110  Die  sächsiscen  Keiser.

Heinrich  Schutz  und  Hülfe  zu  suchen.  Allein  unerwarteterweise  erklärte  sich  dieser  für
Benedikt,  und  kam  im  Winter  1013  in  Begleitung  seiner  Gemahlin  über  die  Alpen,
feierte  in  Pavia  das  Weihnachtsfest  und  begab  sich  dann  nach  Ravenna,  wo  Benedikt  mit
ihm  zusammentraf.  Am  14.  Februar  1014  wurde  er  mit  seiner  Gemahlin  in  Rom  feierlich
gekrönt  und  gesalbt.

Boleslav  hatte  indessen  seinen  Feldzug  in  Rußland  beendigt,  und  trug  sich  nun  mit
dem  Gedanken,  die  ganze  Slavenwelt  zu  einem  großen  Reich  zu  vereinigen,  in  welchem  er  dem
zwiespältigen  und  uneinigen  Deutschland  eine  gewaltige  Macht  entgegenzustellen  hoffte.
Allein  trotz  mancher  erfolgreichen  Kämpfe  gelang  ihm  die  Durchführung  dieses  Planes
nicht.  Am  30.  Januar  1018  schloß  er  in  Bautzen  seinen  Frieden  mit  Heinrich,  blieb
zwar  im  Besitz  der  eroberten  Landschaften,  mußte  aber  zum  Reiche  von  neuem  in  ein
Lehensverhältnis  treten.

Eine  andere  Enttäuschung,  die  aus  dem  Verhältnis  zu  König  Rudolf  III.  von
Burgund  entsprang,  mochte  dem  König  nicht  weniger  schmerzlich  sein.  Rudolf,  der
Bruder  von  Heinrichs  Mutter  Gisela,  hatte,  da  er  selbst  ohne  Nachkommen  war,  1006
mit  diesem  einen  Vertrag  abgeschlossen,  demzufolge  nach  seinem  Ableben  diesem  das  Reich
zufallen  sollte.  Allein  der  burgundische  Adel,  an  dessen  Spitze  Graf  Otto  Wilhelm,  ein
Sohn  des  einstigen  Longobardenkönigs  Adalbert  und  Enkel  Berengars  von  Jorrea  stand,
suchte  dies  auf  alle  mögliche  Weise  zu  verhindern,  und  nötigte  den  schwachen  König  durch
Drohung  und  Heuchelei  zweimal  sein  Wort  zu  brechen,  sodaß  sich  Heinrich  vorerst  nur  mit
Aussichten  zu  trösten  hatte.

Die  verhältnismäßig  geringen  Erfolge,  welche  Heinrich  seinen  Feinden  gegenüber
aufzuweisen  hatte,  stammten  namentlich  auch  neben  den  vielseitigen  Anforderungen,  welche
an  den  Kaiser  zu  gleicher  Zeit  gemacht  wurden,  aus  der  Unruhe  desselben.  Darunter
hatte  namentlich  auch  die  von  ihm  sonst  sehr  energisch  betriebene  Mission  in  den
heidnischen  Ländern  zu  leiden.  Die  Liutizen  hatten  ihre  Erfolge  und  die  Stellung,  die
man  ihnen  eingeräumt  hatte,  übermütig  gemacht,  sie  bekriegten  im  Bunde  mit  den
heidnischen  Abodriten  die  christlichen  Abodriten,  und  hausten  schrecklich  in  dem  Lande
derselben.  Umsonst  flehten  die  Bedrängten  den  Kaiser  um  Hülfe  an;  der  mußte  sie  mit
Versprechungen  trösten,  und  erst  im  Jahre  1020  gelang  es  dem  Erzbischof  Umwar
von  Bremen  und  dem  Herzog  Bernhard  von  Sachsen,  die  Aufständischen  zum  Gehorsam
zu  zwingen.

Noch  einmal  sah  sich  dann  der  König  im  Jahre  1021  genötigt,  nach  Italien  zu
ziehen.  Benedikt  VIII.  war  ein  kraftvoller  Herrscher,  der  mit  Hülfe  seiner  Familie  die
römischen  Großen  zum  Gehorsam  zwang,  die  arabischen  Seeräuber  mit  Hülfe  von  Genua
und  Pisa  glücklich  bekriegte,  ja  sogar  mit  dem  Plane  umging,  Kalabrien  und  Apulien
von  der  byzantinischen  Herrschaft  zu  befreien,  und  deswegen  die  Niederlassung  der
Normannen  begünstigte.  Im  Jahre  1020  war  er  sogar  nach  Deutschland  gekommen,  und
hatte  in  Bamberg  den  Kaiser  zum  Zug  nach  Italien  aufgefordert.  Siegreich  durchzog
Heinrich  das  Land,  das  ihm  überall  Unterwerfung  anbot,  und  erst  eine  pestartige  Krankheit,
die  von  seinem  Heere  viele  dahinraffte,  zwang  ihn  1022  zur  Rückkehr.

Im  Gefühl  seiner  neuen  Stellung  suchte  nun  der  Papst  auch  eine  Kirchenreform
im  großartigen  Stile  durchzuführen.  Das  Papsttum  sollte  den  verlorenen  Einfluß  auf
die  Kirche  des  Abendlandes  zurückerhalten,  und  zugleich  Wächter  und  Hort  einer  tieferen
Religiosität  und  Sittlichkeit  werden.  Ein  allgemeiner  Weltfriede  sollte  dieser  Reform