschland  zurückzukehren,
  wo  in  seiner  Abwesenheit  die  Aebtifsin  Mathilde  von  Quedlinburg  die  Regierung
geleitet  hatte.  Als  sie  indessen  starb,  und  auch  Adelheid  zu  gleicher  Zeit  aus
dem  Leben  schied,  hielt  Otto  seine  Anwesenheit  im  Reiche  für  dringend  notwendig.
  In  Glanz  und  Herrlichkeit  zog  er  im  Jahre  1000  in  Regensburg  ein,  brach
dann  nach  Thüringen  und  der  Nordmark  auf,  und  eilte  nach  Gnesen,  um  dort  an  dem
Grabe  des  Bischofs  Adalbert  von  Prag,  des  Apostels  der  Preußen,  seine  Andacht  zu  verrichten,
  und  zugleich  das  Bistum  Gnesen  zum  Erzbistum  zu  erheben.  Auf  einer  Reichsversammlung
  in  Magdeburg  beriet  er  sodann  mit  den  Großen  seines  Reiches  die  inneren
Angelegenheiten  und  reiste  dann  über  Mainz  und  Köln  nach  Aachen.  Da,  erzählt  die
Chronik,  begab  er  sich  sogleich  nach  der  Gruft  des  Kaisers  Karl  in  Begleitung  zweier
Bischöfe  und  des  Grafen  Otto  von  Lomello.  Der  Kaiser  selbst  aber  war  der  vierte.
Der  Graf  berichtete  über  den  Vorgang  in  folgender  Weise:  Wir  traten  in  die  Gruft
Kaiser  Karls  ein.  Karl  lag  nicht  im  Grabe,  wie  es  sonst  bei  andern  Toten  der  Fall  ist,
sondern  er  saß  aufrecht  wie  ein  Lebender  auf  seinem  Thron.  Eine  goldene  Krone  trug
er  auf  dem  Haupt,  ein  Szepter  in  den  Händen.  Die  Hände  waren  mit  Handschuhen  bedeckt,
  durch  welche  die  Nägel  hindurch  gewachsen  waren.  Ueber  ihm  erhob  sich  ein  Baldachin
der  aus  Marmor  und  Kalk  zusammengefügt  war.  Als  wir  auf  die  Deckplatte  der  Gruft
stießen,  brachen  wir  ein  Loch  ein,  und  drangen  hierdurch  in  die  Gruft  ein.  Ein  starker
Geruch  kam  uns  entgegen,  als  wir  eintraten.  Sogleich  warfen  wir  uns  vor  dem  Kaiser
auf  die  Kniee  nieder  zum  Gebet.  Darauf  ließ  Kaiser  Otto  dem  Leichnam  weiße  Kleider
anlegen,  die  Nägel  abschneiden,  und  alles,  was  sonst  schadhaft  war,  wieder  herstellen.
Von  den  Gliedern  Karls  war  übrigens  keines  durch  Verwesung  zerstört,  nur  daß  die
Nasenspitze  fehlte,  diese  ließ  Otto  sogleich  aus  Gold  ergänzen.  Nachdem  er  einen  Zahn
aus  den  Mund  Karls  zu  sich  genommen,  ließ  er  die  Decke  der  Gruft  wieder  herstellen
und  entfernte  sich.

Bald  zog  den  kaiserlichen  Jüngling  die  Sehnsucht  wieder  nach  Italien.  In  verwirrter
  Lage  ließ  er  das  Deutsche  Reich  zurück,  aber  mehr  als  an  diesem  hing  sein  Herz
an  der  alten  Kaiserstadt  Rom.  Im  Oktober  des  Jahres  1000  zog  er  dort  ein  und  schlug
sein  Lager  auf  dem  Aventin  auf,  zusammen  mit  seinem  Lehrer  Bernward  von  Hildesheim.
  Aber  dort  von  den  Römern  belagert,  war  Otto  schon  entschlossen,  sich  mit  der
kleinen  Schar  seiner  Getreuen  durch  die  Empörer  durchzuhauen,  als  es  Bernward  und
den  kaiserlichen  Heerführern  gelang,  dieselben  zur  Vernunft  zurückzubringen.  Sie  schlossen
die  Tore  auf,  und  gelobten  Treue  und  Gehorsam.  Von  einem  Turm  herab  sprach  Otto
zu  ihnen  und  hielt  ihnen  ihre  ganze  Treulosigkeit  vor,  sodaß  sie  mächtig  ergriffen
wurden.  Allein  diese  Wirkung  war  nur  eine  augenblickliche  und  tiefgebeugt  verließ  der
Kaiser  am  16.  Februar  1001  mit  dem  Papste  die  Stadt,  um  in  Ravenna  seinen  Aufenthalt
  zu  nehmen,  wo  er  bald  mit  dem  Einsiedler  Romuald  und  dem  Abte  Odilo  von  Cluny
sich  religiösen  Uebungen  hingab,  und  mit  dem  Dogen  von  Venedig  neue  kriegerische  Unternehmungen
  und  eine  Heiratsverbindung  plante.  Als  er  indessen  um  Pfingsten  wiederum
vor  Rom  rückte,  hielt  ihm  dieses  seine  Tore  verschlossen  und  der  nun  ausbrechende  Kampf